Start-up: Gründungsgeschichten
Schreibe einen Kommentar

Lawcode: Die perfekte Kombination aus IT und Recht

Der 27-jährige Dominik Lienen hat in Koblenz Wirtschaftsinformatik studiert und anschließend ein Start-up gegründet. Fotos: Olivia Schwarz

Der 27-jährige Dominik Lienen hat in Koblenz Wirtschaftsinformatik studiert und anschließend ein Start-up gegründet. Fotos: Olivia Schwarz

Ein neues Gesetz verpflichtet Unternehmen zukünftig, Whistleblower:innen durch Hinweissysteme zu schützen. Wie das funktioniert, wissen die wenigsten. Mit der Hintbox können Dominik Lienen und sein Team helfen – das Ziel, Marktführer in Sachen Hinweisgebersysteme zu werden, fest im Blick.

Könnten Sie das Team einmal vorstellen?

Dominik Lienen: Das Gründer-Team hinter der lawcode GmbH ist recht groß und besteht aus vier Personen. Die Zusammensetzung könnte nicht besser sein. Wir sprechen gerne von einem interdisziplinären Team, das verschiedene Fachrichtungen der Wirtschaftsinformatik, Informatik, Programmierung und Rechtswissenschaften vereint. Das ermöglicht es, komplexe IT-technische, wirtschaftliche und juristische Anforderungen zu verstehen und in einfache, effiziente und handhabbare Digitalisierungsprozesse umzusetzen.

Im Detail heißt das …?

Start-Up. Foto: Diego PH/Unsplash
In unseren Gründungsgeschichten stellen wir Menschen vor, die im oder nach dem Studium den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt haben.

Patrick Diede, 28, ist wie ich Spezialist im Bereich Software-Entwicklung, nicht zuletzt durch unsere gemeinsame Ausbildung zum Fachinformatiker. Aufgrund seiner bisherigen Tätigkeiten hat er sich auch ein fundiertes Know-how in Vertriebs- und Marketingprozessen angeeignet. Das macht ihn zum perfekten COO (Chief Operating Officer).

Lukas Hoffmann, 26, bringt mit seiner kaufmännischen Ausbildung sein tiefes Verständnis in unserer Finanzabteilung ein. Zusätzlich hat er Wirtschaftsinformatik an der Hochschule RheinMain in Wiesbaden studiert, sodass er ebenfalls sein technisches Wissen einbringen kann. Deshalb übernimmt er bei uns die Aufgaben des CFO (Chief Financial Officer).

Dr. Ubbo Aßmus, 38, ist bei uns der CEO (Chief Executive Officer) und bringt den juristischen Teil ein. Er hat langjährige Expertise in zwei Großkanzleien – sowohl im IT- und Datenschutzrecht, aber vor allem auch im Handels- und Gesellschaftsrecht sowie im Bereich Compliance.

Zu guter Letzt meine Person: Mein Name ist Dominik Lienen und ich bin 27 Jahre alt. Ich habe mein Studium der Wirtschaftsinformatik an der Universität in Koblenz abgeschlossen. Durch meine Ausbildung und das Studium konnte ich tief greifende Erfahrung in der Software-Entwicklung sammeln. Hinzu kamen Praktika in Konzernen und eigene IT-Dienstleistungsprojekte, die ich betreut und durchgeführt habe. Ich bin bei uns als CTO (Chief Technical Officer) tätig.

Können Sie kurz erklären, wieso die EU-Whistleblower-Richtlinie und ein entsprechendes Hinweissystem wichtig sind?

Die Richtlinie dient vor allem dem Schutz von Whistleblower:innen beziehungsweise Hinweisgebenden. Diese sollen vor Repressalien geschützt werden, wenn sie eine Information abgeben. Eine Repressalie kann beispielsweise eine Kündigung sein.

Ebenso schreibt die Richtlinie vor, dass Meldekanäle in Unternehmen oder Behörden eingeführt werden müssen. Ein digitales Hinweisgebersystem deckt diese Vorgabe ab. Über die Hintbox können also Whistleblower:innen Hinweise über Gesetzesverstöße abgeben, die anschließend bearbeitet und geprüft werden können.

Wichtig dabei ist, dass dieses System für die Hinweisgebenden leicht zu bedienen ist. Die Richtlinie gibt unter anderem vor, dass es ihnen nicht unnötig erschwert werden darf, einen Hinweis abzugeben.

Speziell in der Entwicklung haben wir darauf geachtet, dass Hinweisgebende innerhalb weniger Schritte eine Information – auch anonym – abgeben können. Darüber hinaus galt es darauf zu achten, dass wir das höchste Maß an Vertraulichkeit, IT-Sicherheit und Datenschutzkonformität einhalten. Das haben wir erreicht.

Können Sie uns etwas über den Werdegang Ihres Start-ups erzählen?

