Ehrenamt: Studis engagiert
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Im Namen der Zukunft

Julius Baur sitzt für die Fraktion der Grünen im Landauer Stadtrat. Foto: Philipp Sittinger

Julius Baur sitzt für die Fraktion der Grünen im Landauer Stadtrat. Foto: Philipp Sittinger

Julius Baur ist mit 22 Jahren eines der jüngsten Mitglieder des Landauer Stadtrats als Vertreter der Fraktion der Grünen. Ein zeitaufwendiges und arbeitsintensives Amt, doch für den Psychologiestudenten lohnt es sich trotzdem: So hat er das Gefühl, aktiv etwas für die Zukunft der Welt zu tun.

Die Serie

Ehrenamt. Foto: Perry Grone/UnsplashSich für andere einsetzen und selbst dazulernen – ein Ehrenamt kann das Studium inhaltlich bereichern und den Horizont erweitern. In unserer Rubrik “Ehrenamt: Studis engagiert” zeigen Studierende, welche ehrenamtlichen Beschäftigungen sich anbieten und wie man die Balance hält zwischen Stundenplan und Initiative.

“Als ich in der fünften Klasse war, haben wir in der Schule den Film Die Wolke angeschaut. Er thematisiert, was passieren kann, wenn es hier in Deutschalnd zu einer atomaren Katastrophe in einem Kernkraftwerk käme. Das hat mich sehr beeindruckt und auf wichtige politische Themen aufmerksam gemacht”, erinnert sich Julius Baur. Auch familiär kam Baur schon früh mit politischen Themen in Berührung: “Für meine Familie war Naturschutz schon immer wichtig, ich bin so erzogen worden. Und Peter Lustig mit seiner Sendung Löwenzahn hat mich geprägt”, lacht Baur. “Ohne Umwelt und Klima brauchen wir erst gar nicht über andere Themen zu reden. Das ist mir schon lange klar. Die Themen haben für mich erste Priorität”, erklärt er. Politisch aktiv wurde der Landauer Psychologiestudent 2014, nachdem er eine Wahlkampfveranstaltung der Grünen besucht hatte. “Katrin Göring-Eckart war damals in Landau und ich diskutierte mit ihr über Streaming”, erzählt Baur. Die Politikerin habe ihn daraufhin direkt gefragt, ob er in die Partei eintreten möchte. “Ich war 17 Jahre alt und mir hat die politische Arbeit richtig Spaß gemacht. Ich hatte zum ersten Mal die Möglichkeit, aktiv etwas zu tun”, schwärmt er. Baur war im Landauer Kommunalwhlkampf 2015 aktiv, machte Parteiarbeit und besuchte den Bundesparteitag. Seit 2019 sitzt Julius Baur im Landauer Stadtrat – als einer der jüngsten Parlamentarier. In seiner Fraktion ist er Geschäftsführer, organisiert Treffen und Veranstaltungen zur politischen Vernetzung und bindet die Mitglieder in die Parteiarbeit ein. Ob er später einmal Berufspolitiker werden möchte, weiß er noch nicht: “Ich kann es nicht ausschließen, aber ich gehe es auch nicht proaktiv an. Wenn es passt, passt es. Allerdings möchte ich es nicht der Karriere wegen machen, sondern nur, wenn die Themen stimmen.”

Von Tür zu Tür im Wahlkampf

Der Wahlkampf im vergangenen Jahr war für Baur bisher die intensivste Zeit. Etwa acht Wochen vor der Kommunalwahl 2019 ging es los: Er übernahm viele organisatorische Aufgaben und war beim Haustürwahlkampf täglich unterwegs. Mit seinen Parteikollegen stand er alle zwei Wochen an Infoständen an der Universität, hängte Plakate auf und war bei öffentlichen Veranstaltungen dabei. “Einmal haben wir eine Wahlkampf-WG-Party organisiert. Zu der kam Ska Keller, die Spitzenkandidatin der Grünen im Europawahlkampf 2019”, erinnert er sich. “Wir haben sogar einen Preis für den besten Kreisverband in Deutschland gewonnen. Wir hatten die meisten Kontakte”, freut sich Baur. Doch Wahlkampf ist nicht nur spaßig: Im Jahr 2016 wurde Baur an einem Infostand von einem fremden Mann attackiert und bedroht. “Das ist schon ein merkwürdiges Gefühl. Ich habe mich da an einem verregneten Tag hingestellt, und das ehrenamtlich, um den Leuten zu erzählen, was die Grünen so machen. Und völlig aus dem Nichts kommt ein Mann und bedroht mich. Ich kannte den doch gar nicht”, wundert sich Baur noch heute. Solche Situationen seien nicht selten. Seine Lösung dafür: Präsent sein und Paroli bieten. Solche Leute seien oft schließlich seine politischen Gegner. Da es fast unmöglich sei, sie umzustimmen, findet Baur es nur richtig, wenn die Leute wenigstens wissen, dass es Menschen gibt, die sich offen gegen sie positionieren. “Wenn man von Nazis gehasst wird, ist das auch irgendwie okay”, lacht er. Mit den Parteifreunden bespreche er solche Situationen danach. Das helfe ihm, damit umzugehen.

Ehrenamt mit Vision

Bis April 2019 war der 22-Jährige auch für Campus Grün tätig. Die Hochschulgruppe habe ähnliche Grundideen, sei aber unabhängig von der Partei: “Da gibt es innerhalb der Gruppe immer wieder Diskussionen. Als Hochschulgruppe haben wir nur begrenzt Einfluss. Wollen wir beispielsweise neue Radwege, Fahrradabstellplätze oder bezahlbare Wohnungen, ist es sinnvoll, mit lokalen Parteien zusammenzuarbeiten”, erklärt Baur. Für Campus Grün saß Baur außerdem im Studierendenparlament und versuchte, Anträge bei der Univerwaltung durchzubringen. Wenn Julius Baur gerade nicht vor Haustüren steht und das Parteiprogramm der Grünen erklärt, studiert er Psychologie. Einige Aspekte aus seinem Studium helfen ihm auch bei seiner ehrenamtlichen Arbeit. “Ich hatte Seminare zu Medienpsychologie am Institut für Kommunikationspsychologie und Medienpädagogik. Was ich da über PR und Social Media gelernt habe, hilft mir.” Deshalb übernimmt Baur auch viele Aufgaben, die mit Online-Marketing und sozialen Medien zu tun haben. Die Kehrseite der ehrenamtlichen Arbeit ist Zeitmangel. Gerade in Wahlkampfzeiten sei der Zeitaufwand enorm, das gehe auch mal zulasten des Studiums. Doch Baur nimmt das leicht: “Ich bereue nicht, so viel Zeit hineingesteckt zu haben. Ich brauche jetzt zwar ein wenig länger für mein Studium, aber für den Stadtrat habe ich mich ja sowieso für fünf Jahre in Landau verpflichtet.” Was ihm am meisten Spaß macht? “Kennst du das Gefühl, das einen überkommt, wenn man Nachrichten liest und an all die schlimmen Dinge denkt, die auf der Welt passieren? Diesen Weltschmerz?”, antwortet Baur mit einer Frage. “Dagegen kann man nur etwas machen, wenn das Gefühl hat, etwas zu bewegen, indem man selbst aktiv wird. Dann kann man auch leichter die Welt Welt sein lassen.”

Rebecca Singer

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