Ehrenamt: Studis engagiert
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Gemeinsam gegen Bildungsungleichheit

Zerevan Bindal ist ehrenamtlicher „Lern-Buddy“: Für den Verein Studenten bilden Schüler gibt er einem Jugendlichen Nachhilfe in Mathematik. Foto: Elena Panzeter

Zerevan Bindal ist ehrenamtlicher „Lern-Buddy“: Für den Verein Studenten bilden Schüler gibt er einem Jugendlichen Nachhilfe in Mathematik. Foto: Elena Panzeter

Der Verein Studenten bilden Schüler hat es sich zum Ziel gesetzt, Schulkinder aus finanziell benachteiligten Elternhäusern zu unterstützen. Rund zwanzig Studierende aus Landau stellen über ihn Nachhilfe in verschiedenen Fächern zur Verfügung. Mit dem Nachhilfelehrer Zerevan Bindal und der Landauer Standortleitung Miriam Gessler haben wir über das Buddy-System, Anfangsschwierigkeiten und Zukunftswünsche gesprochen. 

Studenten bilden Schüler ist ein Verein, der sich an mehr als 54 Standorten in Deutschland für mehr Bildungsgerechtigkeit einsetzt. Ehrenamtlich arbeitende Studierende bieten kostenlose Nachhilfe für Schüler:innen an, die aufgrund ihrer sozialen Herkunft einen schlechteren Zugang zu Bildung haben. Inzwischen haben Jugendliche hierbei auch die Möglichkeit, ein Stipendium zu erhalten. Ihnen soll so eine finanzielle Absicherung bei der weiterführenden Ausbildung ermöglicht werden. In Landau hat der Verein im Dezember 2020 seine Arbeit aufgenommen, die sehr gut ankommt.

Miriam Gessler leitet den Verein Studenten bilden Schüler am Standort Landau. Foto: Privat

Miriam Gessler leitet den Verein Studenten bilden Schüler am Standort Landau. Foto: Privat

„Gerade durch die Corona-Pandemie ist der Bedarf an Nachhilfe noch höher als unter normalen Umständen“, erklärt die Psychologiestudentin Miriam Gessler, die den Vereinsstandort in Landau leitet und mitgegründet hat. Der Verein steht hier mit dem Jugendamt, der Caritas und verschiedenen Sozialarbeiter:innen in Kontakt, die junge Schüler:innen aus sozial schwachen Elternhäusern an die Nachhilfe vermitteln. Positive Resonanz erhält der Verein von mehreren Seiten: „Sowohl von den sozialen Einrichtungen als auch von den Familien und den Schüler:innen selbst bekommen wir immer wieder positives Feedback für unser Projekt. Das motiviert uns sehr“, berichtet Miriam zufrieden. 

Perfect Matches

Ehrenamt. Foto: Perry Grone/Unsplash In unserer Serie Ehrenamt: Studis engagiert zeigen Studierende, wie man zwischen Stundenplan und Initiative die Balance hält.

Zerevan Bindal ist Student der Psychologie am Campus Landau und einer der rund zwanzig Studierenden, die sich in der Stadt ehrenamtlich für die Studenten bilden Schüler e.V. engagieren. Mit dem ihm zugeteilten Schüler bildet er seit Februar 2021 eines von fünfzehn Nachhilfepaaren. Das Unterrichtsfach, um das es bei den beiden geht, ist momentan Mathematik. Auf den Verein ist Zerevan durch eine Rundmail der Universität aufmerksam geworden, durch die nach Verstärkung für das noch kleine Team gesucht wurde. Zerevan zögerte nicht lange und meldete sich online als Freiwilliger. Bereits seit der Schulzeit sammelt er Erfahrung in der Nachhilfe, davon könne er für sein Engagement in der Studenten bilden Schüler e.V. nur profitieren. „… oder eher mein Schüler“, korrigiert Zerevan. Nach der Angabe der gewünschten Schulart, Klassenstufe und der Fächer konnte es auch schon losgehen. Die „Perfect Matches“, wie Miriam sagt, werden von der Standortleitung gebildet und miteinander bekannt gemacht. 

