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Fledermäuse als Spiegel der Natur

Für seine Bachelorarbeit in BioGeoWisenschaften hat Niklas Kukat untersucht, wie sich die Fledermauspopulation im Westerwald in den letzten Jahrzehnten entwickelt hat. Foto: Inga Hoffbauer

Für seine Bachelorarbeit in BioGeoWisenschaften hat Niklas Kukat untersucht, wie sich die Fledermauspopulation im Westerwald in den letzten Jahrzehnten entwickelt hat. Foto: Inga Hoffbauer

Flattert nachts ein Schatten vorbei, dann war es vielleicht eine Fledermaus. Doch wie ergeht es den pelzigen Flugtieren bei uns? Das kann man daran erkennen, wie viele es gibt. Für seine Bachelorarbeit hat BioGeoWissenschaftsstudent Niklas Kukat untersucht, wie es um die Populationen im Westerwald steht.

Um was geht es in Ihrer Bachelorarbeit?

Ich habe untersucht, wie sich der Bestand der Fledermäuse in deren Winterquartieren im Westerwald in den letzten 37 Jahren entwickelt hat: Ob die Anzahl gestiegen, gesunken oder stabil geblieben ist. Dafür habe ich viele Quartiere selbst besucht und Daten aus über 30 Jahren Sammlung untersucht. Dabei konnte ich zehn Fledermausarten und fast 70 verschieden Überwinterungsquartiere betrachten.

Von November bis März machen Fledermäuse Winterpause. Das Angebot an Insekten reicht in dieser Zeit nicht aus, um sie zu ernähren. Fotos: Privat

Von November bis März machen Fledermäuse Winterpause. Das Angebot an Insekten reicht in dieser Zeit nicht aus, um sie zu ernähren. Fotos: Privat

Wieso brauchen Fledermäuse ein Winterquartier?

Fledermäuse halten keinen richtigen Winterschlaf. Sie fallen in Torpor –  eine körperliche Starre, bei der ihr Stoffwechsel auf ein Minimum gesenkt wird, sodass sie einfacher ohne Nahrung auskommen können. Im Gegensatz zum klassischen Winterschlaf schlafen Fledermäuse jedoch nicht durch, sondern wachen periodisch auf. Das müssen sie, um  ihren Schlafplatz zu wechseln, weil es zu warm oder zu kalt wird oder wegen anderer Störfaktoren. Vereinzelte Arten wachen sogar auf, weil sie fressen müssen. Manchmal reicht es schon aus, wenn jemand in ihrer Nähe viel Lärm macht. Dann erwachen sie aus dem Torpor und ziehen Sie sich noch weiter in ihrem Winterquartier zurück oder wechseln das Quartier komplett.

Wie organisiert man die letzte Phase des Studiums? In unserer Serie berichten Studierende von ihren Abschlussarbeiten.

Was zeichnet ein gutes Quartier aus?

Zunächst muss man zwischen Sommer- und Winterquartieren unterscheiden. Im Sommer bevorzugen die Tiere Baumhöhlen, Lücken unter Dächern oder Ähnliches. Da sie diese regelmäßig zum Jagen verlassen, sind die normalen Temperaturschwankungen innerhalb eines Jahres weniger ein Problem. Fledermäuse wechseln ihre Sommerquartiere regelmäßig, daher der Ausdruck Wochenstuben. Weibchen benutzen Sommerquartiere als Wochenstuben, um ihre Jungen großziehen. Männchen verbringen den Sommer in anderen Quartieren.

Die Winterquartiere unterscheiden sich stark von den Sommerquartieren. Da Fledermäuse für den Torpor möglichst konstante Bedingungen benötigen, findet man sie vor allem in Höhlen oder Stollen, wie ich sie untersucht habe. Dort sind die klimatischen Bedingungen viel konstanter und meist ist es ruhiger. Außerdem herrscht dort eine hohe Luftfeuchtigkeit, was  im Winter ideal für Fledermäuse ist.

Den Winter verbringen Fledermausmännchen und -weibchen gemeinsam in Höhlen, Stollen oder an ähnlichen Orten mit kühlem, feuchten Klima. Durch körperliche Nähe können sie sich gegenseitig wärmen und so Energie sparen.

Den Winter verbringen Fledermausmännchen und -weibchen gemeinsam in Höhlen, Stollen oder an ähnlichen Orten mit kühlem, feuchten Klima. Durch körperliche Nähe können sie sich gegenseitig wärmen und so Energie sparen.

