Studis & ihre Nebenjobs
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Im Reinraum

Sara Pipaud hat während der Semesterferien mit einem Job in der Produktion Geld verdient, das sie für eine Reise sparen möchte. Der Schutzanzug war hierfür Pflicht. Foto: Sara Pipaud

Sara Pipaud hat während der Semesterferien mit einem Job in der Produktion Geld verdient, das sie für eine Reise sparen möchte. Der Schutzanzug war hierfür Pflicht. Foto: Sara Pipaud

Die Semesterferien dienen vielen Studierenden abseits der obligatorischen Entspannung auch dazu, ihren Geldbeutel aufzubessern. Neben üblichen Gastrojobs gibt es viele andere Möglichkeiten, die freie Zeit effektiv zu nutzen: zum Beispiel mit einem Job im Produktionsbereich.

Mehr Beispiele zum Geldverdienen neben dem Studium gibt’s in unserer Serie Studis und ihre Nebenjobs.

Viele Studierende nutzen die Semesterferien, um Geld zu verdienen oder Rücklagen für das kommende Semester zu bilden. Mit diesem Ziel habe auch ich mich in den vergangenen Semesterferien um einen Job bemüht. Aufgrund der aktuellen Coronalage fielen die üblichen Gastrojobs leider weg. Somit wusste ich erst einmal nicht, wohin mit mir. Mein Ziel ist, für eine Reise zum Nordkap zu sparen, die im kommenden Jahr mit meinem Freund und dessen ausgebautem Bus stattfinden soll. Eine solche Reise ist sehr teuer, weshalb ein recht hoher Lohn ein wichtiges Kriterium für den gesuchten Job war. Nach längerer erfolgloser Suche machte mich eine Freundin auf einen Produktionsjob bei der Firma Agilent Technologies in Waldbronn bei Karlsruhe aufmerksam. Sie selbst hatte dort drei Monate gearbeitet und sich dadurch eine Reise durch Asien finanziert. Kurzum habe ich mich dort beworben und wurde für sechs Wochen eingestellt.

Agilent Technologies

Agilent ist ein weltweit operierendes amerikanisches Biotechnologie-Unternehmen, das seinen Hauptsitz in Kalifornien hat. Am Standort Waldbronn befindet sich unter anderem die Produktion der patentierten ScreenTapes. Bei ScreenTapes handelt es sich um miniaturisierte Gelelektrophorese-Kassetten, die binnen weniger Minuten 16 DNA- oder RNA-Proben parallel auftrennen können. Im Verfahren der Gelelektrophorese werden die DNA- oder RNA-Fragmente in einer Gelmatrix, mithilfe eines elektrischen Felds, nach ihrer Größe aufgetrennt. Anhand von bestimmten Referenzproben können diese dann ausgewertet werden. Dies gilt als revolutionär, da eine solche Analyse bisher nur mit größerem Aufwand und vielen händischen Schritten durchgeführt werden konnte. Die Miniaturisierung und Laborautomatisierung von Agilent hat diesen Prozess deutlich vereinfacht, dementsprechend gefragt sind die Tapes.

Mein Arbeitsplatz, der Reinraum

Ich habe im Reinraum gearbeitet. In diesem werden die Tapes hergestellt. Meine Aufgabenbereiche bestanden hauptsächlich aus dem Ausstanzen der Tapes aus den entsprechenden Folien, dem Laminieren der einzelnen Bestandteile und der Qualitätskontrolle der fertigen Tapes. Der Name “Reinraum” ist kein willkürlich gewählter, sondern entspricht den Vorgaben für den Raum. Wie man auf dem Foto sehen kann, musste ich einen Schutzanzug tragen, um den Raum betreten zu können. Der Weg zum Reinraum führt durch zwei Vorräume. Im ersten Raum zieht man einen Unteranzug und Überschuhe an. Im zweiten Raum schlüpft man in den hellblauen Anzug und zieht Handschuhe an. Diese Vorkehrungen sind sehr wichtig, da der Raum beziehungsweise die Tapes auf keinen Fall kontaminiert werden dürfen. Würde fremde DNA oder Dreck in diese gelangen, würden die Tests zu keinem aussagekräftigen Ergebnis führen. Der Anzug ist recht gemütlich, da er weit geschnitten ist. Allerdings konnte es einem während der Arbeit unter den zwei Schichten Kleidung ganz schön heiß werden. Zum Glück ist der Reinraum klimatisiert, was es erträglich gemacht hat. Das An- und Ausziehen des Anzugs hat ziemlich viel Zeit in Anspruch genommen, diese zusätzliche Zeit wurde aber auch vergütet.

“Es war es eine andere Art der Konzentration als für die Uni. Dies machte mir erst richtig bewusst, dass man während des Semesters den Kopf eigentlich nie abschaltet.”
Sara Pipaud über ihren Nebenjob

Ein abwechslungsreicher Produktionsjob

Die Arbeit war unerwartet abwechslungsreich. Letztendlich wiederholte ich immer wieder die gleichen Arbeitsschritte, aber dadurch, dass ich an verschiedenen Maschinen gearbeitet habe, war die Arbeit nicht so monoton wie ein Job am Fließband. Die Screentape-Produktion läuft 24 Stunden, was einen Schichtbetrieb erfordert. Ich hatte immer abwechselnd eine Woche Frühschicht (6 bis 14:30 Uhr) und eine Woche Spätschicht (14:30 bis 23 Uhr). An manchen Tagen erschien mir die Zeit in diesem Raum elastisch. Je länger ich dort arbeitete, desto mehr Tapes schaffte ich pro Minute, wodurch mir die Länge einer Minute viel bewusster wurde – im positiven Sinne. Was mir am Anfang nur wie ein kurzer Augenblick vorkam, schien auf einmal ein breites Zeitfenster, in dem man viel mehr schaffen konnte. Es tat auch gut, die Gedanken während der Arbeit schweifen zu lassen. Die Arbeit war nicht so stupide, dass man den Kopf einfach abschalten konnte, man musste aufmerksam bleiben. Dennoch war es eine andere Art der Konzentration als für die Uni. Dies machte mir erst richtig bewusst, dass man während des Semesters den Kopf eigentlich nie abschaltet. Man denkt immer an irgendetwas und lässt die Gedanken nie einfach nur ziehen. Das war tatsächlich erholsam.

Gerne wieder!

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass ich gerne bei Agilent gearbeitet habe und es eine tolle Gelegenheit ist, in kurzer Zeit viel Geld zu verdienen. Alle Mitarbeitenden sind sehr nett und die Atmosphäre im Unternehmen war angenehm. Die sechs Wochen gingen schnell vorbei und ich würde dort auf jeden Fall wieder arbeiten. Ich kann diesen Job allen empfehlen, die sich in den Semesterferien etwas dazuverdienen möchten oder auf etwas sparen. Es werden auch Einstiegs- oder Werkstudentenjobs und Praktika angeboten. Zudem kann man Abschlussarbeiten in Kooperation mit dem Unternehmen schreiben.

Sara Pipaud

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