Hürde Online-Unterricht

Zerevan nutzt für die Nachhilfe eigene Unterlagen aus seiner Schulzeit. „Zum Glück wurde ich noch nie etwas gefragt, auf das ich keine Antwort wusste“, lacht er. Gemeinsam gehen der Schüler und sein „Lern-Buddy“ Zerevan in den wöchentlichen Treffen durch, wo es in der Vergangenheit gehakt hat. Leider fand die Nachhilfe aufgrund der anhaltenden Einschränkungen bis jetzt größtenteils online statt. Zum Schüler habe er aber dennoch eine Bindung aufbauen können, versichert Zerevan. Trotzdem: Als Lehrer freue er sich zwar auf die virtuellen Sitzungen, sei aber froh, wenn persönliche Treffen wieder möglich seien. Denn der Online-Unterricht erschwert die Lernsituation. Viele Familien verfügen nicht über die nötigen technischen Mittel, um einen reibungslosen Unterrichtsablauf zu garantieren. „Vor allem mein Schüler ist ein Beispiel dafür, wie Online-Unterricht fehlschlagen kann“, erzählt Zerevan. Dessen Familie besitze nur einen Computer. So könne der Schüler bei den Online-Sitzungen oft schlecht folgen oder gar nicht teilnehmen. Zerevan ist sich sicher, dass die derzeitige Situation vielen jungen Menschen die Chance auf Bildung verbaut. Gerade unter den aktuellen Umständen ist das Projekt wichtiger denn je. Umso bewundernswerter findet Zerevan die Motivation seines Schülers: „Er ist dankbar für das Angebot, das merkt man!“

Mit Buddy lernt es sich besser

Nicht nur auf die fachliche Unterstützung, sondern auch auf die Motivation und den Spaß am Lernen kommt es an. Deshalb sei eine persönliche Beziehung zwischen Nachhilfekraft und Schüler:in so wichtig, erläutert Miriam Gessler. Dieser „Buddy-Charakter“ dürfe beim gemeinsamen Lernen keineswegs fehlen. Dadurch gelinge ein Nachhilfeverhältnis auf Augenhöhe. Die persönliche Beziehung zwischen Lehrer:in und Schüler:in entstehe meist von selbst, meint Zerevan. Da sich die Studierenden für mindestens ein Semester verpflichten und sich die Lernpaare wöchentlich treffen, habe man als Nachhilfepaar genug Zeit, sich kennenzulernen. „Wenn man gut miteinander auskommt, macht das Lernen Spaß – für beide Seiten“, befindet Zerevan. Obwohl er einen Großteil seiner Freizeit in die ehrenamtliche Nachhilfe investiert, hat er nicht das Gefühl, leer auszugehen: „Ich bekomme immer etwas zurück. Die Sicherheit, dass meine Arbeit wertgeschätzt wird, entlohnt mich.“

Für eine bessere Zukunft

Obwohl Miriam von Beginn an von der Idee hinter Studenten bilden Schüler überzeugt war, ist sie selbst von dessen Erfolg überrascht. Dabei gab es am Anfang Probleme zu überwinden. Die größten Startschwierigkeiten bereitete die Kontaktaufnahme mit den Schüler:innen. „Unter normalen Umständen hätten wir einfach Werbung in den Schulen gemacht, das war aber cononabedingt nicht möglich“, berichtet Miriam. Mittlerweile häuften sich die Anmeldungen trotzdem, sowohl von Studierenden als auch von Schüler:innen. Auf diesem Erfolg will man sich im Landauer Team aber nicht ausruhen: „An unserer Reichweite werden wir  kontinuierlich weiterarbeiten. Denn unser Ziel ist es, ein umfangreiches und stabiles Nachhilfenetzwerk in Landau aufzubauen“, so Miriam. „… für mehr Bildungsgerechtigkeit in einer hoffentlich besseren Zukunft.“ 

Interview: Elena Panzeter

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