Ehrenamt: Studis engagiert
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Mit Herz und grüner Seele

Durch Workshops und andere Aktionen wollen Flora Dahlhausen und Anja Weiler aus dem Team der Umweltgruppe vermitteln, dass Nachhaltigkeit Spaß macht. Fotos: Annika Namyslo

Durch Workshops und andere Aktionen wollen Flora Dahlhausen und Anja Weiler aus dem Team der Umweltgruppe vermitteln, dass Nachhaltigkeit Spaß macht. Fotos: Annika Namyslo

Wie funktioniert nachhaltigeres Studieren? Flora Dahlhausen und Anja Weiler beschäftigen sich mit Antworten auf diese Frage. Die beiden engagieren sich neben ihrem Studium am Campus Landau für die Umweltgruppe. Mit unserer Reporterin haben sie über den Reiz am Einsatz für mehr Nachhaltigkeit gesprochen und dabei erklärt, was Kunst damit zu tun hat.

Ehrenamt. Foto: Perry Grone/Unsplash In unserer Serie Ehrenamt: Studis engagiert zeigen Studierende, wie man die Balance hält zwischen Stundenplan und Initiative.

“Wir versuchen einfach, Umweltbildung zu betreiben. Du musst dein Leben nicht um 180 Grad drehen und sofort alles perfekt nachhaltig machen. Das kann niemand von uns.” Auf einer Picknickdecke vor mir sitzt Anja Weiler, Masterstudentin der Umweltwissenschaften im zweiten Semester. Neben ihr Flora Dahlhausen, die im vierten Bachelorsemester Mensch und Umwelt studiert. Beide engagieren sich für die Umweltgruppe am Campus Landau. An einem Sommertag treffen wir uns draußen im Goethepark, um über ihr Engagement zu reden. Hierhin hat die Umweltgruppe ihre sommerlichen Sitzungstreffen verlegt – coronabedingt, aber auch, weil die Mitglieder einfach gerne im Grünen sind. Dahlhausen erklärt: “Mit den Aktionen der Umweltgruppe wollen wir auf ungezwungene Weise zeigen, dass Nachhaltigkeit Spaß macht. Besonders, wenn man zusammen aktiv wird, denn dann entsteht einfach ein schönes Gemeinschaftsgefühl.” Was sie meinen, wird deutlich, wenn die beiden von ihren Erfahrungen in der Umweltgruppe erzählen: vom Funken der Begeisterung, der überspringt, wenn die Gruppe gemeinsam Projektideen entwickelt. Vom positiven Feedback, vis-à-vis oder später per E-Mail, wenn es am Ende des veganen Kochkurses allen geschmeckt hat. Vom Gefühl, anderen Menschen dabei zu helfen, kleine Schritte in Richtung Nachhaltigkeit zu gehen.

Nachhaltigkeit auch über den Campus hinaus

Mit kleinen Schritten begann auch die Geschichte der Umweltgruppe, die 2006 in Eigeninitiative von Studierenden gegründet wurde. Zu den ersten Projekten gehörte die Papiersparkiste. Obwohl das papierlose Büro heute ein geläufiger Begriff ist, werden im deutschen Arbeitsalltag noch immer knapp 30 Seiten pro Kopf und Tag gedruckt, etliche davon überflüssig, falsch oder aus Versehen. Druckt man heute am Campus eine Seite zu viel, wird das Blatt in die Papiersparkiste gelegt. Später können sich dort andere an kostenlosem Schmierpapier bedienen.

Noch immer ist es den Mitgliedern der Umweltgruppe wichtig, den Campus durch ihre Arbeit nachhaltiger zu gestalten. Damit stehen sie nicht alleine da: “An der Uni passiert es manchmal, dass verschiedene Gruppen am gleichen Thema arbeiten. Daraus ist zum Beispiel der Arbeitskreis Veganes Angebot in der Mensa entstanden, der aus Aktiven verschiedener Hochschulgruppen besteht”, erzählt Dahlhausen. “Inzwischen arbeiten wir aber vor allem mit Workshops.” Das gesamte akademische Jahr über organisiert die Umweltgruppe Aktionen, an denen Studierende teilnehmen können. Im Frühsommer werden Wildkräuter, im Herbst Waldpilze gesammelt. In veganen Kochkursen lernen Interessierte die kulinarische Vielfalt einer Ernährung ohne Tierprodukte kennen; in Naturkosmetikworkshops kann man Pflegeprodukte selbst herstellen. Beim Waldspaziergang geht es darum, die Schönheit der Natur wahrzunehmen, und mehr über sie zu lernen.

In den Landart-Workshops werden aus Naturmateralien Kunstobjekte...

