Promovierende im Interview
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Gebäude als Patienten: Metaphern in der Wissenschaft

Wie kommt es, dass wir Metaphern gewöhnlich so schnell verstehen? Dieser Frage geht die Germanistin Dariia Orobchuk in ihrer Promotion nach. Foto: Nadja Riegger

Wie kommt es, dass wir Metaphern gewöhnlich so schnell verstehen? Dieser Frage geht die Germanistin Dariia Orobchuk in ihrer Promotion nach. Foto: Nadja Riegger

“Die Wunden der Tempel müssen geheilt werden.” Auch wenn Gebäude keine Wunden haben, ist die Bedeutung klar: Die Tempel sind beschädigt. Dariia Orobchuk interessiert sich für solche metaphorischen Beschreibungen. Für ihre Promotion in Germanistik mit dem Schwerpunkt Sprachwissenschaft am Campus Koblenz untersucht sie die Rolle von Metaphern in Wissenschaftsfilmen.

Bitte beschreiben Sie Ihre Forschung in wenigen Sätzen.

Der vorläufige Titel meiner Arbeitet lautet Metaphern in Wissenschaftsfilmen. Ich werde ihn noch durch einen Untertitel präzisieren. Inhaltlich befasse ich mich mit zwei Schwerpunkten. Zum einen geht es darum, wie Metaphern Wissen formen und an den Rezipienten vermitteln. Dafür beschreibe ich exemplarisch vier Filme. In einem Film geht es beispielsweise um Tempel, die restauriert werden. Dort heißt es, dass die Tempel Wunden haben, die geheilt werden müssen. Die Forscher sind in der Rolle der Ärzte. Diese Metapher wirkt sich auf das Verständnis der Inhalte aus. Außerdem untersuche ich, wie Metaphern in Multimodalität entstehen – also wenn verschiedene Modalitäten wie Sprache und bewegte Bilder zusammen eingesetzt werden. Visuelle und auditive Mittel wie Kameraführung und Musik stützen verbale Metaphern. Hier entfalten verschiedene filmische Techniken zusammen eine Wirkung.

Was ist ein Wissenschaftsfilm?

Das sind Filme, die ein konkretes Forschungsprojekt beschreiben und begleiten. Entweder nehmen Wissenschaftler sie selbst auf oder sie holen sich professionelle Hilfe dazu. Ich untersuche zum Beispiel Filme der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG). Diese fördert viele Forschungsprojekte, die verfilmt werden. Beim Wissenschaftsfilm gibt es einige Schnittstellen mit Dokumentationen. Allerdings werden letztere eher von Journalisten gemacht und haben einen anderen Fokus. In Wissenschaftsfilmen wird der wissenschaftliche Blick beibehalten.

Was fasziniert Sie an diesem Thema?

Das Thema ist noch sehr neu und ich kann viel dazu beitragen. Die Forschung in dem Bereich vermehrt sich, aber es gibt noch einiges zu entdecken. Das lässt mir einen großen Freiraum. Es bedeutet aber auch viel Eigenverantwortung bei der Orientierung, da es noch keine klare Linie gibt und wenig Forschungsbestand. So muss ich viel selbst ausarbeiten. Ich habe mich schon immer für Wissenschaft interessiert und diese Forschung gibt mit die Möglichkeit mich selbst zu reflektieren: Was ist überhaupt Wissen? Welche Macht hat Sprache in Verbindung mit visuellen Elementen? Es ist wie die Huhn-Ei-Frage: Bestimmt das Denken die Sprache oder die Sprache das Denken? Diese Frage lässt sich beantworten, wenn man die Entwicklung der filmischen Visualität analysiert. Der Wissenschaftsfilm bietet also die Möglichkeit, solchen Fragen auf den Grund zu gehen. In meinem Fall geht es um die Frage: Wie und warum verstehen wir diese Metaphern?

Wieso haben Sie sich für eine Promotion entschieden?

