Kolumne
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Meine verrückte Sehnsucht nach Prüfungen

Heute schreibt Campus-Reporterin Rebecca Singer. Illustration: Designstudio Mathilda Mutant

Heute schreibt Campus-Reporterin Rebecca Singer. Illustration: Designstudio Mathilda Mutant

In der Kolumne schreiben unsere Campus-Reporter, allesamt Studierende in Koblenz und Landau, unplugged aus ihrem Alltag. Heute wünscht sich Rebecca Singer eine Prüfung.

Ich habe Sehnsucht nach einer schriftlichen Prüfung. Ja, ich bin Studentin und sage so etwas. Und ich wette: Jeder, der einmal eine Abschlussarbeit schreiben musste, hat das zumindest schon mal gedacht.

Wenn meine Freunde von Klausuren erzählen, von benoteten Referaten und Sprechstunden zur Vorbereitung, freue ich mich immer ein bisschen. „Wenn ihr sowas erzählt, bin ich froh, dass ich nie wieder eine Prüfung habe“, sage ich dann. Doch dieser Satz ist nur die halbe Wahrheit. Prüfungen sind natürlich anstrengend und kraftraubend, aber nach einigen Wochen Lernen und einigen Tagen Zittern ist es einfach vorbei. Meine Freunde genießen danach ihre Semesterferien und ich sitze tagein, tagaus in der Bibliothek und texte an meiner Abschlussarbeit. Es fühlt sich an, als würde ich an einem riesigen Zahnrad drehen. Ich drehe und drehe, und es hat scheinbar kein Ende. Mein Rad besteht aus einem gigantischen Berg aus Büchern, Zeitschriftenartikeln und Webseiten. Es sind leere Seiten, die gefüllt werden wollen.

Meine Freundin, die Prokrastination

Jeden Tag nehme ich mir vor, effektiv zu arbeiten und schnell weiterzukommen. Ich werfe mit Wörtern um mich, mit Zahlen, Statistiken und Grafiken. Doch das Finale ist noch weit weg. Der größte Feind dabei bin ich mir selbst. Jeden Tag sage ich mir, es könnte so viel schneller gehen, wenn ich noch konzentrierter und noch länger am Stück arbeiten würde. Aber stattdessen kommt meine liebste Freundin namens Prokrastination mit ihren tollen Vorschlägen vorbei: „Du hast schon lang nicht mehr die Wohnung geputzt. Und die Vorsorgeuntersuchung beim Zahnarzt ist auch wieder fällig“, fällt mir plötzlich ein. Vor ein paar Tagen war ich spontan Blutspenden, selbstverständlich zum Wohle der Allgemeinheit, aber auch ein bisschen, um mich vor meiner Arbeit zu drücken.

Jetzt sitze ich an meinem Lieblingsplatz in der Bibliothek, drei Bücher liegen aufgeschlagen vor mir und wollen gelesen werden. Auf meinem Laptop ist das Literaturprogramm Citavi mit hunderten Zitaten und ein Word-Dokument namens Masterarbeit.docx geöffnet. Und was mache ich? Ich schreibe eine Kolumne für den Uniblog.

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