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Frühförderung: Praktikantin an einem Ort für besondere Kinder

Sarah Sauer hat ein Praktikum einer heilpädagogischen Kindertagesstätte absolviert. Die Arbeit stellte sie vor besondere Herausforderungen. Foto: Teresa Schardt.

Sarah Sauer hat ein Praktikum einer heilpädagogischen Kindertagesstätte absolviert. Die Arbeit stellte sie vor besondere Herausforderungen. Foto: Teresa Schardt.

Trisomie 21, Verhaltensauffälligkeiten oder Entwicklungsbeeinträchtigungen sind Hürden, die teilweise bereits im Kleinkindalter bewältigt werden müssen. Doch wer kümmert sich um die Kinder, wenn die Eltern einem Beruf nachgehen müssen? Sarah Sauer, Studentin der Pädagogik, berichtet von ihrem Praktikum in einer heilpädagogischen Kindertagesstätte in Koblenz.

Wie kamen Sie auf die Idee, Ihr Praktikum in einem heilpädagogischen Kindergarten zu absolvieren?

Ich war auf der Suche nach einer neuen Herausforderung. Schon zu Schulzeiten habe ich an einem Projekt mit Jugendlichen an einer Förderschule teilgenommen. Sehr schnell wurde mir bewusst, dass der Umgang mit beeinträchtigten Menschen eine schwierige, aber sehr interessante Aufgabe ist. Um herauszufinden, welche neuen Hürden die Arbeit mit behinderten Kindern mit sich bringt, entschied ich mich für ein Praktikum in einer heilpädagogischen Kindertagesstätte.

Was ist eine heilpädagogische Kindertagesstätte? Und was unterscheidet sie von einer normalen Kita?

Eine heilpädagogischer Einrichtung ist auf die Frühförderung behinderter oder von Behinderung bedrohter Kinder ausgerichtet. In meiner Einrichtung gab es beispielsweise geistig und seelisch behinderte Kinder und Kinder, die in ihrer Entwicklung stark beeinträchtigt sind. Sie müssen aufgrund ihres Verhaltens in kleinen Gruppen individuell gefördert werden. Eine heilpädagogische Kita versucht, die Kinder durch verschiedene psychologische, pädagogische oder soziale Therapiebereiche zu unterstützen. Dazu gehören unter anderem Logopädie, Ergotherapie oder Krankengymnastik. Noch ein Unterschied: Die Gruppen sind mit bis zu acht Kindern viel kleiner als in einer normalen Kita. Auch der Tagesablauf ist strukturierter. Die gezielteEntwicklungsförderung und soziale Integration steht im Vordergrund.

Was waren Ihre Aufgaben?

Ich habe hauswirtschaftliche Arbeiten erledigt, viel mit den Kindern gespielt und ihren Alltag begleitet. Auch an Teamsitzungen durfte ich teilnehmen. Dort wurden Tagesabläufe, Entwicklungsschritte der Kinder oder das jeweilige Gruppenverhalten thematisiert.

Wie sah Ihr Arbeitsalltag aus?

Mein Tag startete zwischen sieben und acht Uhr. Nachdem ich das Frühstück vorbereitet habe, bin ich mit meiner Kindergartengruppe in die Turnhalle gegangen. Anschließend wurde gemeinsam gefrühstückt, gemeinsam in den Waschraum gegangen und gemeinsam die Anwesenheit der Kinder überprüft. Das Erleben in der Gruppe stand hier besonders im Vordergrund. Für die Kinder ist es wichtig, dass sie einen geregelten Tagesablauf haben. Die restliche Zeit wurde dann, je nach Wochentag, individuell gestaltet.

Was war die größte Herausforderung in den acht Wochen?

Am schwierigsten war es, die einzelnen Kinder zu verstehen und ihre sehr individuellen Bedürfnisse kennenzulernen. Eines der Kinder konnte beispielsweise kaum sprechen. Wir brachten ihm also bei, ein Schild hoch zu halten, wenn er auf die Toilette musste. Dann wussten wir, warum er sich plötzlich aus der Gruppe entfernte. Auch auf alle acht Kinder gleichzeitig zu achten war nicht leicht, besonders wenn eines nicht hören wollte.

Können Sie sich vorstellen, nach dem Studium mit beeinträchtigten Kindern zu arbeiten?

Ja, das kann ich mir definitiv vorstellen. Die Arbeit ist so facettenreich und von Individualität geprägt. Dennoch möchte ich noch ein paar weitere Praktika in diesem Bereich machen.

Welche besonderen Erfahrungen haben Sie in der Zeit gemacht?

Ich habe gelernt, wie wichtig es ist, jedes Kind einzeln zu betrachten. Wenn man mit beeinträchtigten Kindern arbeitet, muss man das Kind, aber auch seine ganz eigenen Hürden, kennenlernen. Erst dann weiß man um die jeweiligen Stärken und Schwächen. Es ist wichtig, die besonderen Bedürfnisse zu erkennen und anschließend individuell zu fördern. Dafür ist ein ausgewogenes Verhältnis zwischen emotionaler Nähe und Distanz zu den Kindern essenziell. Sie sollten nicht darunter leiden, wenn ich sie wieder verlasse.

Was war das Schönste am Praktikum?

Es hat mir besonders viel bedeutet, die Fortschritte der Kinder zu beobachten. Es ist ein unglaublich schönes Gefühl, die Entwicklung eines Kindes positiv beeinflusst zu haben. Als Beispiel kann ich hier einen Jungen nennen, der nun gelernt hat, sich auch mit anderen Kindern zu beschäftigen und nicht mehr aus der Gruppe wegläuft. Ein anderer hat gelernt, nicht mehr wahllos umherzuirren. Er kann sich nun konzentriert mit einer Sache beschäftigen. Es sind alltägliche Dinge, die in dieser Kita zum Besonderen werden.

Hat das Praktikum geholfen, sich für einen Studienschwerpunkten zu entscheiden?

Die Bereiche Inklusion und Sozialpädagogik haben mich schon vorher am meisten interessiert. Das Praktikum bestätigte mich noch einmal in meiner Meinung. Ich schätze die Arbeit mit beeinträchtigten Menschen sehr und habe Spaß an der Herausforderung.

Würden Sie das Praktikum weiterempfehlen?

Ja, definitiv. Ich habe tiefe Einblicke in die Arbeit einer speziell ausgerichteten Einrichtung erhalten. Besonders im sozialen Sektor ist es manchmal schwer, noch während des Studiums direkt mit förderbedürftigen Menschen zusammenzuarbeiten.

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