Warum werden Fledermausbestände ermittelt?

Fledermäuse sind eine Indikatorgruppe für eine sehr reichhaltige und gesunde Landschaft. Sie brauchen ganz viele unterschiedliche Habitate. Zum Beispiel eins zum Jagen und eins zum Schlafen. Dabei muss jedes Habitat verschiedene Anforderungen erfüllen. Und dann gibt es auch noch Unterschiede zwischen den Arten. Wasserfledermäuse zum Beispiel spezialisieren sich auf Wasserhabitate mit einem  Fluss oder einem See. Viele Fledermäuse bedeuten also auch eine hohe Vielfalt in der Natur, was gut ist. Unter geeigneten Bedingungen werden Fledermäuse über 20 Jahre alt, bringen aber pro Generation nur wenige Nachkommen zur Welt.

Wie kamen Sie auf dieses Thema?

Ich habe im Studium mein Praktikum beim NABU in der Regionalstelle Rhein-Westerwald in Holler gemacht. Dort habe ich viele spannende Einblicke in verschiedene Naturschutzprojekte bekommen und Fledermäuse haben mich am meisten begeistert. Ich war dabei, als die Wochenstuben beim Kloster Marienburg in Hachenburg gereinigt wurden. Da waren über 100 Tiere und die machen viel Dreck. Durch eine Reinigung bleiben die Quartiere länger nutzbar. Ich fand das alles aufregend und sehr interessant.  – Einige Tiere hingen sogar noch von der Decke. Im Herbst war ich dann bei einer Schwarmquartierkontrolle dabei. Da treffen sich viele Fledermäuse, um sich zu paaren. Das war wieder faszinierend und ich nahm mir vor: Zu Fledermäusen möchte ich später was in meiner Bachelorarbeit machen. Die Idee zur Untersuchung der Populationsentwicklung hatte ich bei einem Gespräch mit Marcel Weidenfeller von der NABU-Dienststelle. Er  hat mir erzählt, dass einige Helfer des NABU-Standorts Westerwald seit vielen Jahren Daten zur Population der Fledermäuse in einzelnen Winterquatieren sammeln, die dann aber einzeln ungenutzt herumliegen. Da kam mir die Idee für mein Thema. Ich wollte auch schon immer etwas Produktives für den Westerwald machen, da ich dort her komme.

Wie genau kamen Sie an die Daten?

Ich habe einfach gefragt, ob ich die Daten zur Analyse und Zusammenführung haben könne. An die Leute, die ich nicht kannte, trat Marcel Weidenfeller als Mittelsmann heran. Alle waren begeistert, weil das Material so endlich Verwendung fand. Ich durfte mit den Daten arbeiten und meine Analysen daraus ziehen. Das war für jeden ein Vorteil. Ich konnte meine Bachelorarbeit schreiben und alle konnten ihre gemeinsamen Daten zusammengefasst betrachten.

Zu welchen Ergebnissen sind Sie gekommen?

Ich habe zehn verschiedene Arten betrachtet. Dabei war die das Mauseohr am weitesten verbreitet. Bei den meisten Fledermausarten habe ich keine nennenswerten Populationsveränderung in den letzten Jahren festgestellt. Aber bei der Wasserfledermaus war ein rapider Abfall zu erkennen. Woran der Rückgang der Wasserfledermäuse liegt, ist ohne weitere Untersuchungen schwer zu sagen. Es gibt vielfältige Möglichkeiten. Abseits der Wasserfledermaus sind die Ergebnisse nicht schlecht, da sich die Anzahl nicht verringert hat. Aber ein Steigen wäre natürlich noch besser.

Fledermausquartiere sind meist schwer zugänglich. Auch sollten die Tiere nicht gestört werden. Wer sich für sie interessiert, nimmt am besten an einer geführten Fledermausexkursion teil.

Fledermausquartiere sind meist schwer zugänglich. Auch sollten die Tiere nicht gestört werden. Wer sich für sie interessiert, nimmt am besten an einer geführten Fledermausexkursion teil.

Nach welchen Kriterien haben Sie den Betreuer Ihrer Abschlussarbeit ausgesucht?

Ich habe überlegt, wer thematisch gut dazu passt. Als Professor für Zoologie war Dr. Thomas Wagner perfekt geeignet. Er war von der Idee auch direkt angetan und hat mir auch Manfred Braun als Zweitkorrektor empfohlen.