In den Landart-Workshops werden aus Naturmateralien Kunstobjekte…

In den Landart-Workshops nutzen die Teilnehmenden Naturmaterialien, um Flechtkränze oder andere Kunstwerke entstehen zu lassen. Die Ergebnisse verschönern dann eine Zeit lang die Innenstadt – temporäre und nachhaltige Kunst für Landau. “Manchmal finde ich die Stadt ein bisschen zu grau. Wir wollen Platz für Grünes schaffen”, sagt Weiler. Dabei geht es um Naturbewusstsein, aber auch darum, im hektischen Stadtalltag für ein Lächeln zu sorgen.

...die dann eine Zeit lang die Landauer Innenstadt verschönern. Foto: Privat

…die dann eine Zeit lang die Landauer Innenstadt verschönern. Foto: Iruna Müller

Aktivismus und Freundschaft

Wie koordiniert die Gruppe ihre vielen Aktionen? “Wir haben inzwischen eine gute Struktur”, so Weiler. “Wir arbeiten mit der Vernetzungsplattform plattform n, dort können wir uns digital vernetzen und Untergruppen für die einzelnen Projekte anlegen. In denen organisieren sich dann alle, die Lust auf ein bestimmtes Projekt haben. Natürlich kann man auch an mehreren Stellen gleichzeitig mitarbeiten.” Alle zwei Wochen finden Sitzungen statt, bei denen sich die Untergruppen gegenseitig auf den neuesten Stand bringen und neue Ideen besprechen. Wochentag und Uhrzeit der Treffen werden am Anfang jedes Semesters neu abgestimmt. Interessierte sind dabei immer willkommen.

Die Umweltgruppe auf dem Campus der Universität in Landau setzt sich für Nachhaltigkeit in Stadt und Studium ein. Zu ihrem Angebot gehören unter anderem Workshops, Exkursionen und ein Einkaufsführer. Termine und Projektinfos sind auf dem Umweltgruppenbrett im Atrium zu finden. Wer mitmachen möchte, kann die Gruppe per Mail oder auf Facebook kontaktieren.

Da das Team gut miteinander auskommt, gibt es außerdem zweiwöchentlich einen ungezwungenen Stammtisch. Auch private Fahrradtouren und Wanderungen wurden schon unternommen. Ein jährliches Highlight ist die gemeinsame Fahrt zur Demonstration Wir haben es satt in Berlin. Im Januar 2020 demonstrierten dort zuletzt 27.000 Personen aus ganz Deutschland für eine nachhaltigere Landwirtschaft. Selbst hat die Umweltgruppe bisher keine Demonstrationen organisiert. Doch Dahlhausen will nicht ausschließen, dass sich das ändern könnte: “In Landau legen andere Gruppen eher ihren Fokus darauf. Aber wenn jemand in die Umweltgruppe käme und darauf Lust hätte, könnte das auch funktionieren.” Im Gespräch mit den beiden Studentinnen wird eines besonders deutlich: Die Umweltgruppe ist dynamisch. “Was die Umweltgruppe ausmacht, ist die Herzlichkeit. Jede Person hat andere Ideen und bringt uns so ein eigenes Stück weiter”, sagt Dahlhausen.

Umweltschutz zum Anfassen

Ein weiteres erfolgreiches Projekt lief im letzten Jahr unter dem Motto “Bäume statt Böller”. Statt umweltschädliche Silvesterraketen zu kaufen, konnten Teilnehmende in die Pflanzung neuer Bäume investieren. In Kooperation mit dem POLLICHIA e. V. und der Initiative Bunte Wiese hat die Umweltgruppe dabei insgesamt 5.500 Euro Spendengelder in der Landauer Innenstadt gesammelt. Damit konnte die Pflanzung von elf Bäumen finanziert werden. Sie stehen unter anderem auf dem ehemaligen Landesgartenschaugelände oder im Reallabor Queichland.

Ein Helfer für den Alltag: Der Einkaufsführer der Umweltgruppe.

Ein Helfer für mehr Nachhaltigkeit im Alltag: Der Einkaufsführer der Umweltgruppe.

Zu unserem Treffen haben Weiler und Dahlhausen noch etwas mitgebracht, das Umweltschutz praktisch erfahrbar macht: Ein Exemplar des Einkaufsführers für nachhaltigen Konsum in Landau, den die Umweltgruppe herausgibt. Ergattern kann man das kostenlose Heft am Umweltgruppenbrett oder bei ihren zahlreichen Aktionen. Auf 70 Seiten finden sich darin anschaulich aufbereitete Informationen darüber, wie ein nachhaltigeres Leben in Landau gelingen kann. Neben Tipps zu ökologischen Einkaufsalternativen für Lebensmittel und andere Alltagsgegenstände informiert die Umweltgruppe auch über zukunftsfähigen Strom, emissionssparenden Verkehr und vieles mehr. Hier werden Interessierte an die Hand genommen, die den Weg in eine ökologisch und sozial nachhaltigere Zukunft gehen möchten. Reinschauen lohnt sich – in den Einkaufsführer und, wer möchte, auch in die Gruppe selbst.

Annika Namylso

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