Promovierende im Interview
Schreibe einen Kommentar

Führungsverhalten im Notfall

Florian Rosings Forschung gilt Menschen, die in extremen Situationen Verantwortung übernehmen und über sich hinauswachsen. Foto: René Lang Florian Rosings Forschung gilt Menschen, die in extremen Situationen Verantwortung übernehmen und über sich hinauswachsen. Foto: René Lang

In Extremsituationen bauen wir auf die Kompetenz professioneller Rettungskräfte. Welche Fähigkeiten Führungspersonen besitzen müssen, um im Worst Case richtig handeln zu können, erforscht Florian Rosing, Doktorand in der Sozial- und Organisationspsychologie am Campus Koblenz.

Sie forschen, organisieren Tagungen oder schreiben Fachartikel: In unserer Serie “Promovierende im Interview” berichten wir über Promovierende und ihre Forschung an unserer Universität. Und fragen: Was ist ihr Thema? Was sind ihre Leidenschaften? Wieso haben sie sich für eine Promotion entschieden? Wie organisieren sie ihr Arbeitspensum?

Bitte beschreiben Sie Ihre Forschung in wenigen Sätzen.

Ich setze mich in meiner Dissertation mit Führungsverhalten in Extremsituationen auseinander. Extremsituationen lassen sich als Gefahrenlage beschreiben, bei der Menschen an ihr Limit gehen und sogar darüber hinaus. Feuerwehrleute kommen zum Beispiel bei einem Wohnungsbrand in solch eine Extremsituation. Führungskräfte haben hierbei die Aufgabe, alle Maßnahmen zur Abwehr der Gefahren und zur Begrenzung der Schäden zu veranlassen. Dabei tragen Führungskräfte große Verantwortung für die Sicherheit und die Gesunderhaltung aller Beteiligten im Einsatz – für die der Einsatzkräfte, wie auch für die der Betroffenen. Ich gehe der Frage nach, was geeignetes Führungsverhalten unter diesen besonderen Umständen auszeichnet und über welche besonderen Stärken Führungskräfte verfügen, die ihnen diese enormen Leistungen ermöglichen.

Was fasziniert Sie an diesem Thema?

Das Thema liegt mir besonders am Herzen, denn wenn wir in eine Notlage geraten, sind wir froh, wenn wir schnell professionelle Hilfe erhalten. Wir setzen all unser Vertrauen in die Rettungskräfte, die uns in unserer Not beistehen und helfen, wieder festen Boden unter den Füßen zu bekommen. Meine Forschungsergebnisse sollen dabei helfen, effektives Führungsverhalten in Extremsituationen ein Stück weit zu entschlüsseln und so die Sicherheit von Betroffenen zu erhöhen, wie auch den Arbeitsalltag von Feuerwehrleuten und Polizisten sicherer zu machen.

Wieso haben Sie sich für eine Promotion entschieden?

Bereits in meinem Psychologiestudium habe ich mich intensiv mit der Führungsforschung auseinandergesetzt. Zudem konnte ich als Studentische Hilfskraft und als Marktforscher feststellen, dass mir Forschung – insbesondere das Schreiben – großen Spaß macht. Mein Forschungsthema hat mich von Anfang an interessiert. Wichtig ist doch, dass man sich langfristig für sein Thema begeistern kann und ein Interesse hat, eine wissenschaftliche Fragestellung vertieft zu bearbeiten. Man setzt sich in der Forschung intensiv mit einem Thema auseinander, schaut hinter die Fassade, überlegt und kombiniert. Das ist ein bisschen wie bei einem Inspektor in einem Krimi: Man geht auf Spurensuche und versucht, das Rätsel zu lösen.

Wie wird Ihre Promotion finanziert?

Meine Finanzierung läuft derzeit über eine 50-prozentige Mitarbeiterstelle am Institut für Psychologie sowie eine 25-prozentige Mitarbeiterstelle als Koordinator des Zwei-Fach-Bachelors.

Welche zusätzlichen wissenschaftlichen Aktivitäten planen oder machen Sie bereits neben der Promotion?

Ich nehme an nationalen sowie internationalen Fachtagungen teil. Zuletzt habe ich beispielsweise einen Vortrag auf dem Kongress der European Association of Work and Organizational Psychology in Dublin gehalten. Zudem werde ich in diesem Jahr mit einem Beitrag an der Tagung der Fachgruppe Arbeits-, Organisations- und Wirtschaftspsychologie
der Deutschen Gesellschaft für Psychologie in Dresden teilnehmen. Des Weiteren beteilige ich mich an Nachwuchsworkshops für Doktoranden, die von der Deutschen Gesellschaft für Psychologie angeboten werden. Hinzu kommen auch Veranstaltungen der Hochschuldidaktischen Arbeitsstelle und des Interdisziplinären Promotionszentrums der Universität Koblenz-Landau. Bei Letzterem bin ich als Beiratsmitglied tätig. Abschließend besuche ich Methodenworkshops, die sich zum Beispiel mit dem wissenschaftlichen Schreiben oder Forschungsmethoden beschäftigen.

Was sind Ihre beruflichen Pläne für die Zukunft?

In den nächsten Jahren möchte ich mein Fachwissen und meine Fertigkeiten stetig ausbauen und verbessern, interessante Projekte und Studien umsetzen und mit meinen Betreuerinnen Prof. Dr. Diana Boer und Prof. Dr. Claudia Buengeler sowie mit meiner Kollegin Dr. Ayu Okvitawanli zusammenarbeiten, von denen ich noch viel lernen kann.

Was sollten Studierende mitbringen, die an eine Promotion denken?

Studierende sollten vor allem eine Begeisterung für ein bestimmtes Thema mitbringen. Dabei neugierig sein und ein Interesse haben, den eigenen Kenntnishorizont stetig zu erweitern. Neben diesem Pioniergeist ist auch Durchhaltevermögen, eine Bereitschaft hart zu arbeiten sowie Disziplin sehr wichtig.

Welche Aufgaben ergeben sich neben Ihrer Promotion?

Ich bin Koordinator des Zwei-Fach-Bachelor am Campus Koblenz. Als solcher unterstütze ich die Studiengangsleiter zum Beispiel bei der Neufassung der Prüfungsordnung, der Überarbeitung der Homepage sowie Vorbereitung von Akkreditierungs- und Reakkreditierungsverfahren. Zusätzlich bin ich in meiner Funktion als wissenschaftlicher Mitarbeiter zuständig für Lehr- und Prüfungsaufgaben im Zwei-Fach-Bachelor. Dazu gehört die Vorbereitung und Durchführung von Lehrveranstaltungen, die Betreuung von Seminar- und Bachelorarbeiten sowie Prüfungsorganisation. Auch fallen eine Reihe von Dienstaufgaben an.

Wie organisieren Sie Ihren Arbeitsablauf?

Hier werde ich von meinen beiden Betreuerinnen optimal unterstützt. Förderlich sind insbesondere Meilensteine und Deadlines, um Arbeitsschritte zu strukturieren und zu terminieren. Außerdem veranstalten wir mit den Doktoranden monatlich einen Doktorandenstammtisch, bei dem wir uns in einer gemütlichen Runde über unsere Projekte austauschen können. Daneben ist es mir aber auch wichtig einen Ausgleich zum Wissenschaftlichen Arbeiten zu schaffen und beispielsweise Zeit mit Familie und Freunden zu verbringen, Saxophon zu spielen oder Sport zu treiben.

Schreibe einen Kommentar