Aus mehreren Gründen. Ich analysiere und reflektiere gerne, auch über mein Leben und Umfeld. Ich mag es, Wissenschaft mit Dingen aus meinem Alltag zu verknüpfen. Außerdem wollte ich meinen eigenen Beitrag für die Wissenschaft leisten und etwas Großes machen. Das mag pathetisch klingen, aber so war es für mich. Nach meinem Master in der Ukraine habe ich vier Jahre an einer dortigen Universität in der Lehre gearbeitet. Ich mochte die Lehrtätigkeit, hatte aber wenige Möglichkeiten zu forschen. Die Wissenschaft hat mir gefehlt und meine Neugierde wurde nicht gestillt. Deshalb habe ich mich für die Promotion entschieden. Ich komme aus der Ukraine, aber da ich Germanistik studiert habe, hielt ich es für sinnvoll, in Deutschland zu promovieren.

Warum gerade in Koblenz?

Ich habe mich in erster Linie wegen meines Themas und meinem Betreuer für Koblenz entschieden. Ich hatte in der Ukraine Publikationen von Professor Dr. Wolf-Andreas Liebert, dem Dekan des Fachbereichs Philologie und Kulturwissenschaften, gelesen. Ich hatte den Wunsch, ihn als Betreuer zu haben und trat mit ihm in Kontakt. Ich habe ihm meine Ideen und mein Exposé geschickt und es hat geklappt. In Koblenz angekommen passte vieles für mich zusammen. Die Stadt ist perfekt fürs Studium. Durch kurze Distanzen und wenig Ablenkungen kann ich mich sehr gut auf die Arbeit an meiner Dissertation konzentrieren.

Wie wird Ihre Promotion finanziert?

Anfangs hatte ich ein Stipendium der Konrad-Adenauer-Stiftung. Die Voraussetzungen dafür sind gute Leistungen und soziales Engagement. Ich habe in der Ukraine viele Projekte mit Studierenden durchgeführt, wie Spendenaktionen oder deutschsprachige Stadtführungen.

Das Stipendium ist nach dreieinhalb Jahren abgelaufen. Danach erhielt ich für ein halbes Jahr das Stipendium für Nachwuchswissenschaftlerinnen vom Interdisziplinären Promotionszentrum (IPZ). Zuletzt habe ich ein Abschlussstipendium vom Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) bekommen. Zudem gebe ich mittlerweile deutsche Integrations- und Berufssprachkurse für Geflüchtete und Migranten.

Welche Aufgaben ergeben sich noch im Zuge Ihrer Promotion?

Ich habe fast alle Kapitel fertig und arbeite nun an der Schlussbetrachtung. Jetzt geht es um die Feinarbeiten. Ich muss noch einmal durchlesen, ob alles zusammenpasst und Zusammenfassungen zu den Kapiteln schreiben. Außerdem muss ich noch einige Textstellen überarbeiten, Korrekturen vornehmen und mich um die Formatierung kümmern.

Welche zusätzlichen wissenschaftlichen Aktivitäten planen oder machen Sie bereits neben der Promotion?

Ich habe an verschiedenen Konferenzen teilgenommen, vor allem zum Thema Metaphern. Dort konnte ich Feedback bekommen und ein Netzwerk aufbauen. Dadurch bin ich immer auf dem letzten Stand der Forschung. Dabei habe ich auch Leute getroffen, deren Bücher ich schon gelesen hatte. So was ist jedes Mal ein tolles Erlebnis. Hier vor Ort gibt es viele Vorträge vom Institut für Germanistik, bei denen bekannte Professoren ihre Themen vorstellen. Dadurch bekommt man spannende Einblicke in andere Bereiche. Auch seitens der Konrad-Adenauer-Stiftung gab es verschiedene Seminare zu aktuellen Themen in Deutschland wie Familienwerte oder Digitalisierung in der Lehre. Außerdem gab es die Option, Seminare selbst auf die Beine zu stellen. In diesem Zuge habe ich letztes Jahr zusammen mit anderen Stipendiaten ein Seminar in Armenien organisiert. Wenn man sonst isoliert im Büro sitzt, ist es schön, durch solche Veranstaltungen andere Promovierende in derselben Situation zu treffen und sich auszutauschen. Daraus können sich Kooperationen oder gemeinsame Projekte entwickeln.

