Start up: Gründergeschichten
Schreibe einen Kommentar

Kreative Entfaltung mit Bestand

Für ihren "Tillishop" näht, häkelt und bastelt Julia Wimmer neben dem Studium. Fotos: Privat

Für ihren "Tillishop" näht, häkelt und bastelt Julia Wimmer neben dem Studium. Fotos: Privat

Mit den eigenen Händen etwas erschaffen und das Ergebnis mit anderen teilen – so macht es Lehramtsstudentin Julia Wimmer mit ihrem Tillishop. Von verschiedenen Taschen über Stirnbänder bis hin zu Eierwärmern bietet online sie selbst gemachte Produkte an.

Start-Up. Foto: Diego PH/Unsplash
In unseren Gründergeschichten stellen wir Studierende und Absolventen vor, die den Schritt in die Selbständigkeit gewagt haben.

Gebastelt hat Julia Wimmer schon immer gerne. Schon während ihrer Schulzeit begann sie zu nähen – Handytaschen zum Beispiel. Das fiel auch anderen auf. Ihr Talent sprach sich herum, und so erhielt Wimmer zunehmend Anfragen, auch für andere zu nähen. Deshalb eröffnete sie 2012 ihren Tillishop. Der Name ist zufällig entstanden: “Es musste irgendwas sein, was es noch nicht gibt – und ein kurzer Name”. Mittlerweile ist sie 26 und studiert im ersten Mastersemester des Grundschullehramts für Religion und Deutsch. Das Sortiment ihres Shops umfasst heute  Turnbeutel, Kosmetik- und Bauchtaschen, Stirnbänder, Abschminkpads und Eierwärmer. Auch Bienenwachstücher bietet sie an, eine plastikfreie Alternative zu Frischhaltefolien. Für ihre Designs folgt sie ihrem eigenen Geschmack, lässt sich von aber auch von Trends inspirieren. “Es ist nie so, dass ich eine Sache komplett übernehme, aber man holt sich Ideen oder guckt, welche Muster dieses Jahr angesagt sind”, erklärt sie. Die Inspirationssuche betrifft nicht nur Muster, sondern auch Produkte. So war es mit dem Mundschutz, den sie kürzlich in ihr Sortiment aufnahm. Da sie ihn selbst brauchte, arbeitete sie ein Modell aus. Auch Freunde und Familie erhielten Teststücke. Nach positiven Rückmeldungen bot sie den Mundschutz kurzzeitig in verschiedenen Mustern in ihrem Shop an.

Julia Wimmer näht die Artikel für ihren Shop selbst. Auch Schmuck fertigt sie eigenhändig.

Julia Wimmer näht die Artikel für ihren Shop selbst. Auch Schmuck fertigt sie eigenhändig.

Nachhaltigkeit gibt den Ton an

Eines von Wimmers Hauptanliegen ist, dass das Sortiment im Tillishop einen individuellen Stil haben soll. Sie möchte etwas Eigenes erschaffen und sich von anderen abheben. Aber es gibt noch einen weiteren Grund: Die Schnittmuster einiger Marken sind urheberrechtlich geschützt und können nicht ohne Weiteres übernommen werden. Deshalb ist auch hier Kreativität gefragt. Wimmers Produkte existieren nur in kleinen Serien, sodass das Angebot des Shops stetig wechselt. Es gibt nie mehr als zehn Teile im selben Design. Außerdem legt sie viel Wert auf Qualität. “Etwas zu erschaffen, bei dem ich weiß, dass meine Hände dahinter stecken und das nicht irgendwo billig produziert wurde”, erklärt sie ihren Anspruch. Auch die Langlebigkeit der Produkte ist wichtig, um einen Shop dieser Art am Leben zu halten: “Man kann es sich nicht leisten, etwas zu verkaufen, was von der Qualität her schlecht ist. Das trifft einen direkt und spricht sich schnell herum.” Wimmer arbeitet lieber für die Beständigkeit ihrer Produkte, auch wenn das höhere Preise bedeutet. Dann haben ihre Besitzer länger etwas davon. Auch sonst liegt ihr Nachhaltigkeit am Herzen. Ihre gehäkelten Abschminkpads sind waschbar, lassen sich also mehrfach verwenden. Selbes gilt für die Bienenwachstücher. Diese nachhaltige Lösung für die Küche entdeckte sie in einem Laden. Ihr gefiel die Idee, statt Frischhaltefolie etwas zu haben, das man mehrfach benutzen kann. Sie informierte sich über die Technik dahinter und integrierte die Tücher in ihr Angebot. Die Tendenz zu nachhaltigeren Angeboten nimmt Wimmer auch auf Märkten für Handarbeit wahr. Der Verzicht auf Einwegverpackungen und Weichmacher ist für viele Menschen wichtiger geworden.

