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Sozial- und Kommunikationswissenschaften: Zwischen den Disziplinen

Rabea Immer studiert Sozial- und Kommunikationswissenschaften. Sie ist vor allem von der Vielfältigkeit des Studiengangs begeistert. Foto: Philipp Sittinger

Rabea Immer studiert Sozial- und Kommunikationswissenschaften. Sie ist vor allem von der Vielfältigkeit des Studiengangs begeistert. Foto: Philipp Sittinger

Im Studiengang Sozial- und Kommunikationswissenschaften geht es um das große Ganze der Gesellschaft, um Politik, Medien, Wirtschaft und das Verstehen von Zusammenhängen. Rabea Immer ist davon besonders begeistert. Sie studiert im fünften Bachelorsemester und freut sich auf die Erfahrungen in der vielfältigen Arbeitswelt, die Absolventen des Faches offen steht.

Woher kommt Ihre Begeisterung für das Fach Sozial- und Kommunikationswissenschaften?

Mir gefällt vor allem, dass das Fach breit gefächert ist. Ich habe mir zunächst andere Unis angeschaut. Aber an den meisten Standorten gibt es Soziologie, Politikwissenschaft oder Medienwissenschaft als einzelne Fächer. Das Fach Sozial- und Kommunikationswissenschaften hier in Landau bietet von allem etwas. Ich finde dabei die komplexen Zusammenhäng­e zwischen verschiedenen Teilen der Gesellschaft sehr spannend. Man kann sich das große Ganze anschauen.

Wie sind Sie auf den Bachelor Sozial- und Kommunikationswissenschaften und den Standort Landau aufmerksam geworden?

Die Serie

Abiturienten stehen viele Möglichkeiten offen. Studieren oder eine Ausbildung beginnen, Uni oder FH? Und welches Fach ist für mich das Richtige? In unserer Serie “Was studieren?” stellen Studierende der Universität Koblenz-Landau ihren Studiengang vor. Bereits erschienene Artikel finden sie hier.

Zunächst ist Landau nicht allzu weit entfernt von meiner Heimat in Baden-Württemberg. Ich wusste ursprünglich nicht, dass es in Landau eine Universität gibt. Ich war erst am Standort Koblenz interessiert, weil mir die Stadt sehr gefällt. Dann habe ich den Studiengang Sozial- und Kommunikationswissenschaften am Campus Landau entdeckt und die Themen haben mir gleich gefallen. Nach dem Abi wollte ich aber eigentlich Sonderpädagogik studieren und habe deshalb ein FSJ als Integrationshilfe an einer Schule gemacht. Das hat mir allerdings nicht so gut zugesagt und so habe ich mich für das Studium in Landau entschieden.

Was machen Sie genau in Ihrem Studium?

Das Studium ist in vier Bereiche aufgeteilt: Es geht um Politik, Soziologie, Wirtschafts- und Kommunikationswissenschaft. Zu den einzelnen Bereichen gibt es verschiedene Module, Vorlesungen und Seminare, in denen man die verschiedenen Themen genauer kennenlernt. Ab dem vierten Semester kann man sich spezialisieren und zwischen drei Profilen wählen. Das erste heißt Arbeit – Bildung – Wirtschaft, das zweite Politik – Bildung – Institutionen und das dritte Kommunikation – Medien – Politik. Ich habe mich für das letzte Profil entschieden. Das finde ich am Aufbau des Studiums so sinnvoll: Ich kann in den Seminaren der ersten drei Semester herausfinden, was mir gefällt, und muss mich nicht vorher festlegen.

Was gefällt Ihnen dabei am besten?

Ich finde ich es klasse, dass wir ein Pflichtpraktikum machen müssen. Zu Beginn des Studiums habe ich oft gehört, man hätte mit meiner Disziplin später schlechte Jobchancen. Durch die Suche nach dem Praktikum und das Praktikum selbst, habe ich aber gemerkt, dass ich später vielfältige Arbeitsmöglichkeiten haben werde.

Welche Fähigkeiten sind in Ihrem Studium besonders gefragt?