Wie qualifizieren Sie sich weiter? Welche Angebote der Universität Koblenz-Landau nutzen Sie dazu?

Oft habe ich Veranstaltungen des IPZ besucht: Etwa zu wissenschaftlichen Methoden oder zu Soft Skills für ein sicheres Auftreten. Seit zwei Jahren bin ich selbst im Beirat des IPZ und habe Veranstaltungen zum Networking mitorganisiert. Gelegentlich habe ich auch Angebote vom International Office wahrgenommen.

Mein Doktorvater organisiert alle zwei Wochen ein Kolloquium. Dort kommen Masterstudierende und Doktoranden zusammen. Man tauscht sich über seine Themen aus und berichtet über Fortschritte und Pläne. Es gibt Diskussionsmöglichkeiten und man bekommt Feedback. Das hat mich wirklich weitergebracht, weil ich den Blick von außen bekommen konnte. Auch wenn man im selben Bereich promoviert, ist man oft nicht im Thema der anderen drin. Außerdem war es mir wichtig, eine Rückmeldung zu meiner Sprache zu bekommen. Da ich auf Deutsch als einer Fremdsprache schreibe, wollte ich wissen, ob ich mich verständlich ausdrücke. Mein Betreuer hat mir fachliches Feedback gegeben und mich immer in die richtige Richtung gelenkt.

Welche beruflichen Pläne haben Sie für die Zukunft?

Meine Pläne sind noch offen. Ich mag Wissenschaft und Unterrichten. Eine rein wissenschaftliche Stelle wäre mir zu trocken, aber eine Kombination wäre ideal. Der akademische Bereich würde mir gefallen, da ich gerne mit jungen Menschen zusammen arbeite. Sie sind innovativ und bringen frische Ideen ein. Dabei können sehr gute Ergebnisse in Seminaren entstehen. Auch Deutsch als Fremdsprache würde mich interessieren. Ich habe selbst noch meine Defizite, aber ich habe diesen Weg selbst mitgemacht. Deshalb glaube, dass ich andere dabei gut unterstützen könnte. Ich habe eine andere Perspektive darauf. Auch beim Erlernen einer Fremdsprache kann ein wissenschaftlicher Blick helfen.

Wie sieht ein normaler Arbeitstag aus?

Ich arbeite gerne morgens, weil ich um die Zeit produktiver bin. Diese Phase nutze ich fürs Schreiben. Nach der Mittagspause mache ich lieber Sachen, die kognitiv weniger anspruchsvoll sind wie E-Mails beantworten. Aktuell, in der Überarbeitungsphase, sitze ich viel am Computer.

Was sollten Studierende mitbringen, die an eine Promotion denken?

Ohne Selbstdisziplin geht gar nichts. Man braucht großes Interesse am eigenen Thema, sonst kann man nicht lange dran bleiben und die Motivation lässt nach. Dazu kommen selbstverständliche Voraussetzungen wie wissenschaftliches Denken und Schreibkompetenzen. Vor allem in den Geisteswissenschaften ist es wichtig, sich verständlich auszudrücken. Und man muss Initiative zeigen. Es wird niemand auf dich zukommen und dir sagen, was du machen sollst. Außerdem muss man offen sein für neue Perspektiven und Inspirationen. Mit diesen Eigenschaften kommt man gut voran.

Eine Promotion bedeutet einerseits die wissenschaftliche Entwicklung einer Person. Aber es ist auch die persönliche Entwicklung und die der eigenen Kompetenzen. Man lernt, mit vielen Sachen anders umzugehen und strukturiert zu arbeiten.

Nadja Riegger

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