Karriere
Schreibe einen Kommentar

Nur ein ausgeschlafener Praktikant ist ein guter Praktikant

Das richtige Praktikum zu finden, ist manchmal gar nicht so leicht und erfordert Vorbereitung. Sandra Erber schnupperte in die Welt des Museums hinein und arbeitete im vergangenen Sommer als Praktikantin am Deutschen Hygiene-Museum Dresden. Foto: Oliver Killig Das richtige Praktikum zu finden, ist manchmal gar nicht so leicht und erfordert Vorbereitung. Sandra Erber schnupperte in die Welt des Museums hinein und arbeitete im vergangenen Sommer als Praktikantin am Deutschen Hygiene-Museum Dresden. Foto: Oliver Killig

Studierende rümpfen häufig die Nase, wenn sie das Wort „Praktikum“ hören, weil sie an langweilige Aufgaben, Kaffee kochen oder schlechte Bezahlung denken. Dabei kann ein Praktikum auch spannend und lehrreich sein: Campus-Reporterin Sandra Erber half während ihres dreimonatigen Praktikums bei der Konzeption einer Ausstellung am Deutschen Hygiene-Musem Dresden mit.

Im vergangenen Jahr hatte ich den Plan gefasst, neues berufliches Terrain auszukundschaften: Das Museum. Der Weg dahin würde klassischerweise über ein Praktikum führen. Zwar denke ich an meine bisherigen Praktika meist mit gemischten Gefühlen zurück, aber aus den Erfahrungen habe ich gelernt: Dieses Mal würde genau recherchieren, nach meinem Wunsch-Arbeitgeber suchen und meine Aufgaben im Vorfeld genau absprechen.

Das richtige Praktikum finden

Zu Beginn meiner Suche setzte ich mich mit der Frage auseinander,  in welchen Bereich ich hineinschnuppern möchte. Denn je nach inhaltlicher Ausrichtung gibt es in Museen ganz verschiedene, teil sehr spezielle Arbeitsbereiche. Für mich stand die Abteilung relativ schnell fest: Die Ausstellungsplanung sollte es sein, denn ich wollte wissenschaftlich arbeiten und den Prozess der Ausstellungskonzeption kennen lernen. Ab Februar des vergangenen Jahres habe ich also eifrig auf verschiedenen Jobportalen für Kunst- und Museumsberufe nach entsprechenden Stellen Ausschau gehalten.

Die Seiten kulturmanagement.net, kunsthistoriker.org und portalderkunstgeschichte.de bieten kostenlose Praktikumsbörsen, in denen täglich neue Stellenangebote inseriert werden. Auch die Seite kulturkonzepte.at hält einen Überblick über aktuelle Praktikumsstellen im Museums- und Kulturbereich im Raum Österreich und der Schweiz bereit. Der Vorteil von Praktika im deutschsprachigen Ausland: Sie werden zusätzlich durch das EU-Bildungsprogramm Erasmus+ gefördert. Das leider meist kleine Praktikumssalär können sich Studierende auf diese Weise ein wenig aufstocken. Aufgrund der hohen Bewerberdichte schreiben Museen offene Stellen nicht immer in den gängigen Portalen aus. Manchmal wird man auf den Onlinepräsenzen des jeweiligen Museums fündig, in den meisten Fällen empfiehlt sich eine Initiativbewerbung – so wie bei mir.

Das Deutsche Hygiene-Museum erkundet in seinen Sonderausstellungen kulturelle, soziale und wissenschaftliche Fragestellungen der Gegenwart, im vergangenen Jahr unter anderem mit einer Sonderschau zum Thema "Freundschaft". Foto: Oliver Killig

Das Deutsche Hygiene-Museum erkundet in seinen Sonderausstellungen kulturelle, soziale und
wissenschaftliche Fragestellungen der Gegenwart, im vergangenen Jahr unter anderem mit einer Sonderschau zum Thema “Freundschaft”. Foto: Oliver Killig

Mit der Initiativbewerbung zum Ziel

Nach verschiedenen informellen Stellenanfragen per Mail an die Personalabteilungen dreier Museen folgte rasch eine positive Rückmeldung vom Deutschen Hygiene-Museum Dresden: In einem aktuellen Sonderausstellungsprojekt zum Thema „Sprache“ habe ich das Ausstellungsteam bei der Konzeption unterstützt. Für mich als Kulturwissenschaftlerin ein Volltreffer, denn das Museum erkundet in seinen Ausstellungen Phänomene der Gegenwartskultur an der Schnittstelle von Kunst, Wissenschaft und Gesellschaft.

In Rücksprache mit der Leiterin des Ausstellungsbüros sollte ich vorab meinen Lebenslauf und eine kurze Konzeptskizze mit Ideen für die Ausstellung einreichen sowie meine Vorstellungen vom Praktikum schriftlich umreißen. Zusätzlich war eine Bescheinigung der Universität nötig, die das Praktikum als Pflichtpraktikum ausweist. Das ist die gägngie Praxis in zahlreichen Unternehmen, öffentlichen Einrichtungen, Vereinen oder Stiftungen, die den Arbeitgeber von der Zahlung des seit 2015 gesetzlich festgelegten Mindestlohnes entbindet. Seit Einführung des Mindestlohnes zahlen aber trotzdem viele kulturelle Einrichtungen zumindest einen kleines Entgelt für Praktikanten. Und so bin auch ich nicht leer ausgegangen.

Das Deutschen Hygiene-Museum Dresden. Foto: DHMD

Ob PR-Abteilung, der Bereich Bildung und Vermittlung oder Ausstellungsplanung: Wie viele Museen bietet auch das Deutsche Hygiene-Museum Dresden Praktikanten facettenreiche Einblicke in verschiedene Arbeitsbereiche. Foto: DHMD

Die Suche nach der passenden Unterkunft

Als etwa zwei Wochen später die Zusage meiner künftigen Chefin in mein Postfach flatterte, konnte ich direkt zum nächsten Schritt der Vorbereitungsphase übergehen: Der Suche nach einer passenden Unterkunft in Dresden während der Praktikumszeit. Dies ist sicherlich für viele, die ein Praktikum in einer anderen Stadt planen, nicht ganz einfach zu organisieren. Wer nicht die Möglichkeit hat, privat bei Freunden oder Bekannten unterzukommen, muss meist auf die Option Wohngemeinschaft ausweichen. In vielen Groß- und Universitätsstädten ist Mietraum aber knapp und so suchen sich auch Wohngemeinschaften ihre künftigen Mitbewohner der Wohnungsmarktlage entsprechend sehr genau aus.

Auch für mich war es gar nicht so leicht, zeitnah ein halbwegs preiswertes und zentral gelegenes WG-Zimmer zur Zwischenmiete zu finden. Fünf Wohnungen habe ich abgeklappert, stundenlange Abfrageprozeduren der potenziellen Mitbewohner inbegriffen, bis mich eine sympathische Künstler-WG in ihrer Mitte aufgenommen hat. Wer die Möglichkeit hat, sollte bei den WG-Gefährten aber nicht nur auf Sympathie setzen, sondern auch auf eine moderate Partyfrequenz: Wer von einem Studentenalltag in den Nine-to-Five-Rhythmus eines Arbeitnehmers wechselt, wird mit nachtaktiven Mitbewohnern schnell Probleme bekommen. Denn auch für Praktikanten gilt: Nur ein ausgeschlafener Praktikant ist ein guter Praktikant.

Schreibe einen Kommentar