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Zwischen Bib und Kita

Nina ist 24 Jahre alt. Sie studiert am Campus Landau im zweiten Semester. Wenn es die Zeit zulässt, zieht sie mit ihren Freundinnen durch die Läden oder unternimmt etwas mit ihrem Freund. Total normal eigentlich. Und doch ist Nina anders als die meisten ihrer Kommilitonen. Sie beschreibt sich selbst als ernst. Auch denkt sie viel über die Zukunft nach. Kurzfristig planen so wie bei vielen ihres Alters geht nicht, denn Nina hat eine Tochter.

Jeden Morgen um neun Uhr liefert Ninas Freund die knapp zwei Jahre alte Leni  in der Kindertagesstätte des Studierendenwerks Vorderpfalz, der Villa Unibunt, ab. „Sie ist unheimlich gern hier und hat schon viele Freunde“ erzählt Nina. Selbst wenn die junge Mutter nur kurz oder auch gar nicht in die Uni muss, bleibt Leni dort täglich bis 15 oder 16 Uhr. „Früher will sie auch gar nicht heim“, sagt Nina lachend. Der geregelte Tagesablauf sei für das Kind sehr wichtig.

„Kinder brauchen Kontinuität“, bestätigt auch Stephanie Hinz vom Studierendenwerk Vorderpfalz, die sich in Landau, Worms, Germersheim und Ludwigshafen um die Kitas kümmert. Deshalb kommen die meisten Kinder der 57 Kinder auch unabhängig vom Stundenplan der Eltern fünf Tage in der Woche. Bleiben können alle Kinder bis 18 Uhr. Elke Manger, Leiterin der Kindertagesstätte, erklärt, dass sie das Betreuungsangebot immer an den Familien und deren Bedürfnissen orientiert. „Das sind zum einen die langen Öffnungszeiten“, sagt sie. „Zum anderen ist es unsere pädagogische Arbeitsweise, die uns auszeichnet.“ Deshalb sei frühkindliche Bildung genauso wichtig wie ein enges Verhältnis zu den Eltern. Die Kinder, die die Villa Unibunt besuchen, spielen viel in der Natur und dürfen sich auch mal selbst beschäftigen und kriegen dafür Material, Raum und Zeit. Denn: „Kinder lernen viel über die Wahrnehmung“, erklärt die Leiterin.

Kita-Leiterin Elke Manger legt viel Wert auf ein enges Verhältnis zu den Kindern und deren Eltern. Foto: Villa Unibunt

Kita-Leiterin Elke Manger legt viel Wert auf ein enges Verhältnis zu den Kindern und deren Eltern. Foto: Villa Unibunt

Fokus liegt auf dem Wohl des Kindes

Gerade in Prüfungsphasen, wenn die Nervosität und Anspannung steigt, kann selbst dieses ausgedehnte Betreuungsangebot schmal sein. „Ich versuche, schon vormittags viel zu erledigen“, erzählt Nina. Denn wenn die kleine Leni in der Kita ist, kümmert sie sich um den Haushalt, kocht, putzt und lernt. „Lenis Papa unterstützt mich sehr, aber er arbeitet in Vollzeit und hin und wieder auch samstags.“ Seit sechs Jahren sind die Beiden ein Paar und halten zusammen. Wenn es mal eng wird, kümmert sich auch der Rest der Familie um den Nachwuchs. „So kann ich ungestört lernen, mich auf Prüfungen vorbereiten oder einen freien Abend mit meinem Freund verbringen“, sagt sie. Denn Freizeit gibt es vor 20 Uhr selten.

Nicht jeder bekommt Unterstützung aus der Familie. Stephanie Hinz vom Studierendenwerk vermittelt darum auch Betreuung vor Ort. Es kann immer mal passieren, dass die Oma krank wird oder die Anfahrt zur Uni für ein Kind zu weit ist. „Der Fokus liegt immer auf dem Wohl des Kindes“, erklärt Hinz. „Wir versuchen, junge Familien so zu unterstützen, dass es zu der individuellen Situation passt.“ Ein weiterer wichtiger Punkt: „Wir akzeptieren alle Familiensituationen, ohne sie zu bewerten.“

Kinder kriegen in der Studienzeit?

Wenn man Nina heute fragt, ob sie sich im Nachhinein noch einmal für ein Kind entscheiden würde, überlegt sie nicht lange. „Es ist unheimlich anstrengend und nicht zu verharmlosen“, sagt sie. Ein Kind werde oft krank, brauche Tag und Nacht Liebe und Aufmerksamkeit und ständig neue Anziehsachen. Und trotzdem: Ihr Kind möchte sie heute nicht mehr missen. Als sie erfuhr, dass sie schwanger war, dachte sie zunächst, die Welt ginge unter. „Aber es ist nicht so schwer, wie man es sich vorstellt“, sagt sie rückblickend.

„Heute ist es unter Studierenden fast verpönt, früh Kinder zu bekommen“, weiß Hinz. Dabei gibt es am Campus Landau sehr gute Rahmenbedingungen für das Studieren mit Kind. „Es fehlt die Akzeptanz in der Gesellschaft“, weiß sie. Kinder seien heute nicht mehr selbstverständlich, junge Menschen machen sich oft schon in ihrer Ausbildung Sorgen um ihre Zukunft – der Gedanke an Kinder liegt da fern.

Die Kinder spielen auf der Wiese hinter der Villa Unibunt. Als Nina hereinkommt, entdeckt Leni sie sofort. Sie streckt die Arme aus und rennt auf Mama zu. „Ein Kind zu haben bedeutet auch viel Freude“, sagt Nina und knuddelt ihre Tochter. Irgendwann hätte sie noch gerne ein zweites Kind. Aber erst nach dem Bachelor-Abschluss.

Sarah Ochs

2 Kommentare

  1. Hasim Isik sagt

    Hallo ist das eine kita für nur Studenten ..?
    oder eine öffentliche kita ?
    Denn meine Freundin würde gerne nach Koblenz ziehen und bräuchte dringend einen kita Platz die auch ca bis 18 uhr auf haben.

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