In der Bibliothek, im Café oder zu Hause – Wo schreiben Sie am liebsten?

Größtenteils daheim. In der Bibliothek kann ich mich weniger konzentrieren. Da lenke ich mich verrückterweise mehr ab als zu Hause, obwohl es bei vielen anders herum ist. In der Bibliothek triff man ja allerdings immer wieder Bekannte.

Wie organisieren Sie Ihren Arbeitsablauf? 

Zu der Zeit hatte ich keine Kurse an der Uni und konnte von morgens bis nachmittags an der Arbeit schreiben. Wichtig war mir aber auch, dass ich mir immer wieder freie Zeiten genommen habe: mal ein ganzes Wochenende oder auch mal einen kurzen Urlaub dazwischen, um etwas Distanz zur Arbeit zu entwickeln

Schreibblockaden, Krisen, Selbstzweifel – kennen Sie das?

Ja, das habe ich manchmal gehabt. Ich kam mit den Daten nicht direkt ganz zurecht, da für manche Jahre kaum Daten vorhanden waren. Auch das Statistikprogramm bereitete mir anfangs Probleme. Vereinzelt bin ich sogar nachts wach geworden und habe versucht weiter zu arbeiten, weil ich kurzzeitig dachte, dass ich sonst nie fertig würde. Aber ich glaube, ähnliche Gedanken und Schwierigkeiten hat jeder mal beim Schreiben einer solchen Arbeit.

Wie haben Sie sich dann doch motiviert, weiter zu arbeiten?

Ich habe mir eine eigene Frist gesetzt, um mit dem Master beginnen zu können. Zum Ende wurde es dann auch immer einfacher. Als die Vorarbeit, die Statistikerfassung, fertig war und ich  zum Diskussionsteil kam, war es auch viel leichter und spaßiger. Es wurde spannend und man konnte erste Ergebnisse erahnen. Da ging die Arbeit wieder fast wie von alleine.

Welche Tipps geben Sie Studierenden für ihre Abschlussarbeiten mit auf den Weg? 

Ich finde, man sollte sich selbst nicht zu viel Stress machen. Man muss strukturiert sein, aber nicht zu verbissen. Für die Themenwahl sollte man einen Interessenschwerpunkt haben. Aus dem Nicht heraus ist es recht schwierig eine Idee zu entwickeln. Ich hatte meinen Interessenschwerpuntk aus dem Praktikum und dann habe ich überlegt, was ich den dem Gebiet machen und wen ich fragen kann. Das genaue, finale Thema hat sich bei mir erst während der Arbeit herauskristallisiert.

Was haben Sie zum Ausgleich zur wissenschaftlichen Arbeit unternommen?

Dafür war ich viel draußen. Manchmal musste es auch mal für ein paar Tage sein. Wandern an der frischen Luft hilft mir immer, den Kopf komplett freizubekommen.

Sie studieren aktuell im Master weiter BioGeo-Wissenschaften. Beschäftigen Sie sich weiterhin mit Fledermäusen?

Neben meinem Studium arbeite ich auf Honorarbasis als Hilfskraft bei der Echolot Gbr. in einem Büro für Fledermauskunde. Hier werden ebenfalls Fledermausquartiere untersucht. Aber ich mache auch Echo-Detektierung. Dabei läuft man mit einem Gerät, das die Ultraschallstrahlen der Fledermäuse für Menschen hörbar macht, durch die Natur, und weiß damit auch, welche Fledermäuse um einen herumfliegen. Ich möchte mir aber auch noch andere Themen offenhalten, und mich noch nicht nur auf die eine Sache versteifen.

Inzwischen studiert Niklas Kukat im Master. Mit Fledermäusen hat er immer noch zu tun.

Inzwischen studiert Niklas Kukat im Master. Mit Fledermäusen hat er immer noch zu tun.

Wie geht es für Sie nach dem Masterabschluss weiter?

Ich würde gerne in einem Planungsbüro arbeiten und möglicherweise meine Forschungen fortsetzen. Diese Institutionen werden zum Beispiel vor dem Bau eines Windrades oder der Erschließung eines Neubaugebietes beauftragt zu schauen, ob durch die Bauten Tier- oder Pflanzenarten besonders gefährdet werden. Oder generell erst mal, welche Lebewesen es dort gibt. Erst durch ein entsprechendes Gutachten kann ein solcher Bau genehmigt werden.

Interview: Jan Luca Mies

 

 

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