Studis & ihre Nebenjobs
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Leidenschaft für den Turnsport

Wilma Böhme war schon von klein auf regelmäßig in der Turnhalle. Heute arbeitet sie neben dem Studium als Trainerin. Foto: Sarah-Maria Scheid

Wilma Böhme war schon von klein auf regelmäßig in der Turnhalle. Heute arbeitet sie neben dem Studium als Trainerin. Foto: Sarah-Maria Scheid

Handstand, Überschlag auf dem Boden, beeindruckende Übungen am Reck: Wilma Böhme (22) trainiert neben ihrem Studium der BioGeoWissenschaften Turngruppen aller Altersstufen im Verein und beim Allgemeinen Hochschulsport. Schon als kleines Kind stand sie mit ihrer ganzen Familie in der Turnhalle.

Du bist Trainerin für Turnsport – was heißt das genau?

Mehr Beispiele zum Geldverdienen neben dem Studium gibt’s in unserer Serie Studis und ihre Nebenjobs.

Ich bin Trainerin im Turnen beim Allgemeinen Hochschulsport (AHS) und einem Verein, der Coblenzer Turngesellschaft (CTG). Beim AHS stehe ich als einzige Trainerin in der Halle und trainiere Studierende der Hochschule und der Universität. Bei der CTG habe ich aus zeitlichen Gründen zwar keine eigene Gruppe, aber helfe beim Training der jüngeren Kinder mit. Die Teilnehmenden sind zwischen 7 und 30 Jahre alt. An sich ist das Training recht locker. Es gibt ein paar Kinder, die in Richtung Leistung gehen wollen, aber grundsätzlich geht es nur um das Turnen. Wettkämpfe sind auch dabei, doch der Spaß steht im Fokus.

Was sind deine Aufgaben? Wie oft bist du im Einsatz?

Meine Aufgaben sind, den Kindern oder Studierenden neue Elemente beizubringen und ihnen den Spaß am Sport zu vermitteln. Vor der Pandemie habe ich drei- bis viermal die Woche zwischen zwei und drei Stunden Training für fünf bis zwanzig Personen gegeben. Die Studierenden habe ich allein trainiert und mit den Kindern haben wir im Team trainiert, wobei jeder seine eigene Gruppe hatte. Die Gruppen sind aufgeteilt nach Altersklassen.

Was hat sich für dich seit Beginn der Pandemie verändert?

Mit dem ersten Lockdown hat sich auch das Training eingestellt. Da haben wir versucht, im Verein online etwas umzusetzen. Mit dem AHS lief gar nichts.

Als die Infektionszahlen es zuließen, durften wir im Verein unter einem Hygienekonzept wieder in der Halle trainieren. Es durften nur zwei Gruppen gleichzeitig immer an denselben Tagen in die Halle, sodass sich nicht alle Gruppen mischen. Als Trainer haben wir, als die Zahlen wieder angestiegen sind, mit Maske trainiert und Hilfestellungen und Körperkontakt minimiert.

Du bietest in diesem Semester ein Online-Training an. Wie läuft das ab? Wie koordinierst du das?

Auf Anfrage des AHS habe ich mir überlegt, wie ich ein Fitnesstraining für Turner:innen online organisieren könnte. Zunächst habe ich einen Trainingsplan entworfen. Nach der Anmeldung bekommen die Teilnehmenden einen Link zugeschickt, über den sie sich in BigBlueButton (Webkonferenzsystem) zur Trainingszeit live in einen Raum einloggen können. Dann machen alle ihre Kamera an und wir machen gemeinsam das Workout. Wir beginnen mit dem Aufwärmen, anschließend folgt eine Runde zur Dehnung, danach fangen wir mit dem Krafttraining an. Ich zeige ihnen aber auch Übungen, die sie selbstständig zusätzlich zur Live-Session machen können. Im Verein biete ich für die Kinder auch einmal pro Woche ein Online-Training an.

Wird für das Training zu Hause noch mehr Equipment benötigt?

Viel Ausrüstung brauchen die Teilnehmenden nicht. Eine Matte erleichtert die Sache aber ungemein. Ein dicker Teppich reicht auch. Übungen auf dem Boden sind so angenehmer. Ein Stuhl oder ein Springseil sind auch gut zu gebrauchen. Da spreche ich mich mit den Teilnehmenden ab.

War die Organisation des online Trainings eine Herausforderung für dich?

Es war definitiv eine Herausforderung für mich und hat mehr Zeit in Anspruch genommen, als ich dachte. In der Turnhalle habe ich viel mehr Geräte, die ich nutzen kann. Dort kann ich locker zwei bis drei Stunden Krafttraining füllen. Das Training jetzt auf den Wohnzimmerboden zu projizieren, war komplex. Wenn ich nicht nur Turner:innen ansprechen möchte, dann muss ich schauen, welche Übungen zu allen Teilnehmenden passen und welche eher für Turner:innen ausgelegt sind. Der Schwierigkeitsgrad von Übungen und die Länge der Ausführung sind auch variabel. Das Online-Training wird aber allgemein sehr gut angenommen.

Wie hast du deine Turner:innen vor der Pandemie trainiert?

