Ehrenamt: Studis engagiert
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Prellball: Rar, aber rempelfrei

Prellball ist eine relativ unbekannte Sportart. Selbst ihre Entstehungsgeschichte ist unklar. Man weiß, dass sie in den 1930ern in Turnstunden gespielt wurde. Fotos: Privat

Prellball ist eine relativ unbekannte Sportart. Selbst ihre Entstehungsgeschichte ist unklar. Man weiß, dass sie in den 1930ern in Turnstunden gespielt wurde. Fotos: Privat

Wenn Leo Hettrich von Prellball erzählt, muss er den Namen der Sportart zweimal erklären: “Volleyball?” “Nein, Prellball!” Der Koblenzer Lehramtsstudent ist es gewohnt, dass viele mit dem Begriff nichts anfangen können. Umso wichtiger ist es ihm als Spieler und Trainer, Prellball als Ballsportart zu etablieren und bekannt zu machen. Im Interview gibt er einen Einblick in die Welt des “umgekehrten Volleyballs”.

Leo Hettrich spielt Prellball und ist außerdem seit Jahren als Trainer aktiv.

Leo Hettrich spielt Prellball und ist außerdem seit Jahren als Trainer aktiv.

“Prellball” sagt den wenigsten etwas. Was ist das für eine Sportart?

Einfach gesagt ist Prellball “umgekehrter Volleyball”. Man spielt den Ball mit der Faust nicht nach oben, sondern auf den Boden. Zwei Teams mit drei bis vier Mannschaftsmitgliedern treten gegeneinander an. Das Feld ist 8 mal 16 Meter groß und wird in der Mitte durch ein 40 Zentimeter hohes Band getrennt. Wenn ein Ball von der gegnerischen Seite kommt, wird er bis zu dreimal von der Mannschaft berührt. Die dritte Ballberührung muss den Ball dann über die Leine prellen – wenn möglich recht tief. Durch gezielte flache Schläge und eine hohe Geschwindigkeit wird das Spiel zum spannenden Wettkampf.

Wie bist du zum Prellball gekommen?

Mein Vater ist in meinem Heimatverein, dem TV Rieschweiler, Abteilungsleiter. Ich bin also ins Prellballspielen hineingewachsen. (lacht) Mit sechs Jahren habe ich das erste Mal auf den Ball geprellt. Schon nach kurzer Zeit bildete ich mit meinen Schulkameraden eine Mannschaft, mit der ich mich erfolgreich in den Altersklassen hochgespielt habe. Leider haben sich unsere Wege danach getrennt und ich spiele seither zwar noch im gleichen Verein, aber mit der etwas jüngeren Generation in der zweiten Bundesligamannschaft der ersten Bundesliga Süd.

Ehrenamt. Foto: Perry Grone/Unsplash In unserer Serie Ehrenamt: Studis engagiert zeigen Studierende, wie man zwischen Stundenplan und Initiative die Balance hält.

Was macht dir am Prellball Spaß?

Da kommt vieles zusammen. (lacht) Es ist ein besonderer Sport, bei dem außergewöhnliche Fähigkeiten gefördert werden. Als Übungsleiter der Jugendklassen fällt mir immer wieder auf, wie Kinder und Jugendliche, aber auch Erwachsene zu uns ins Training finden, weil ihnen die populären Sportarten wie Fußball, Handball oder Basketball nicht liegen. Außerdem ist durch den fehlenden Körperkontakt mit den Gegner:innen auch ein unangenehmes Anrempeln unmöglich. 

Stört es dich, dass die Sportart nicht so verbreitet ist wie Fußball oder Handball?

Der vergleichsweise niedrige Bekanntheitsgrad von Prellball hat den Vorteil, dass sich die Spieler:innen untereinander fast alle kennen. Wir sind alle sind Teil einer Familie. Egal wie das Spiel ausgeht, danach steht man wieder zusammen, vielleicht bei dem ein oder anderen Bierchen, und lacht über die alten Zeiten. (lacht)

Wie oft in der Woche bist du mit Prellball beschäftigt?