Bienenwachstücher zum Abdecken von Lebensmitteln wie auch gehäkelte Abschminkspads lassen sich nach dem Reinigen erneut verwenden.

Bienenwachstücher zum Abdecken von Lebensmitteln wie auch gehäkelte Abschminkspads lassen sich nach dem Reinigen erneut verwenden.

Ein Hobby mit Bonus

Von den Produkttests im Freundeskreis abgesehen stemmt Wimmer die Arbeit am Tillishop allein. Da kommt einiges zusammen: Materialanschaffung, Stoff- und Schnittauswahl, die eigentliche Handarbeit, den Verkauf und die Organisation der Website und Social Media. Seit 2018 hat sie dafür ein Atelier in ihrer Wohnung eingerichtet. “Durch die hohe Decke und die Dachfenster ist dort ein kreativer Arbeitsplatz entstanden”, schwärmt Wimmer. Der Raum ist hell und bietet gutes Licht für Produktfotos. Außerdem braucht sie den Platz für ihre Geräte und Materialien. Am liebsten arbeitet sie in mehreren Stationen. Wimmer benutzt eine Näh- und Stickmaschine, für die sie Nadeln und Garn benötigt. Dazu kommen Bügeleisen und -brett, Gurtbänder, Kordeln oder Reißverschlüsse und verschiedene Stoffe. Futterstoffe bilden die Innenseite einer Tasche, während festere Stoffe mit verschiedenen Mustern das Äußere ausmachen. Durch die Materialkosten bringt der Shop wenig Gewinn ein. Somit ist er eher ein Hobby mit einem Bonus, meint Wimmer: “Alles was ich verdiene, stecke ich auch irgendwo wieder rein.” Ihre eigentliche finanzielle Stütze im Studium ist ihr Nebenjob in einem Ravensburger Outlet. Da sie den Tillishop allein betreibt, kann sie sich ihre Zeit dafür selbst einteilen und die Arbeit gut an ihren Rhythmus im Studium anpassen. Aus ihrer Erfahrung weiß sie, wann die meisten Anfragen kommen – die Verkaufszahlen können je nach Jahreszeit sehr unterschiedlich ausfallen. Besonders vor Weihnachten gibt es eine hohe Nachfrage. Dann sind Stirnbänder, Weihnachtsgeschenke und Kleinigkeiten für Wichtelgeschenke beliebt.

Um Artikel wie Turnbeutel oder Kosmetiktäschchen herzustellen, setzt Julia Wimmer setzt eine Vielzahl von Materialien und Werkzeugen ein.

Um Artikel wie Turnbeutel oder Kosmetiktäschchen herzustellen, setzt Julia Wimmer setzt eine Vielzahl von Materialien und Werkzeugen ein.

Gelegentlich verlässt Wimmer ihr Atelier und verkauft ihre Sachen auf Design- und Kreativmärkten, wenn es sich gerade anbietet. Auch in der Winteruni des Campus Koblenz hatte sie bereits Verkaufsstände. Darüber hinaus hat sie schon einige Male Nähkurse angeboten, um ihr Wissen und ihre Freude an der Arbeit an andere weiterzugeben. Für sie ist der Tillishop in erster Linie eine Möglichkeit zur kreativen Entfaltung, in der sie immer wieder neue Ideen entwickeln und umsetzen kann. Zur Freude von Menschen, die Handgemachtes schätzen.

Nadja Riegger

0

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.