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Für eine Zukunft, die lebenswert ist 

Mit Wissenschaft gegen den Klimawandel: Die Scientists for Future Landau klären über die Fakten auf. Foto: Scientists for Future

Mit Wissenschaft gegen den Klimawandel: Die Scientists for Future Landau klären über die Fakten auf. Foto: Scientists for Future

Die Scientists for Future (S4F) wollen gemeinsam mit der Fridays-for-Future-Bewegung für eine lebenswerte Zukunft kämpfen. Wir haben mit den drei Gründer:innen der Regionalgruppe in Landau gesprochen: Josephine Tröger, Doktorandin in der Arbeitsgruppe Umweltpsychologie, Saskia Scholten, Post-Doktorandin in der klinischen Psychologie, und Christophe Cauet, promovierter Physiker. 

Um den jungen Aktivisten von Fridays for Future Daten und Forschungsergebnisse zu bieten, wurden die Scientists for Future 2019 gegründet. Denn oft wurden die jungen Demonstrant:innen belächelt und nicht ernst genommen. Ihnen wurde vorgeworfen, nur an den Protesten teilzunehmen, um nicht in die Schule gehen zu müssen. Doch die Wissenschaftler:innen bei den S4F sehen das anders: Sie wollen junge Menschen unterstützen und zeigen, dass ihre Aktionen sinnvoll und notwendig seien, da es eine Klimakrise gebe und die Menschheit nun handeln müsse. 

“Ihr seid nicht alleine und ihr habt Recht”

Begonnen hat alles mit einer Unterschriftensammlung, bei der wissenschaftliche Fakten zum Klimawandel von über 26.800 Wissenschaftler:innen unterschrieben wurden. “Diese sollten den Aktivisten zeigen: Ihr seid nicht alleine und ihr habt Recht”, sagt Saskia Scholten. Sie beschreibt die Aktion als “ersten Anschub” für die Scientists. 

Die Mitglieder der S4F sind, wie der Name schon sagt, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die einen akademischen Forschungsabschluss haben. Ihre Aufgaben sind breit gefächert. Die Regionalgruppe Landau übt beispielsweise eine beratende Funktion in der Regionalpolitik, in Schulen und dem Stadtrat aus, versucht innerhalb der Uni nachhaltige Konzepte zu erarbeiten und forscht.

Konkrete Ziele und Anliegen benennen die Wissenschaftler:innen nicht. “Das Anliegen der S4F ist, die Debatte wissenschaftlich zu unterstützen und die Fakten dafür zu liefern”, sagt Josephine Tröger. 

“Der politische Wille fehlt”

Gibt es noch Hoffnung? Laut Tröger auf jeden Fall. Sie weist darauf hin: “Wir sind die Verursacher:innen und somit auch diejenigen, die den Klimawandel beeinflussen können.” Cauet bestätigt das: “Technisch gesehen sind alle Mittel gegeben, um den Klimawandel aufzuhalten und der Klimakrise entgegenzuwirken. Das Einzige, das fehlt, ist der politische Wille.” Die S4F machen deutlich, dass man an den Corona- Regelungen sehe, was politische Konsequenz und Durchsetzungsfähigkeit eigentlich bedeute. Solcher strenger Regelungen bedarf es laut den drei Scientists auch beim Thema Umwelt. Man müsse sich vor Augen führen, dass Deutschland den Vertrag mit Paris von 2015, bezüglich des 1,5-Grad-Ziels, nicht nur nicht einhalte, sondern breche. 

Auch über den CO₂-Preis, der in diesem Jahr eingeführt werden soll, sind sich die drei Gründer:innen einig: “Er ist viel zu niedrig.” Ihrer Meinung nach wäre es sinnvoller, wenn es statt des Kohleausstiegs bis 2038 einen höheren CO₂-Preis geben würde: “Das funktioniert in der Schweiz und in Schweden schließlich auch”, so Cauet. 