Da Lukas sein Bachelorstudium in Wiesbaden absolviert hat, hatte er das Glück, Ubbo Aßmus kennenzulernen. Der war sein Dozent im IT-Recht und Datenschutz. Wir hatten Ubbo für kleinere Projekte zu diversen IT-rechtlichen Themen nach Rat gefragt, woraufhin er mit der Idee eines Hinweisgebersystems auf Basis der EU-Whistleblower-Richtlinie auf uns zu kam. Da wir davon ausgehen, dass die Richtlinie, die bis zum 17. Dezember 2021 in nationales Recht umgesetzt werden muss, eine ähnliche Auswirkung auf die Unternehmen haben wird wie die Einführung der DSGVO (Datenschutz-Grundverordnung), haben wir auf eine maximal skalierbare Lösung gesetzt. Wir versuchen unsere Software also möglichst wachstumsfähig zu gestalten. Nicht nur in Bezug auf die Anzahl der möglichen Nutzer:innen, sondern auch, wenn es darum geht, neue Möglichkeiten in unser System einzubauen.

Unser Ziel war es, ein Hinweisgebersystem zu entwickeln, das innerhalb von Sekunden bereitsteht. Mit unserer Hintbox haben wir genau das geschafft. Durch die Nutzung modernster Technologien können wir allen Anforderungen unserer Kundschaft gerecht werden und gleichzeitig zu 100 Prozent skalierbar bleiben.

Dominik Lienen arbeitet mit seinen Kollegen an innovativen Ideen.

Dominik Lienen arbeitet mit seinen Kollegen an innovativen Ideen.

Was ist Ihnen bei diesem Projekt besonders wichtig?

Ein Hinweisgebersystem kann sensible Informationen enthalten. Das war uns von Beginn an bewusst, sodass wir ein hohes Maß an Sicherheit voraussetzen. Das beginnt bei jedem neuen Feature, das wir entwickeln und ist auch daran zu erkennen, dass wir neben IT-Sicherheit den hohen Anspruch an Datenschutz verstehen und umsetzen. Besonders wichtig ist dabei, die intuitive Bedienbarkeit der Hintbox nicht zu vernachlässigen. Die Richtlinie trifft auch kleine Unternehmen ab 50 Mitarbeitenden. Das heißt, es ist sehr gut möglich, dass beispielsweise Angestellte aus dem Personalwesen die Aufgabe bekommen, das Hinweisgebersystem zu bedienen. Daher ist unsere Hintbox so gestaltet, dass auch Nicht-Jurist:innen die Fälle korrekt und effektiv bearbeiten können.

Darüber hinaus ist uns bewusst, dass jedes Projekt vom Feedback der Nutzer:innen lebt und nur so immer besser werden kann. Seit der Entwicklung unseres Systems haben wir dieses Feedback in die Hintbox einfließen lassen. Dabei haben wir nie einen unserer wichtigsten Faktoren vergessen, nämlich die Skalierbarkeit. Unser System ist wie jedes bekannte SaaS (Software as a Service)-Produkt über unsere Website zu kaufen und direkt einsatzbereit.

Was möchten Sie in Zukunft mit Hintbox erreichen?

Unsere Vision ist, in fünf Jahren Marktführer im Bereich Hinweisgebersysteme zu sein, sodass die Hintbox das System ist, das fast jedes Unternehmen verwendet. Dafür müssen zunächst die kurz- und mittelfristigen Ziele erreicht werden. Für das Wachstum brauchen wir motivierte Menschen, die uns in unserem Vertrieb und im Marketing, aber auch in der Entwicklung der Hintbox und weiteren regulatorischen Applikationen unterstützen. Das heißt vor allem eins: Wir wollen weiter wachsen und den Markt mit weiteren Applikationen im Bereich Compliance und Recht bedienen. Dadurch möchten wir ein essenzieller Provider für Unternehmen, Rechtsanwält:innen, Steuerberater:innen und Wirtschaftsprüfer:innen im Bereich “Regulatory Technology” werden. Regulatorische Applikationen beschäftigen sich mit regulatorischen, also vom Staat vorgegebenen Anforderungen.

Welche Rolle spielte Ihr Studium beziehungsweise die Universität Koblenz-Landau bei der Entstehung von Hintbox?

Die Uni ist einer von mehreren Faktoren, denen wir und ich die Entstehung der Hintbox zu verdanken habe. Grundsätzliche habe ich in meiner Ausbildung nach dem Abitur das Handwerk gelernt, wie man überhaupt eine Software entwickelt. Dieses Wissen konnte ich an der Uni sehr gut anwenden und vertiefen. Vor allem aber ist an dieser Stelle der soziale Aspekt von enormem Vorteil gewesen. Durch Tipps und Vernetzung, unter anderem durch das Gründungsbüro in Koblenz und durch den Kontakt mit verschiedenen Professor:innen, konnte ich motivierte Menschen kennenlernen, die maßgeblich an dem Erfolg der Hintbox beteiligt sind und zukünftig beteiligt sein werden. Ich habe viele Menschen kennengelernt, mit denen ich nun an der Hintbox und dem Erfolg der lawcode GmbH arbeite.

Interview: Olivia Schwarz

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.