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Kreatives Schreiben: Spaß und Weiterbildung

Uniblog-Reporter Jan Luca Mies stellt den Schreibzirkel auf dem Campus Koblenz vor, bei dem er auch selbst aktiv ist. Foto: Jan Luca Mies

Uniblog-Reporter Jan Luca Mies stellt den Schreibzirkel auf dem Campus Koblenz vor, bei dem er auch selbst aktiv ist. Foto: Jan Luca Mies

Als sie ihr Studium der Computervisualistik begann, suchte Anna-Carina Strunk nach Kommilitonen, die ihre Begeisterung fürs Schreiben teilten. Zusammen mit Sebastian Geiger und Daniel McStay, inzwischen Hochschulabsolventen, gründete sie 2012 den Schreibzirkel auf dem Campus Koblenz. Seit 2018 ist er eine offizielle Hochschulgruppe. Viele Studierende und Alumni leben hier wöchentlich ihre Kreativität in verschiedensten Textgattungen aus.

“Es gibt sehr viele Gründe dafür, mit dem Schreiben anzufangen,” meint Anna-Carina Strunk zu ihrem größten Hobby. “Schreiben macht Spaß und nebenbei kann man eine ganze Menge Allgemeinwissen sammeln,” weiß die Mitbegründerin des Schreibzirkels aus eigener Erfahrung. Will man seine Texte möglichst authentisch gestalten, muss man sich mit dem Thema auseinandersetzten und recherchieren. Strunk hat zum Beispiel schon einiges über den Goldpreis gelernt, da sie für eine Geschichte wissen wollte, wie wertvoll eine komplette Nachbildung eines Menschen aus diesem Wertmaterial ist. Außerdem könne Schreiben auch bei der psychischen Verarbeitung von Ereignissen helfen.

Wer sich dazu entschlossen hat, sich als Autor zu versuchen und seine Schreiberfahrung teilen möchte, kann über den Schreibzirkel andere Schreibbegeisterte kennenlernen. Natürlich kann man allein zu Hause Buchstaben aufs Papier bringen, warum also ist es in der Hochschulgruppe doch nochmal schöner? “Irgendwann kommt man den Punkt, an dem man sich fragt: ‘Was denken denn andere über meine Texte?’ Gemeinsam schöne Stellen zu feiern und an holprigen Stellen zu feilen, das macht einfach mehr Spaß und motiviert”, erklärt Strunk. Zusätzlich verbessere man sein freies Sprechen und steigere sein Selbstvertrauen durch das Vortragen der eigenen Texte.

Jede Geschichte verdient Respekt

Während des normalen Universitätsbetriebs treffen sich wöchentlich etwa fünf bis zehn hochmotivierte Studierende und Alumni im Multimedialabor mLab auf dem Campus Koblenz, um sich gegenseitig ihre Texte vorzustellen. Und immer mehr “Zirkulaner”, wie sich die Teilnehmenden selbstironisch nennen, kommen hinzu. “Wir freuen uns immer über neue Mitglieder und jeder kann gerne mal bei uns reinschnuppern,” bekundet Strunk.

Viele treffen sich vor Beginn der Schreibzirkel-Sitzung in der Schreibstunde. Diese findet direkt vorab statt und wird genutzt, um an den eigenen Texten zu feilen. Wenn man inhaltliche Fragen hat oder sich bei der Rechtschreibung mal unsicher ist, bekommt man hier direkt Hilfe. Nachdem zu Beginn der eigentlichen Sitzung das Organisatorische geklärt wurde, lesen die Zirkulaner ihre Texte vor. Nach jeder Lesung wird der jeweilige Text dann in der Gruppe besprochen. Wer nichts zum Vorlesen hat, genießt einfach die Texte der anderen. Frei nach dem Motto: Alles kann, nichts muss. Eine weitere wichtige Regel lautet: “Jeder Vorleser wird respektiert”. Alle sollen eine entspannte Vorlesesituation und konstruktives Feedback erleben. Die Reaktion der Zuhörenden ist facettenreich. Von Kommentaren zur Präsentation – “Das war toll vorgetragen!” – über individuelle Verbesserungsvorschläge – “Vielleicht könntest du die Figur auch mit weniger Worten sprechen lassen, damit man auch sprachlich merkt, dass sich was bei ihr geändert hat?” – ist alles dabei.  Die Vorlesenden beschreiben gerne auch ihre eigenen Gedanken zum Text: “Man sollte anfangs denken, dass es eine normale mittelalterliche Geschichte ist, bis der Drache auftaucht.” Der Spaß kommt nie zu kurz und nach ein paar humorvollen Einwürfen schweift die Gruppe schon mal vom Thema ab. Dennoch wird immer darauf geachtet, dass jeder, der vorlesen möchte, die Zeit dafür bekommt.

Kreativität kennt keine Grenzen

Die Texte sind mindestens so vielfältig wie ihre Autoren. Kurzgeschichten, Sachtexte, Gedichte, Romane, Briefe, Drehbücher oder Sketche sind nur einige Beispiele für das, was die Studierenden erschaffen. Egal ob mittelalterliche Fantasy, bizarre Science-Fiction, Kafkaeskes, Comedy oder von der Romantik inspirierte Texte – hier gibt es keine Grenzen für die Kreativität. Viele Zirkulaner veröffentlichen ihre Werke im Internet auf Seiten wie FanFiktion.de und Belletristica. Einige haben auch das Ziel, ihre Werke bei Verlagen unterzubringen. In der Hochschulgruppe findet man zumindest schon mal jemanden für eine erste Korrekturlesung – natürlich auf freiwilliger Basis. Sich hierbei gegenseitig zu helfen, ist den Teilnehmenden wichtig.

Viele Besucher der Hochschulgruppe sind auch im Gemeinschaftsprojekt Circula aktiv. Hier schreiben sie gemeinsam an einer Geschichte, die sich in einer fiktionalen Welt abspielt. Wer wann was dazu schreibt, ist nicht festgelegt. Allerdings versuchen die Schreiber immer, eine geschlossene und logische Gesichte zu erzählen. Besonders spannend wird es, wenn sich Storylinien verschiedener Teilnehmer kreuzen. Hier müssen sie sich gut absprechen. In Circula haben neben Menschen, Dämonen und Tierwesen unter anderem auch eine sprechende Delphinmafia ihren Platz. Im Mittelpunkt der Handlung steht das Institut Cupiditas, in dem allerhand Sonderbares passiert.

Zwar geht es beim Schreibzirkel vor allem um Spaß, dabei nimmt man aber eine ganze Menge für sein eigenes Studium mit. Wer regelmäßig mitmacht, kann Schreibstil,  Lese- und Hörverständnis wie auch die eigene Redekompetenz verbessern – alles Fertigkeiten, die ein erfolgreiches Studium erleichtern. Das Hauptaugenmerk der Zirkulaner liegt jedoch eindeutig auf der freien kreativen Entfaltung.

Und wenn das mLab mal nicht verfügbar ist oder ein Virus das Leben auf dem Campus einschränkt, trifft man sich eben online – man ist ja kreativ.

Jan Luca Mies

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3 Kommentare

  1. Anna-Carina Strunk sagt

    Danke für die gute Zusammenarbeit, der Artikel ist wirklich sehr schön geworden.

    Für alle die interessiert sind: Zögert nicht uns anzuschreiben, wir freuen uns immer über neue Gesichter.

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