Abschlussarbeiten
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Feminismus, Journalismus und Musik

Maria Preuss untersucht für ihre Masterarbeit, wie die Darstellung von Feministinnen auf unterschiedliche Personen wirkt. Foto: Lena Dillmann

Maria Preuss untersucht für ihre Masterarbeit, wie die Darstellung von Feministinnen auf unterschiedliche Personen wirkt. Foto: Lena Dillmann

Beim Schreiben von Abschlussarbeiten läuft nicht immer alles rund: Manchmal muss man sehr lange nach einem Betreuer oder dem passenden Thema suchen, manchmal fühlt man sich der Aufgabe nicht gewachsen. Aber das Ganze hat auch seine positiven Seiten, findet die Psychologiestudentin Maria Preuß. Mithilfe eines Online-Experiments untersucht sie für ihre Masterarbeit den Einfluss von Medienframes auf die Einstellung gegenüber Feminismus.

Um was geht es in Ihrer Masterarbeit?

Der Titel meiner Arbeit lautet Feministinnen wie du und ich – Die Wirkungen von Medienframes auf die Einstellung gegenüber Feminismus, abhängig vom Geschlechtsrollen-Selbstkonzept. Es geht also um die Einstellung gegenüber Feminismus. Die Idee ist, dass die persönliche Meinung von den Darstellungen in den Medien abhängt. Die bisherige Forschung zeigt, dass das Thema eher negativ dargestellt wird und Feministinnen häufig in anderen Rollen dargestellt werden als übrige Frauen. Ich möchte herausfinden, ob die Art der Darstellung von Feminismus auf Personen mit unterschiedlichen Voreinstellungen unterschiedlich wirkt.

Was sind Medienframes?

Die Serie

Alle Scheine sind gemacht und das Studium geht in die heiße Phase, die Abschlussarbeit steht vor der Tür. Doch wie organisiert man diese letzte Phase des Studiums? Wie findet man einen Betreuer und das richtige Thema? Und wie schafft man es, in dieser Zeit nicht durchzudrehen? Studierende berichten.

Alle Artikel aus dieser Serie

Das sind Bezugsrahmen in der Berichterstattung, also die Art und Weise, wie ein Thema in den Medien präsentiert wird. Beispielsweise gibt es verschiedene Nachrichten-Frames: Es gibt episodische und thematische. Bei den episodischen werden Einzelfälle dargestellt und konkrete Events. Bei den thematischen geht es um Hintergrundberichte und größere Zusammenhänge. Eine Studie, die sich mit Wortpaaren auseinandersetzt, hat herausgefunden, dass das Wort “Feministin” häufig im Zusammenhang mit politischen Themen genannt wird, das Wort “Frau” dagegen eher bei häuslichen Themen und Familie. In meiner Studie vergleiche ich zwei Frames: In einem Artikel wird die Feministin eher als typische Feministin mit eher männlichen Interessen dargestellt und in dem anderen eher als typisch weibliche Frau.

Wie ist Ihr methodisches Vorgehen?

Ich führe ein Online-Experiment durch. Es wird zwei Gruppen geben, die jeweils einen anderen Artikel vorgelegt bekommen. Beide Gruppen werden Porträts einer Feministin lesen, jeweils geschrieben in einem der beiden Frames. Im Artikel mit der Darstellung als feministisches Stereotyp wird sie vermutlich als eher durchsetzungsfähig dargestellt, vielleicht mit kurzen Haaren und Interesse an Politik und Technik. Im anderen Text wird voraussichtlich beschrieben, dass sie einen hübschen Rock trägt, Tiere mag und Kinder hat. Die genaueren Charakteristika der dargestellten Stereotype muss ich allerdings noch erarbeiten. Wenn die Teilnehmer dann den Text gelesen haben, wird die Einstellung gegenüber Feminismus differenziert nach drei Teilbereichen abgefragt. Erstens geht es um die Zustimmung zu den Zielen und Werten von Feminismus, zweitens um die Selbstidentifikation als Feministin und drittens um die Einstellung gegenüber dem Wort “Feminismus”.