Es hilft auf jeden Fall, gut schreiben zu können. Und man sollte Mathematik nicht hassen: In den Fächern Quantitative Methoden und Mikro- und Makroökonomie wird es gebraucht. Später kann man sich natürlich so spezialisieren, dass es weniger wird. Aber Mathematik sollte nicht unterschätzt werden. Außerdem schadet es nicht, für alles Mögliche offen zu sein. In meinem Studium geht es um sehr viele verschiedene Themen. Man sollte zum Beispiel nicht nur auf Menschen oder die Wirtschaft fokussiert sein. Die Gesellschaft geht weit über diese Bereiche hinaus, kleinteiliges Denken ist fehl am Platz. Ich stelle es mir vor wie bei einer Fensterfront: Es geht um die ganze Reihe, nicht nur um ein einzelnes Fenster.

Was möchten Sie nach der Uni machen?

Erst dachte ich, Forschung wäre das Richtige für mich. Nach dem Bachelor wollte ich mich darauf spezialisieren. Mein Profilfach und das Praktikum haben mich allerdings umdenken lassen und ich jetzt würde lieber im Bereich politische Bildung arbeiten, zum Beispiel bei politischen Stiftungen. Ob ich einen Master dranhänge, weiß ich noch nicht. Vielleicht möchte ich erst noch ein paar Praktika machen, um herauszufinden, auf was ich am meisten Lust habe.

Wie bereiten Sie die Studieninhalte auf Ihr zukünftiges Berufsleben vor?

Zu Beginn hatte ich auch hier einige Zweifel, weil ich nicht genau wusste, was mit dem Studium alles möglich ist. Aber durch das Pflichtpraktikum fühle ich mich viel besser auf das Berufsleben vorbereitet. Im Studium habe ich außerdem gelernt, eigenverantwortlich zu arbeiten. Das konnte ich beim Praktikum direkt anwenden. Außerdem war viel politisches Wissen und Allgemeinwissen gefragt. Da konnte ich auf die Inhalte aus den politikwissenschaftlichen Vorlesungen zurückgreifen.

Konnten Sie schon Praxisluft schnuppern?

Ja,  ich habe mein Pflichtpraktikum beim Landesbüro der sozial-demokratischen Friedrich-Ebert-Stiftung in Düsseldorf gemacht. Dabei habe ich Projekte und Veranstaltungen geplant und vor- und nachbereitet. Außerdem war ich bei Seminaren und Veranstaltungen dabei. Ich habe beispielsweise beim Seminar Progress.NRW – Labor für politisches Engagement mitgeholfen. Das Thema war Europa progressiv gedacht. Besonders spannend fand ich die Verknüpfung der verschiedenen Perspektiven. In einem anderen Seminar namens sollten Teilnehmer die Inhalte selbst gestalten. Sie konnten frei entscheiden, welche Workshops und Vorträge es geben soll, indem sie selbst Ideen einbrachten. So entstanden immer mehr neue Workshops. Das Praktikum hat mich zudem darin bestärkt, dass das dritte Profil Kommunikation – Medien – Politik das Richtige für mich ist. Außerdem fand ich es schön, zu sehen, wie vielseitig die Berufe in dem Bereich sein können.

Welchen Tipp geben Sie denjenigen, die noch auf der Suche nach dem passenden Studienfach sind?

Man sollte sich verschiedene Universitäten und Studiengänge anschauen. Es gibt so viel Auswahl und es ist schwierig herauszufinden, was zu einem passt. Die Größe der Universität ist auch wichtig: Landau ist eine eher kleine Universität. Ich habe das Gefühl, dass die Leute sich hier eher helfen und weniger Konkurrenzdruck herrscht. Und trotzdem gibt es viele Angebote, wie den Hochschulsport, die Hochschulgruppen und andere Freizeitangebote. Außerdem ist Landau eine kleine Stadt, die einen nicht überfordert. Dennoch gibt es genug Bars, Kneipen und Cafés. Alles ist gut erreichbar und die Stadt liegt sehr schön. Man ist schnell in Frankreich oder in der nächsten Großstadt. Zum Fach Soziologie ist noch wichtig zu sagen, dass es sich dabei nicht um soziale Arbeit handelt, sondern um Wissenschaft. Viele verwechseln das und sind enttäuscht, wenn sie mit dem Studium anfangen. Es ist ein guter Einstieg, um herauszufinden, welches Fachgebiet für einen infrage kommt.

 

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