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Raumanalyse leicht gemacht

Im Koblenzer GIS-Labor führt Dr. Michael Tempel Schülerinnen und Schüler in die computergestütze Raumanalyse ein. Foto: Sarah-Maria Scheid.

Im Koblenzer GIS-Labor führt Dr. Michael Tempel Schülerinnen und Schüler in die computergestütze Raumanalyse ein. Foto: Sarah-Maria Scheid.

Dr. Michael Tempel ist akademischer Mitarbeiter als Lehrkraft für besondere Aufgaben (LfbA) in der Abteilung Geographie des Fachbereichs 3, leitet  Lehrveranstaltungen und betreut das GIS-Labor in Koblenz. Das GIS-Labor hat unter Anderem die Aufgabe, Schülern Geographische Informationssysteme (GIS), ein Grundwerkzeug der Raumanalyse, näherzubringen.

Was hat Sie an die Universität Koblenz-Landau verschlagen?

Ich komme ursprünglich aus der Pfalz, habe in Mainz physische Geographie studiert und promoviert. Parallel habe ich ein Lehramtsstudium belegt. Jetzt bin ich seit 2008 hier in Koblenz im Fachbereich Geografie tätig. Zunächst war mein Arbeitsplatz befristet. Doch seit neun Jahren bin ich in unbefristeter Stellung als wissenschaftlicher Mitarbeiter tätig. Meine Stelle ist jedoch nicht für das GIS-Labor vorgesehen. Dies ist ein Zusatzprojekt.

Was gefällt Ihnen an der Arbeit hier?

Ich halte unglaublich gerne Lehrveranstaltungen. Das entspricht auch meiner Stelle als Lehrkraft für besondere Aufgaben, die eine Hochdeputatstelle mit 16 Semesterwochenstunden ist. Ansonsten gehören natürlich auch das wissenschaftliche Arbeiten und die Forschung dazu, die ich inzwischen ein bisschen weniger betreibe.

An welchen Themen haben Sie geforscht?

Ich habe ursprünglich viel in der Hydrogeografie und zum Thema Hochwasserschutz gearbeitet – genauer in Rheinland-Pfalz im Rheinischen Schiefergebirge. Ich war lange Zeit im Soonwald aktiv bezüglich der Hochwasserentstehung und der anthropogenen Einflüsse auf die Entstehung. Später haben wir dies auch auf den Nationalpark Hunsrück-Hochwald ausgedehnt. Dr. Julian J. Zemke und Dr. Dieter König waren ebenfalls daran beteiligt. Aktuell forsche ich weniger und arbeite eher im Transfer bei der Arbeit im GIS-Labor.

Was sind Geographische Informationssysteme?

Geographische Informationssysteme sind ein Werkzeug zur rechnergestützten Auswertung von räumlichen Daten. Damit kann man diese verwalten, analysieren und in thematischen Karten darstellen. Dies ist ein Grundhandwerkzeug der Raumwissenschaften. Man kann vorhandene Daten darstellen, aber auch neue Daten produzieren, indem man Analysen durchführt, neue Erhebungen macht und im räumlichen Kontext auswertet. Wir arbeiten hier mit ArcGIS, einem im wissenschaftlichen Kontext marktführenden System. Für Schulen ist dieses Programm sogar kostenlos.

Was ist in diesem Kontext das GIS-Labor?

Grundsätzlich geht es darum, Raumdaten zu analysieren und auszuwerten. Beim aktuellen Projekt suchen wir nach Einsatzmöglichkeiten von Geographischen Informationssystemen in der Schule, also nach einem digitalen Einsatzbereich von Geomedien. Das, was wir mit dem GIS-Labor erreichen wollen, steht auf vier Säulen. Zum einen auf der universitären Lehre sowie der GIS-gestützten Forschung, also wie das Werkzeug GIS optimal in der Forschung platziert werden kann. Zum anderen haben wir noch den Bereich des allgemeinen Transfers in die Region zu öffentlichen Institutionen und in die freie Wirtschaft. Dieser Bereich ist aber noch im Aufbau. Der vierte Bereich ist der Kontakt zu Schulen.

Sie betreuen das GIS-Labor: Was sind Ihre Aufgaben?

Ich kümmere mich um den Transfer von Geographischen Informationssystemen in die Öffentlichkeit. Dazu tragen auch studentische und wissenschaftliche Hilfskräfte im GIS-Labor bei. Außerdem werden auch Bachelor- und Masterarbeiten in diesem Kontext verfasst. Aber in erster Linie geht momentan darum, wie man GIS in Schulen gut einsetzen kann. Wir haben das GIS-Labor, als außerschulischen Lernort, Anfang 2016 aufgebaut und bewerben es. Die Labore sind, neben unseren Räumlichkeiten in der Emil-Schüller-Straße, die Campusrechnerräume der Universität und diese nutzen wir als außerschulischen Lernort. Die Schulklassen kommen an die Universität und besuchen ein dreistündiges Seminar.

Wie laufen die Seminare mit Schulen ab?

