Studis & ihre Nebenjobs
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Kursleiter für Selbstverteidigungs- und Gewaltprävention

Der 26-jährige Pädagogikstudent Lukas Macher ist neben dem Studium selbstständiger Kursleiter für Selbstverteidigung und Gewaltprävention. Foto: Jan Reutelsterz

Der 26-jährige Pädagogikstudent Lukas Macher ist neben dem Studium selbstständiger Kursleiter für Selbstverteidigung und Gewaltprävention. Foto: Jan Reutelsterz

Lucas Macher lernt seit seiner Kindheit die Kunst der Selbstverteidigung und hat mittlerweile vier schwarze Gürtel. Zusammen mit seinem Vater hat er sein Hobby zum Nebenberuf gemacht: Der 26-jährige Pädagogikstudent ist selbstständiger Kursleiter für Selbstverteidigungs- und Gewaltpräventionstrainings. Das erfolgreiche Familien-Gespann zeigt in seinen Kursen, wie man Gefahren erkennt, vermeidet und sich im Ernstfall wehrt.

Was für einen Nebenjob machen Sie?

Ich arbeite als selbstständiger Kursleiter für Selbstverteidigungs- und Gewaltpräventionstraining. Unsere Trainings werden von Firmen, Institutionen und Gruppen gebucht, zum Beispiel dem Roten Kreuz, Banken, größere Firmen, verschiedene FSJ-Gruppen und Schulen. Sogar Kindergärten kontaktieren uns. Die Kurse gebe ich unter der Woche oder am Wochenende.

Was sind Ihre Aufgaben?

Die Serie

Das WG-Zimmer, das eigene Auto, der Kinobesuch mit Freunden: Das alles will bezahlt werden. Viele Studierende verdienen sich neben der Unterstützung der Eltern und Bafög etwas dazu oder finanzieren ihr Studium komplett selbst. Uniblog stellt in einer Serie Studierende und ihre Nebenjobs vor. Von alltäglich bis kurios ist fast alles dabei.

Man stelle sich vor, ein alter Mann zieht auf einem Supermarktparkplatz ein Kind in sein Auto. Das Kind schreit: „Nein, hör auf! Lass mich los!“ Die allermeisten Leute würden davon ausgehen, dass ein Großvater seinen trotzigen Enkel nach Hause fahren will. Was ist aber, wenn das Kind schreit „Nein, hören Sie auf! Lassen Sie mich los!“? Nur durch die Veränderung eines kleinen Parameters wie der Ansprache entsteht eine völlig neue Situation: Nun würde niemand den alten Mann für den Großvater des Kindes halten.

Meine Kurse beginne ich oft mit solch einem Gedankenexperiment. Im Anschluss vermittle ich den 15 bis 30 Teilnehmern, wie man richtig reagiert. Zunächst werden Wege aufgezeigt, um Gewalt möglichst zu vermeiden. Für den Ernstfall übe ich jedoch auch, wie man sich mit geringem Kraftaufwand möglichst gut verteidigt. Vom einfachen Griff ans Handgelenk bis hin zur Bewegungsunfähigkeit werden verschiedenste Befreiungstechniken gelehrt. Zu meinen Aufgaben gehören aber auch die Organisation rund um die Kurse und der sensible Umgang mit Sorgen und Ängsten der Teilnehmer.

Was bereitet Ihnen am meisten Freude bei dieser Arbeit?

Es ist die Vielseitigkeit, denn kein Kurs ist wie der andere. Ich arbeite mit ständig wechselnden Gesichtern und Personen in jedem Alter. Auch mein Arbeitsumfeld ist immer ein anderes: Ob eine Turnhalle, ein Seminarraum, das Büro oder im Freien – es wird gearbeitet, wo es Raum dafür gibt.

Wie kamen Sie an den Job?

Mit sechs Jahren haben mich meine Eltern im Judo angemeldet und im Alter von 15 wechselte ich dann zu Jiu Jitsu. In diesem Kampfsport geht es darum, Gewalt möglichst zu vermeiden. Übersetzt heißt es so viel wie der sanfte Weg. Man konzentriert sich auf die reine Selbstverteidigung und Selbstbehauptung. Gewalt hat hier nichts zu suchen. Mittlerweile habe ich 20 Jahre Erfahrung in verschiedenen Techniken und Strategien und vier schwarze Gürtel, darunter einen im traditionellen Bereich und drei in Realistic Self Protection (RSP).

An den Job kam ich, als sich jemand in meinem Sportverein meldete und nach Selbstverteidigungskursen fragte. Bis dato gab es kein solches Angebot und mein Vater und ich dachten: „Warum nicht selber Kurse geben? Die Kompetenzen sind doch vorhanden.“ Wir probierten uns aus und es lief gut. Noch heute entstehen die meisten Aufträge über Mundpropaganda, eine Webseite ist gar nicht nötig. Ich habe schon Kurse in der Schweiz gegeben und es gibt sogar eine Kooperation mit Walt Disney.

Was verdienen Sie bei diesem Nebenjob?

Ein monatliches Festgehalt habe ich nicht, schließlich werden die Kurse nach Bedarf gebucht. Für einen vorbereiteten Kurs bekomme ich 35 Euro pro Stunde, zuzüglich Spesen. Insgesamt dauert eine Einheit dann vier bis sechs Stunden, abhängig von der Teilnehmerzahl. Was sich aber zeigt, ist, dass die Nachfrage im Winter wesentlich höher ist. Es ist Weihnachtsmarktzeit und die Leute sind viel abends im Dunkeln unterwegs. Die entspanntere Phase im Sommer nutze ich, um Weiterbildungen zu besuchen. Gerne würde ich zukünftige Lehrgänge für die richtige Abwehr von Waffen besuchen. Auch Deeskalationstrainings halte ich für sinnvoll.

Wie „studienkompatibel“ ist Ihre Arbeit? Bitte geben Sie einen bis fünf Sterne

Da ich meine Arbeitszeit selbst einteilen kann, ist mein Job absolut kompatibel mit dem Studium. Ich kann also guten Gewissens fünf von fünf Sternen vergeben.

Haben Sie sich schon einmal im Training verletzt?

Zwei ausgeschlagene Zähne, eine ausgekugelte Schulter und ein gebrochenes Schienbein. Alles Verletzungen, die schon im Training vorgekommen sind. Mir ist aber zum Glück noch nichts Ernsteres passiert. Ein verstauchter Finger, blaue Flecken oder eine blutige Nase sind im Kampfsport kaum der Rede wert. Vorteilhaft ist aber, dass man lernt, sich richtig abzurollen, so werden Fallverletzungen vermieden.

Mussten Sie sich oder eine andere Person je ernsthaft verteidigen?

Erfreulicherweise ist solch eine Situation noch nie aufgetreten. Ich hoffe, das bleibt auch zukünftig so. Ein respektvoller und freundlicher Umgang mit seinen Mitmenschen ist die beste Gewaltprävention.

Wem würdest du einen Selbstverteidigungskurs empfehlen?

Jedem, der etwas über sich selbst erfahren möchte. In dem Training lernt man, über seine persönlichen Grenzen hinaus zu gehen. Beispielsweise schlägt man mit voller Kraft auf einen Schutzanzug ein. Auch findet man heraus, ob und wie schnell man in Panik verfällt. Es reagiert nicht jeder kontrolliert, wenn eine fremde Person auf dem eigenen Brustkorb sitzt. Wen das noch nicht genug fordert, der kann sich in verschiedenen Gedankenexperimenten austesten. Für 90 Prozent der Menschen ist das Training garantiert eine neue Erfahrung.

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