Start-up: Gründungsgeschichten
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Öl aus dem WG-Zimmer

Marc und Nicolas mussten einige bürokratische Hürden nehmen, bevor im Frühjahr 2021 ihr Unternehmen gröl. an den Start gehen konnte. In ihrer gemeinsamen WG produzieren die beiden Landauer aromatisiertes Olivenöl. Foto: Lena Frohn

Marc und Nicolas mussten einige bürokratische Hürden nehmen, bevor im Frühjahr 2021 ihr Unternehmen gröl. an den Start gehen konnte. In ihrer gemeinsamen WG produzieren die beiden Landauer aromatisiertes Olivenöl. Foto: Lena Frohn

Uni, Nebenjob, Freundschaften … und für viel anderes bleibt keine Zeit? Bei Nicolas, der Biologie und Sozialkunde auf Gymnasiallehramt studiert, und seinem Mitbewohner Marc schon. Seit dem Frühjahr 2021 produzieren und vertreiben die beiden unter dem Namen gröl. aromatisierte Olivenöle.

Start-Up. Foto: Diego PH/Unsplash
In unseren Gründungsgeschichten stellen wir Menschen vor, die im oder nach dem Studium den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt haben.

Marc und Nicolas wohnten erst seit drei Monaten zusammen, bevor sie beschlossen, Geschäftspartner zu werden. Im November 2020 zog Marc in Nicolas’ Vierer-WG ein und die beiden verstanden sich auf Anhieb. An Weihnachten inspirierte Marc seinen neuen Mitbewohner zu einer Geschenkidee: selbstgemachte aromatisierte Olivenöle. „Es hat mir Spaß gemacht, die Öle herzustellen. Bei meiner Familie kamen sie sehr gut an“, erzählt Nicolas. „Als ich nach den Feiertagen zurück in die WG kam, fragte ich Marc, ob das ein gemeinsames Projekt werden könnte.“

Marc arbeitet in Vollzeit bei einem Elektronikvertrieb. Eigentlich hat er genug zu tun, gibt aber zu: „Ich hatte schon immer den Traum, meine Kreativität durch ein eigenes Unternehmen auszudrücken. Deswegen hatte ich bereits vor gröl. ein paar selbstständige Projekte, bei denen ich erste Erfahrungen sammeln konnte.“ Im März 2021 meldeten Nicolas und er das neue Unternehmen offiziell an.

Hygiene-Richtlinien im WG-Zimmer

Bis zu Anmeldung gab es jedoch viel zu tun. Die bürokratischen Hürden waren für beide die schwierigsten. „Die Lebensmittelbranche ist sicher ein Spezialfall, aber ich habe nicht das Gefühl, dass es viel Unterstützung für uns gab. Wir mussten uns alles selbst aneignen“, erinnert sich Nicolas. Da alle Öle in seinem Zimmer hergestellt werden, hatten die beiden zunächst Sorge, die Hygienestandards nicht zu erfüllen. Das gelang aber doch – wenn auch mit einigem Aufwand: Wenn sie eine neue Ladung produzieren, stellen sie dafür eine Bierzelt-Garnitur im Zimmer auf und achten genaustens darauf, alle Richtlinien einzuhalten. Dazu gehört auch das Tragen von Handschuhen, wann immer mit Lebensmitteln gearbeitet wird. Ein großer Teil des betriebenen Aufwands ist für die Kund:innen nicht sichtbar. Beispielsweise werden alle Öle vor der Freigabe zum Test in ein Labor geschickt und dort überprüft.

Grün ohne Schnickschnack

Knobi, Lavendel und Mediterran – das Olivenöl von gröl. gibt es in drei Varianten, neue Geschmacksrichtungen sollen folgen. Foto: Privat

Knobi, Lavendel und Mediterran – das Olivenöl von gröl. gibt es in drei Varianten, neue Geschmacksrichtungen sollen folgen. Foto: Privat

Bevor sie sich entschlossen, das Unternehmen zu gründen, wollten Marc und Nicolas sicherstellen, dass sie ein Alleinstellungsmerkmal haben. Innerhalb kurzer Zeit fanden sie es: „Wir wollten reines aromatisiertes Öl herstellen, ohne viel Schnickschnack oder jegliche Zusatzstoffe“, erklärt Nicolas. Diesem Grundsatz sind sie treu geblieben. In den aktuellen Sorten “Knobi”, “Mediterran” und “Lavendel” sind nur natürliche Zutaten enthalten.