“Wir sind zur Unterstützung da”

Die S4F helfen den Fridays-for-Future-Aktivisten bei Demos, um genau diesen Anliegen Gehör zu verschaffen. “Wir sind zur Unterstützung da”, sagt Scholten. Zusätzlich versuchen sie, auch an der Uni nachhaltigere Konzepte durchzusetzen. Sie verzichten zum Beispiel auf Flugreisen zu Konferenzen nach Übersee. “Wie man momentan sieht, funktionieren diese ja auf einmal auch alle über Zoom oder Microsoft Teams und man muss nicht mehr extra hinfliegen”, so Scholten.

Die Gruppe will auch durchsetzen, dass bei Dienstreisen nicht nur die günstigste Methode finanziert wird, sondern die nachhaltigere, also mehr Zugfahrten als Flüge. Zusätzlich verbreiten sie Informationen über ihren Podcast, sowie Twitter-Kanal und halten Vorträge zur Aufklärung über den Klimawandel.

“Ernährung und Reisen, das sind die Big Points”

Doch was können Studierende oder die Uni tun, um den Klimawandel aufzuhalten? “Ernährung und reisen, das sind die Big Points auf der individuellen Ebene”, sagt Scholten. Mit den “Big Points” sind die Hauptverursacher der Klimakrise gemeint. Vor allem Flüge und der Konsum von Fleisch fielen ins Gewicht. Wenn darauf verzichtet oder der Konsum zumindest reduziert würde, könne man als Einzelner viel beitragen. Auch die Mensa könne ihren Beitrag leisten, indem sie nur noch vegetarische und vegane Gerichte anbietet. “Daneben gibt es die wichtigen strukturellen Änderungen, für die man sich auch stark machen kann, etwa in dem man einer Bewegung beitritt und sich so gemeinsam für Veränderungen auf politischer und gesellschaftlicher Ebene einsetzt”, rät Scholten. Für die Studierende wären das diStudents for Future, für die Eltern diParents for Future und für diWissenschaftler:innen eben diScientists for Future. 

“Das Wichtigste ist, dass wir die Situation nicht so hinnehmen, wie sie ist, sondern erkennen, dass wir das System verändern müssen”, betonen die drei Scientists. “Wir könnten natürlich nur noch im Unverpackt-Laden einkaufen gehen, aufs Auto und Reisen verzichten. Aber darauf ist unsere Infrastruktur nicht ausgelegt”, sagt Christophe Cauet. “Den großen Unterschied könne nur die Politik machen, und deshalb sei es wichtig, diese zum Handeln zu bewegen.”

“Eine Lobbygruppe für das wichtigste Thema, das es gibt”

Tröger, Scholten und Cauet haben unterschiedliche Gründe, aus denen sie Teil der S4F sind. In einem Punkt sind sie sich jedoch einig: Alle drei sind emotional mit den Themen Umwelt und Klimaschutz verbunden. Für Josephine Tröger sind die S4F “eine Lobbygruppe für das wichtigste Thema, das es gibt”. Saskia Scholten kann nicht verstehen, dass sich in Deutschland, wie sie sagt, die meisten bequem zurücklehnen, während andere Menschen bereits massiv unter dem Klimawandel leiden. “Wenn es so weitergeht, werden meine Kinder später nicht so leben können, wie ich es momentan tue”, betont sie. Und Cauet möchte sich nicht irgendwann den Vorwurf machen, nichts getan zu haben. “Ein gesellschaftlicher Wandel ist möglich, es bedarf nur noch mehr Menschen, die dies auch umsetzen”, sagt er, und seine beiden Mitstreiter:innen bestätigen das. “Es geht um das Jetzt, und es geht um uns. Wir dürfen nicht nur an die Zukunft denken, sondern müssen jetzt anfangen zu handeln, da die Erderwärmung immer weiter ansteigt und wir uns im Schnitt schon bei einem Grad befinden”, sagt Cauet. Gemeinsam möchten die Scientists die Gesellschaft über die Fakten aufklären und für eine klarere Kommunikation sorgen. 

Mehr Infos über die S4F gibt es auf der Website der Regionalgruppe sowie auf der Bundeswebsite der Scientists for Future. Im “Scientists for Future Podcast” bespricht die Gruppe ihre Werte und Anliegen.

 Sara Pipaud 

 

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