Als Spieler trainiere ich zweimal die Woche knapp zwei Stunden. Als Trainer leite ich außerdem zweimal die Woche zwei Stunden lang die Jugendmannschaften an. An den Wochenenden finden häufig Turniere und Meisterschaften statt. Dafür muss man häufig einen ganzen Tag oder sogar das ganze Wochenende opfern, da die Austragungsorte meist ein bis zwei Stunden Fahrtzeit entfernt sind.

Nach spätestens drei Ballkontakten muss die Mannschaft den Ball auf den Bereich der Gegenseite befördern.

Nach spätestens drei Ballkontakten muss die Mannschaft den Ball auf den Bereich der Gegenseite befördern.

Für wen ist der Sport geeignet?

Der Sport ist für Menschen geeignet, die Lust darauf haben. Wer älter als sechs Jahre ist und Spaß daran hat, etwas Neues kennenzulernen, ist bei uns immer willkommen – Alter und Geschlecht sind egal. Man kann den Sport in so vielen Leistungsklassen von Freizeitsport bis Bundesliga wahrnehmen, dass sicher für jeden etwas dabei ist.

Sind Sport und Studium gut in Einklang zu bringen? Oder leidet das eine manchmal unter dem anderen?

Grundsätzlich ist es für mich machbar, beides unter einen Hut zu bringen. Auch wenn die Trainingseinheiten unter der Woche zeitlich variieren, ist die Koordination recht gut. Schwieriger wird es für mich ab dem kommenden Sommer. Mein momentaner Gastverein in Neuwied wird zu den Sommerferien den Spielbetrieb reduzieren. Die nächstgelegenen Vereine, bei denen ich dann während der Vorlesungszeit trainieren könnte, sind eine bis anderthalb Fahrtstunden entfernt. Das wird für mich ein neues, schwieriges Kapitel.

Was gibt dir deine ehrenamtliche Arbeit als Trainer?

Zuerst dachte ich: „Leo, das ist eine gute Gelegenheit, um herauszufinden, ob du später wirklich mit Kindern arbeiten möchtest.“ Mit der Zeit habe ich immer mehr Gefallen daran gefunden, den ganz Kleinen das beizubringen, was ihnen Spaß macht, und zu sehen, wie sie größer, erfahrener und stärker werden. Die Mädchenmannschaft hat im März ihr sechzehnjähriges Jubiläum gefeiert. Ich trainiere sie seit beinahe sechs Jahren und habe so an ihrer Entwicklung teil. Genauso als meine Jungenmannschaft 2018 beim Deutschlandpokal den vierten Platz erreicht hat. Das sind Momente, die mich rühren und stolz machen. Genau deswegen übe ich meinen Job als Trainer wirklich gerne aus. 

Zu welchem Vorgehen rätst du, wenn man an Prellball interessiert ist? Gibt es viele Vereine in Deutschland?

Leider ist Prellball in Süddeutschland nicht so verbreitet wie in Norddeutschland. Nichtsdestotrotz sind wir gerade dabei, auf unserer offiziellen Prellball-Homepage einen deutschlandweiten Vereinsfinder zu installieren. Da sich nicht alle Vereine dort registrieren, ist es immer ratsam, sich nochmal bei Kontaktpersonen der umliegenden Vereine zu melden und nachzufragen, ob es vielleicht noch Vereine in näherer Umgebung gibt. Hier wird einem mit Sicherheit gerne geholfen. 

Was wünschst du dir für die Zukunft des Prellballs?

Dass der Sport endlich einen Aufschwung erlebt, bei dem es den Vereinen gelingt, Prellball weiterzutragen! Vereine sollten sich dafür öffnen, dieses Spiel in ihr Angebot aufzunehmen. Ich nehme dieses Jahr zum zweiten Mal an einer Konferenz teil. Hier besprechen wir, wie wir Prellball bekannter machen können. Zum Konzept gehört auch, dass sich Vereine an uns wenden können und wir diesen Sport dann bei ihnen vorstellen. Unter der Pandemie hat er gelitten und ich fände es sehr schade, wenn dadurch das Aussterben der Sportart noch mehr beschleunigt würde.

Interview: Elena Panzeter

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