Ehrenamt: Studis engagiert
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Im Hintergrund und doch im Fokus

Abends steht Softwareergonom Marcel Bock regelmäßig als Statist auf der Bühne des Theaters Koblenz. Foto: Sarah-Maria Scheid

Abends steht Softwareergonom Marcel Bock regelmäßig als Statist auf der Bühne des Theaters Koblenz. Foto: Sarah-Maria Scheid

Computervisualistik und Schauspiel – eine abwechslungsreiche Kombination. Schon seit seinem Studium an der Universität Koblenz-Landau ist Marcel Bock als ehrenamtlicher Statist im Theater Koblenz auf der Bühne zu sehen. Und steht dabei keineswegs nur passiv im Hintergrund herum. 

Ehrenamt. Foto: Perry Grone/Unsplash In unserer Serie Ehrenamt: Studis engagiert zeigen Studierende, wie man die Balance hält zwischen Stundenplan und Initiative.

Marcel Bock stand schon in seiner Schulzeit gerne auf der Bühne. Der 28-Jährige ist seit 2015 ehrenamtlich Statist im Theater Koblenz und spielt bei Aufführungen aller Genres mit. Sein Hobby aus der Schulzeit wollte er während des Studiums gerne weiterführen. Also hat sich Marcel Bock über einen Kommilitonen, der in der Theatergruppe Junge Enthusiasten mitwirkte, über das Schauspielen in Koblenz informiert. Die Statisterie am Theater Koblenz sucht immer wieder Statisten für Stücke, Opern, Musicals und vieles mehr. “2015 wurden für die Oper Fidelio von Ludwig van Beethoven sehr viele Akteure gesucht. Mein Kommilitone hat sich dafür an der Uni umgehört. Da wusste ich, dass das etwas für mich ist”, erinnert sich Bock. “Tatsächlich habe ich nach der Schule und während des Studiums überlegt, auf eine Schauspielschule zu gehen. Ich habe es dann aber nicht gemacht, weil es leider eine brotlose Kunst ist”, bedauert er. Heute arbeitet er beim Fraunhofer-Institut im Bereich der Softwareergonomie. “Während meines Studiums war die Arbeit am Theater eine andere Art, mich kreativ auszuleben. Bei der Computervisualistik arbeitet man im Computerspielbereich. Für meinen jetzigen Beruf ist das Schauspiel vor allem ein toller Ausgleich. Es ist etwas komplett anderes zum alltäglichen Bürojob.”

Die meiste Freude hat Bock am Spielen: “Auf der Bühne in eine Rolle zu schlüpfen, ist wundervoll. Der gesellschaftliche und soziale Aspekt sind für mich ausschlaggebend. Die Mitspieler wachsen über die Jahre zusammen und es fühlt sich fast wie eine Familie an. Mittlerweile haben wir uns alle gut kennengelernt und verbringen viel Zeit miteinander.” Außerdem genieße er das Gefühl, dem Publikum durch das Schauspiel Freude zu bereiten. Auch privat geht Bock gerne ins Theater. “Am meisten Spaß machen mir Musicals, vor allem wegen der Musik. Aber ich habe auch durch das Theater die Oper für mich entdeckt. Fidelio war meine erste Oper. So habe ich schon einige klassische Stile kennengelernt, die mir sehr gefallen. Das ein oder andere Stück hätte ich früher niemals besucht”, räumt er schmunzelnd ein.

Kleine und größere Rollen

Im Theater wird er als Statist eingesetzt und wird in verschiedenen Situationen gebraucht, um in den Szenen vor allem stumme Rollen zu verkörpern. Allerdings hat Bock als Statist auch schon getanzt und gesungen. Auch für die technischen Umbauten werden Statisten eingesetzt. “Meistens sind es Hintergrundspiele. Wenn zum Beispiel ein Markt dargestellt werden soll, spielen wir Personen, die an den Ständen einkaufen. Wir haben auch schon Soldaten oder Polizisten gespielt, die Schauspieler von der Bühne holen und verhaften. Ansonsten unterstützen wir die Techniker beim Verschieben von Bühnenwänden und Requisiten.” Nicht nur auf der Bühne, auch dahinter erlebt Bock die Schauspielatmosphäre hautnah: “Es ist sehr spannend, dabei zu sein, wenn ein Regisseur eine Geschichte nimmt, sie verändert und auf die Bühne bringt. Das ist ein sehr interessanter Prozess, der bei jedem Regisseur anders aussieht.” Manchmal bekommen Statisten aber nicht nur kleine, unauffällige Rollen. “Meine umfangreichste Rolle spielte ich im Märchen Die kleine Hexe. Da hatten wir sogar Tanz- und Gesangsunterricht, weil wir mit den Schauspielern gemeinsam gesungen und getanzt haben.”

