Ehrenamt: Studis engagiert
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Grüne Werte in der Hochschulpolitik

Lukas Benner und Laura Jung studieren am Campus Landau und sind dort auch politisch aktiv: Sie gehören der Hochschulgruppe Campus Grün an. Foto: Lena Frohn

Lukas Benner und Laura Jung studieren am Campus Landau und sind dort auch politisch aktiv: Sie gehören der Hochschulgruppe Campus Grün an. Foto: Lena Frohn

Hochschulpolitik hat das Image, träge und zeitintensiv zu sein. Lukas Benner und Laura Jung engagieren sich aber gerne bei Campus Grün Landau. Die Hochschulgruppe sitzt dort seit 2018 im Studierendenparlament. Wir haben mit Laura und Lukas über ihr Engagement gesprochen.

Wie genau seid ihr mit der Partei “Bündnis 90/Die Grünen” verbunden?

Laura: Die aktuelle Gruppe so gut wie gar nicht. Einige der Gründer:innen von Campus Grün waren Parteimitglieder und es gibt heute auch noch Überschneidungen, wegen der gemeinsamen Werte, die wir vertreten. Aber als Hochschulgruppe sind wir parteiunabhängig und einige von uns assoziieren sich nicht mit der Partei, sondern nur mit den Werten, die sich hinter dem Wort “grün” verbergen.

Ehrenamt. Foto: Perry Grone/Unsplash In unserer Serie Ehrenamt: Studis engagiert zeigen Studierende, wie man zwischen Stundenplan und Initiative die Balance hält.

Was genau macht ihr im Studierendenparlament?

Laura: Wir sind als Hochschulgruppe und im Studierendenparlament aktiv. Genauer gesagt: In der Hochschulgruppe gibt es ein paar Leute, die auch im Studierendenparlament vertreten sind und dort politisch arbeiten. Dazu gehören wir beide.

Lukas: Genau. Da haben wir zum Beispiel die quotierte Redeliste eingeführt. Eine Zeit lang gab es ein sehr ausgeprägtes männliches Redeverhalten, sodass andere unter den Tisch geredet wurden. Seitdem es die Redeliste gibt, hat sich die Aufteilung deutlich verbessert. Außerdem haben wir mit den anderen Listen gemeinsam durchgesetzt, dass Auszahlungsanträge auf Nachhaltigkeit geprüft werden müssen.

Was heißt das genau?

Lukas: In der Ausschussarbeit kommt es zu sehr viel Verwaltung. Dazu gehören diese Auszahlungsanträge. Wenn eine Fachschaft oder andere Hochschulgruppe Geld für eine Veranstaltung beantragt, dann wird erst geprüft, ob die Mittel nachhaltig investiert werden. Damit soll verhindert werden, dass vermeidbare Wegwerfartikel auf der Veranstaltung verwendet werden.

Laura: Da muss ich aber dazu sagen, dass wir diese Angelegenheiten nie alleine durchsetzen. Die anderen hochschulpolitischen Gruppen, wie Club Marta*, sind auch an diesen Themen interessiert.

Anträge zu Anträgen … das klingt eher ermüdend.

Lukas: Ja, manchmal ist es schon anstrengend. Vorletztes Jahr haben wir die Geschäftsordnung und Satzung komplett neu geschrieben. Ich studiere Lehramt, deswegen war es für mich ungewohnt, mich mit so vielen Paragrafen auseinanderzusetzen. Aber wir stellen so viele coole Projekte auf die Beine, dass es sich lohnt. Dazu kommt der soziale Faktor. Dass wir dabei politisch auf einer Wellenlänge sind, macht es noch besser. Das gibt mir das Gefühl, dazu beizutragen, dass die Dinge besser werden.

Was bedeutet das für das Anwerben von neuen Mitgliedern?

Laura: Es ist aktuell schwer, neue Leute zu erreichen. Normalerweise können wir Stände am Campus machen, aber gerade sind wir durch die Pandemie auf E-Mails angewiesen. Wir sind beide durch Freund:innen in die Hochschulpolitik geraten und ich glaube, das gilt für die meisten. Aber durch das Studienangebot ergibt sich das fast von selbst. Die grünen Themen interessieren vor allem Studierende des Mensch-und-Umwelt-Studiengangs oder der Umweltwissenschaften.  Von denen haben wir in Landau eine Menge.

Gibt es dann nicht Überschneidungen mit der Umweltgruppe?

Laura: Thematisch auf jeden Fall, aber sonst nicht wirklich. Bei uns gibt es tatsächlich mehr Lehramtstudierende statt den “klassischen Ökos”. Dazu kommt, dass wir uns eher auf die Politik konzentrieren.

Wie sieht eure sonstige Arbeit außerhalb des Parlaments aus?

Lukas: Wir wirken auch in die Stadt hinein. Vor einiger Zeit sollte die Rate des Wohnungsbaus für soziale Mietwohnungen erhöht werden, das haben wir unterstützt. Dazu haben wir zu einem Vortrag an der Uni eingeladen, waren aber auch bei Stadtratssitzungen, um zu erklären, wie wichtig wir das Thema finden. Die Quote wurde dann tatsächlich leicht erhöht.

Laura: In der O-Woche führen wir Erstis durch Landau und zeigen Geschäfte, die in unseren Augen nachhaltig sind. Das ist dann eine Art Stadtführung.

Wie kommen eure Aktionen zu Stande?

Laura: Meistens hat irgendwer eine Idee oder kriegt etwas mit. Wenn genug Leute auch Lust darauf haben, wird das dann umgesetzt. Gerade ist durch die Pandemie leider nicht viel möglich, aber im Zweifel machen wir die Veranstaltungen eben digital. Demnächst ist ein digitaler veganer Kochabend geplant. Dort können sich Interessierte Inspiration für Rezepte holen.

Ist das nicht zu unpolitisch?

Lukas: Bei uns gibt es gar nicht so viele Veganer:innen, wie man zunächst denken könnte. Aber das bedeutet nicht, dass wir nicht trotzdem die Anregung geben möchten. Das eigene Leben ist auch politisch, deswegen finde ich die Verbindung des Individuellen mit dem großen Ganzen sehr sinnvoll.

Wie sieht euer sonstiges politisches Engagement aus?

Laura: Wir gehen als Privatpersonen immer wieder auf Demos von Fridays for Future und ähnliches. Aber ich glaube, niemand von uns ist dort auch in der Organisation aktiv.

Lukas: Wir sind bei Gegendemos zum Frauenbündnis Kandel mitgelaufen, einer in unseren Augen neurechte Organisation, die des Öfteren hier in Landau war.

Bald ist Bundestagswahl und die Grünen haben realistische Chancen zumindest mitzuregieren. Sprecht ihr in der Gruppe auch über diese bundespolitischen Fragen?

Lukas: Die Themen kommen automatisch auf. Mich stört zum Beispiel der aktuelle Populismus im Wahlkampf und wie wenig über tatsächlichen Klimaschutz gesprochen wird. Wir machen aber keine Wahlwerbung oder haben als Hochschulgruppe irgendeinen Wirkungsanspruch auf Bundespolitik.

Laura: Wir können mit unseren 18 Leuten schlecht die Welt retten. Den Anspruch haben wir auch gar nicht. Aber je mehr wir über diese Themen sprechen, desto eher wird sich etwas tun. Deswegen ist es uns allen wichtig, auch in unserem kleinen Kosmos etwas zu verändern.

Interview: Lena Frohn

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