„Viele fragen uns, wie wir auf den doch eher unüblichen Namen gekommen sind. Tatsächlich wissen wir es selbst nicht genau“, lacht Marc. Wegen des Verzichts auf Zusatzstoffe sollte das Wort „grün“ von Anfang an eine prominente Rolle im Namen spielen. So kamen sie auf „gröl.“ für „grünes Öl“. In naher Zukunft wollen sie auf Bio-Öle umsteigen. Auch über die Gestaltung ihrer Produkte haben Marc und Nicolas lange nachgedacht. Zu Anfangszeiten des Unternehmens hatten sie überlegt, eine grölende Olive als Logo zu nutzen. Letztendlich haben sie sich für ein schlichteres Design entschieden.

Erste Erfolge an langen Tagen

Marc und Nicolas verkaufen ihre selbstproduzierten Öle zum ersten Mal am eigenen Stand. Foto: Privat

Marc und Nicolas verkaufen ihre selbstproduzierten Öle zum ersten Mal am eigenen Stand. Foto: Privat

Seit März 2021 hat sich viel verändert. Anfangs kauften nur Freund:innen und Familie bei gröl., aber die Zielgruppe hat sich schon jetzt auf Freundesfreund:innen und Bekannte ausgeweitet. Bald soll eine neue, professionelle Website online gehen.

Im Oktober 2021 gelang Marc und Nicolas ihr bisher größter Erfolg: Durch einen glücklichen Zufall konnten sie ihre Produkte an einem Stand auf dem Gelände des MS-Holzfachmarkts in Wiesbaden anbieten. „Das Unternehmen ist ein bisschen wie ein Baby. Zu sehen, wie komplett fremde Menschen darauf reagieren, war sehr lehrreich und schön“, erinnert sich Nicolas. Für beide war der Tag in Wiesbaden einer der anstrengendsten bisher. An dessen Ende konnten sie jedoch zufrieden auf ihren Erfolg anstoßen. Natürlich läuft nicht immer alles rund. „Wir sind beide ziemliche Sturköpfe“, lacht Nicolas. „Als wir die Texte für unsere Website schrieben, kamen wir eine Zeit lang überhaupt nicht weiter, weil keiner von uns nachgeben wollte.“

Hobby oder Beruf?

Marc erklärt: “Wir sind ein kleines Unternehmen. Deswegen bedeutet uns positive Resonanz unglaublich viel. Im Endeffekt ist das mehr wert als der finanzielle Aspekt.“ Trotzdem sehen beide gröl. nicht als Nebenjob oder Geld-Quelle. Nicolas merkt: „So langsam wird es beruflich. Ich finde diesen Übergang spannend, aber mein restlicher Alltag hat sich nicht verändert. Das bedeutet, ich muss mich ständig zwischen gröl. und anderen Dingen in meinem Leben entscheiden.“

“Wir waren schon gut befreundet, bevor es gröl. gab. Aber durch das Unternehmen diskutieren wir mehr und auf eine andere Weise“, meint Marc. Ihr Unternehmen prägt ihre Freundschaft, stärkt sie auch. Die beiden sind sich einig, wo es mit gröl. hingehen soll. „Es wäre schon klasse, wenn das Projekt sich eines Tages selbst finanziert”, sagen beide. Dazu kommt, dass sie mehr Präsenz in Landau zeigen und neue Öle auf den Markt bringen wollen. Auch hier sind sie sich einig: Ihr anstehendes Chili-Öl ist das beste bisher. Es bleibt also spannend.

Interview: Lena Frohn

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