Nach dem Aufbau ging es los mit dem Aufwärmen am Boden. Es kam immer auf das Trainingsziel an. War das Ziel, in den nächsten Wochen bei einem Wettkampf zu turnen oder neue Elemente zu trainieren? Daraus ergab sich, ob wir eher Grundlagentraining und neue Elemente einüben oder Wettkampftraining machen. Im Normalfall haben mehrere Gruppen gleichzeitig in der Halle trainiert. Die Gruppen wurden getrennt, weil Mädchen und Jungen anders trainiert werden. Ich hoffe, dass das normale Training bald wieder möglich sein wird.

Wie lange turnst du selbst schon?

Ich selbst bin in der Turnhalle aufgewachsen. Seit ich sechs bin, bin ich bei Wettkämpfen aktiv. Meine ganze Familie turnt, das heißt, ich war gezwungenermaßen jeden Tag dabei. Meine Mutter ist Trainerin und mein Opa turnt mit über 70 Jahren noch selbst. Meine Oma ist mit Mitte 90 ebenfalls noch Trainerin. Meine Mutter hat vor zwei, drei Jahren zu mir gesagt: “Warum machst du nicht einfach deinen Trainerschein?” Sie meinte, es könne mir später etwas bringen. Dann habe ich in den Ferien den Schein gemacht. Jetzt macht mir das Trainerdasein Spaß und ich kann es als Nebenjob gut in meinen Alltag integrieren.

Das Training ist sicher oft anstrengend. Wie motivierst du Kinder?

Meine Motivation ist einfach: Hab Spaß an dem was du machst, auch wenn der Weg zu deinem Ziel nicht immer einfach ist. Im Wettkampf sein Bestes geben und wenn man mit dem zufrieden ist, was man geleistet hat, ist es relativ egal, auf welchem Platz man landet. Man turnt für sich selbst und nicht für andere. Das versuche ich, den Kindern zu vermitteln.

Gehst du selbst noch auf Wettkämpfe?

Ja, ich bin vor der Pandemie auf Wettkämpfe gegangen und wurde auch selbst trainiert. Ich stand im Endeffekt fünf Mal pro Woche in der Halle.

Was bereitet dir am meisten Freude bei deiner Arbeit?

Es ist schön zu sehen, wie meine Schützlinge vorankommen und wie sie Spaß daran haben, zu turnen. Ich bin froh, wenn ich meine Freude für diesen Sport weitergeben kann. Er zeigt mir, dass man Spaß haben kann an dem, was man macht. Es ist für mich ein Job, aber eigentlich eher eine Leidenschaft. Mein Wunsch ist, dass ich später neben meinem normalen Job ein bis zwei Mal pro Woche als Trainerin arbeiten kann.

Welches Sportgerät ist dein liebstes?

Der Barren. Weil man nicht nur auf den Füßen steht, sondern die Hände komplett mitbenutzt. Man fliegt von Holm zu Holm und es fühlt sich einfach gut an.

Kannst du deinen Job weiterempfehlen?

Generell ja, aber nur, wenn einem der Sport am Herzen liegt. Ansonsten würde ich das nicht weiterempfehlen. Der Sport ist nicht sehr körperschonend. Daher muss man ein paar Vorkenntnisse haben, gerade was Verletzungsvorbeugung angeht. Wenn man technisch an manche Dinge falsch ran geht, kann man den Kindern eher schaden, als dass man ihnen hilft.

Braucht man bestimmte Voraussetzungen?

Man braucht zumindest einen Übungsleiterschein. Ein Trainerschein macht Sinn, weil man dort mehr Inhalte vermittelt bekommt. Der Übungsleiterschein ist Voraussetzung für den Trainerschein. Es ist auch eine Versicherungssache. Wenn man keinen Trainerschein hat und trotzdem Leute trainiert, ist man nicht versichert. Ansonsten ist Turnerfahrung hilfreich. Es ist von Vorteil, wenn man bestimmte Bewegungen erklären kann und den Kindern praxisnah vor Augen führen kann: “Hey, es fühlt sich zwar falsch an, wenn man das macht, aber es ist richtig.”

Wie studienkompatibel ist deine Arbeit?

In der Halle war das Training zeitlich gebunden und ist in den Nachmittag gefallen, man konnte nicht so flexibel planen. Die Kinder hatten vormittags Schule. Bei Studierenden ist das Training in den Abend geschoben worden. Dementsprechend konnte mir die Arbeitszeit je nach Stundenplan ungelegen kommen oder nicht. Außerdem hat man feste Hallenzeiten. Man konnte das Training leider nicht nach Belieben zeitlich verschieben.

Für wen ist Turnen als Sportart geeignet?

Turnen kann generell jeder. Man kann in jeder Altersklasse anfangen. Ab 80 plus wird es dann irgendwann körperlich schwierig. Turnen ist eine gute Grundlage für viele weitere Sportarten und empfehlenswert für Menschen, die sich in Beweglichkeit, Kraft und Körperspannung üben wollen. Wer gerne turnen möchte, kann bei Vereinen in der Region anfragen. Sie haben meist Erwachsenengruppen. Beim AHS kann man auch als nicht-universitäre Person dazukommen.

Interview: Sarah-Maria Scheid

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