Der Schwerpunkt ist ganz klar, dass die Schüler zu uns in die Rechnerräume an die Uni kommen. Die Seminare sind für die Klassenstufen fünf bis dreizehn geeignet und orientieren sich am Lehrplan. Wir wollen aber noch gezielter an Schulen herantreten. Allerdings wäre das dann nicht mehr der außerschulische Lernort im klassischen Sinne. Das Einzige, was wir aktuell in Schulen anbieten können, ist die Erstellung von Story Maps. Das sind Baukastensysteme zur Erstellung digitaler Geomedien, die auf Wunsch auch direkt online publiziert werden können. Dies ist für Schulen auch themenübergreifend einsetzbar.

Zukünftig sollte es möglich werden, jegliche Kurseinheiten als Desktopvariante in Schulen anzuwenden. Die Förderung, die wir vom Ministerium für Wissenschaft, Weiterbildung und Kultur Rheinland-Pfalz erhalten, bezieht sich aber aktuell leider nur auf den außerschulischen Lernort. Die Seminare werden für Schulen immer beliebter. Die Lehrkräfte haben oft nicht genug Know-how im Umgang mit dem Programm. Zudem fehlen oft entsprechend aufbereitete Daten und fertig ausgereiftes didaktisches Material, um eine Unterrichtseinheit aufzubereiten.

Wie waren Sie als Student?

Motiviert war ich schon. (lacht) Mir hat mein Studium Spaß gemacht und mich sehr interessiert. Auch damals hat mir die Arbeit mit GIS schon sehr gefallen. Obwohl ich zugegebenermaßen auch erst am Ende des Studiums damit anfing. Vorher wurde einfach weniger mit digitalen Systemen gearbeitet. Aber die physische Geografie fand ich schon immer großartig. Wenn irgendwas wirklich Spaß macht und man Interesse daran hat, dann ist man auch motiviert.

Was meinen Sie: Hat sich das heutige Studentenleben im Vergleich zu Ihrer Studienzeit verändert?

Das Studium ist – im Vergleich zu den alten Studiengängen – etwas stärker in ein Schulsystem überführt worden. Das kann man auch am Prüfungsdruck, der auf den Studierenden lastet, sehen. Heute ist jede einzelne Modulprüfung wichtig. Früher hat man Scheine gemacht, die aber oft für die Abschlussnote weniger bedeutsam waren. Vieles ist digitaler geworden. Während früher noch sehr viel mit Lehrbüchern gearbeitet und gelernt wurde, passiert heute vieles online und foliengestützt. Ich sehe das manchmal etwas problematisch. Ein Lehrbuch ist eine didaktische Aufarbeitung eines Stoffes und eine Folie ist vorlesungs- oder übungsbegleitend. Bezogen auf das Lernen hat die Arbeit mit Lehrbüchern scheinbar abgenommen.

Wann haben Sie gemerkt, dass der Weg in die Wissenschaften der richtige für Sie ist?

Ich habe mich auf die freie Stelle beworben und ich wusste eigentlich schon immer, dass mir Lehre unglaublich viel Spaß macht. Ich habe noch ein Lehramtsstudium begonnen, bevor ich die Zusage für die Stelle hier in Koblenz erhielt. Schon zur Zeit meiner Promotion in Mainz habe ich drei Lehrveranstaltungen pro Semester durchgeführt. Die Wissensvermittlung steht an der Uni sehr im Vordergrund und der Umgang mit Studierenden macht mir viel Spaß.

Waren Sie schon im Ausland oder haben Sie dort geforscht?

Forschung habe ich im Ausland weniger betrieben. Mein Fokus lag immer stark auf unseren Mittelgebirgen. Ich war schon im Ausland, aber eher mit einem universitären Background, um studiengangsspezifische Kooperationen voranzutreiben oder natürlich als Lehrveranstaltungen im Rahmen von Auslandsexkursionen zu schließen. Vorletztes Jahr war ich in Ruanda und letztes Jahr in Madagaskar. Die Reisen waren angedockt an Projekte mit unserem Ruanda-Zentrum und Büro für Afrika-Kooperationen der Universität Koblenz-Landau.

Wiegen sich der organisatorische Aufwand und die Lehre auf? Oder ist der organisatorische Aufwand besonders hoch?

Die Lehre steht bei mir im Vordergrund. Bei der Grundverwaltung wie der Planung des Modulhandbuches oder Ähnlichem bin ich im Allgemeinen nicht involviert. Dennoch bin ich als einer der Mittelbauvertreter Mitglied des Fachbereichsrates des Fachbereiches 3, im Prüfungsausschuss für BioGeoWissenschaften und im Fachausschuss für Studium und Lehre zugleich Kommission zur Qualitätssicherung und -Entwicklung. Jenseits der universitären Selbstverwaltung in Gremien und Ausschüssen ist mein Verwaltungsanteil also recht klein.

Welche Dinge mögen Sie fernab des wissenschaftlichen Alltags? Was unternehmen Sie als Ausgleich zur Denkarbeit an der Uni?

Der wissenschaftliche Alltag nimmt einen großen Raum ein in meinem Leben. Ich habe Hunde, genauer Golden Retriever, und treibe gerne Sport. Ich spiele Tennis, Fußball und gehe gerne laufen und schwimmen. Im Moment fehlt mir jedoch ein wenig die Zeit für den Sport.

Das Interview führte Sarah-Maria Scheid

 

 

 

 

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