Schauspieler und Statisten haben auf der Bühne wie auch hinter den Kulissen viel Kontakt. “Man spürt meist kaum eine Distanz. Natürlich gibt es Ausnahmen, aber die meisten Schauspieler, die ich kennenlernen dufte, sind ziemlich offen, reden mit uns in den Pausen und interessieren sich dafür, wie wir ans Theater gekommen sind.” Es gibt fest angestellte Darsteller und Gastschauspieler. Das Theater bedient sich aus einem Pool von etwa zwanzig Statisten, die für verschiedene Stücke und für unterschiedliche Rollen geeignet sind.

Ein Tag bei der Probe

Wenn die Statisten um 18 Uhr ins Theater kommen, heißt es erst mal warten, bis die Szene drankommt, in der sie gebraucht werden. “Wenn wir an der Reihe sind, werden wir auf die Bühne gerufen. Der Regisseur gibt uns dann Anleitungen. Zudem sind die Regieassistenz und ein Dirigent vor Ort, die uns während der Szenen Anweisungen geben”, führt Bock aus. Anschließend geht es für die Statisten ans Spielen. Dabei kommt es aber regelmäßig zu Unterbrechungen: Immer wieder fallen Besprechungen an, in denen auf bestimmte Stellen hingewiesen wird. Es gab aber auch schon einen Regisseur, bei dem einfach frei gespielt wurde. “Das hat mir richtig gut gefallen.” Am Ende jeder Probe ziehen die Teilnehmenden ein kurzes Resümee und es gibt einen Ausblick auf die nächste Probe. Zwischen 22:00 und 23:00 Uhr ist meistens Feierabend. Bei Vorstellungen sieht das Ganze etwas anders aus: “Spätestens eine halbe Stunde vor Beginn sind wir im Theater. Wir haben eine eigene Garderobe, ziehen unsere Kostüme an und gehen in die Maske. Um 19:00 oder 19:30 Uhr beginnt dann die Vorstellung”, beschreibt Bock. “Zuletzt habe ich bei Don Giovanni mitgespielt und hatte zunächst eine Stunde frei. Kurz vor der ersten Pause habe ich zwanzig Minuten Spielzeit und nach der Pause gibt es nochmal ein paar Szenen, in denen ich aktiv bin.”

Ein empfehlenswertes Ehrenamt?

“Ich würde die Arbeit am Theater definitiv weiterempfehlen, wenn man sich für Schauspiel interessiert. Es ist wichtig, Spaß daran zu haben, auf der Bühne aktiv zu sein.” Die Arbeitsatmosphäre sei sehr angenehm, hin und wieder aber auch stressig. Die Proben seien manchmal mit viel Wartezeit verbunden, die man aber gut zum Lernen nutzen könne. “Die Proben sind recht zeitintensiv. Für manche Stücke üben wir vier- bis fünfmal in der Woche.” Durch seinen festen Job kann Marcel Bock weniger proben als andere. “Aber die Mitarbeiter und die Organisation sind sehr flexibel”, wirft Bock ein. “Wir bekommen eine kleine Aufwandsentschädigung, etwa 9,20 Euro für drei Stunden.” Voraussetzungen, um als Statist aktiv zu sein, gibt es nicht. Aber vor manchen Stücken finden Castings statt, mittels derer die geeignete Statisten für bestimmte Rollen gefunden werden sollen. Als Interessierter kann man sich direkt an statisterie@theater-koblenz.de wenden. “Spaß, auf der Bühne zu sein und Spielfreude mitbringen. Das ist das Wichtigste”, erklärt Bock.

Sarah-Maria Scheid

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