Welche Ergebnisse erwarten Sie?

Ich vermute, dass es eher keinen direkten Effekt von der unabhängigen Variablen, also dem gelesenen Text, auf die abhängige Variable, die Einstellung der Person, gibt. Ich gehe eher von einem sogenannten Moderatoreffekt durch das Geschlechterrollen-Selbstkonzept aus. Das würde bedeuten, dass zum Beispiel Frauen, die sich selbst als typisch weiblich betrachten, eine Feministin, die ebenfalls als typisch weiblich dargestellt wird, positiver empfinden, als wenn die Feministin mit typisch männlichen Eigenschaften dargestellt wird. Andere Frauen, die sich selbst eher nicht als weibliche Stereotype sehen, sind vermutlich Feminismus gegenüber generell aufgeschlossener, unabhängig vom Medienframe. Aber es könnte sein, dass sie sich selbst schwächer als Feministinnen definieren, wenn sie den Text über eine Feministin mit dem typisch weiblichen Frame gelesen haben.

Wie sind Sie zu dem Thema gekommen?

Die Idee hatte ich schon im ersten Semester, als ich eine Studie über Medienframes gelesen habe. Dabei ging es aber um politische Einstellungen und darum, dass Frames – je nach Voreinstellungen – unterschiedlich wirken. Das fand ich sehr spannend. Daher habe ich später eine Hausarbeit zu einem ähnlichen Thema geschrieben, bereits bezogen auf Feminismus. Das Thema für meine Arbeit war also schnell klar und ich habe einen Betreuer gesucht. Dies wurde schwieriger als gedacht, da es an der Uni nicht viele Dozenten gibt, die sich mit Feminismus auseinandersetzen. Ich habe im Kolloquium bei Professor Michaela Maier erzählt, dass ich einen Betreuer suche, und sie hat mich vermittelt. Leider verließ meine Betreuerin nach kurzer Zeit die Uni. Sie leitete mich dann aber an Professor Stephan Winter weiter, der meine Arbeit jetzt begleitet.

Welche Tipps geben Sie anderen Studierenden, die auf der Suche nach einem Thema sind?

Im Moment würde ich sagen, dass das Wichtigste ist, etwas zu machen, worauf man wirklich Lust hat. Ein spannendes Thema zu haben, bei dem ich die Literatur geradezu verschlinge, weil es mich so sehr interessiert, ist mir viel lieber, als einfach ein Thema zu nehmen, das vorgegeben ist. Mit meiner Arbeit kann ich mich identifizieren und so erzähle ich auch gern darüber. Das war sogar in Bewerbungsgesprächen schon hilfreich. Es hat mir zwar am Anfang Probleme bereitet, da ich erst keinen Betreuer gefunden habe. Aber ich bin sehr froh darüber, jetzt etwas machen zu können, was mich zu 100 Prozent interessiert!

Wo und wie arbeiten Sie am liebsten?

Ich kann am besten in der Bibliothek arbeiten. Der soziale Druck hilft mir irgendwie. Mir ist das immer peinlich, wenn ich dort zu lange prokrastiniere. Außerdem ist es leise und kühl – gerade in den Sommermonaten sehr praktisch. Ich habe mir einen guten Zeitplan ausgedacht, an den ich mich leider nicht immer halte. Aber ich glaube, es ist ein tolles System: Ich nehme mir pro Tag eine bestimmte Zeitspanne vor, die ich an der Arbeit schreiben will – und das mache ich dann auch. Außerdem habe ich herausgefunden, dass es mir besonders hilft, bei der Literaturrecherche handschriftliche Notizen zu machen. Zum Thema Framing habe ich zum Beispiel vier bis fünf Quellen gelesen, die wichtigsten Inhalte handschriftlich zusammengefasst und dann für mein Exposé verwendet. Da steht dann nur das Wichtigste, meistens mit Seitenzahl. So ist es für mich am einfachsten, direkt die Quelle anzugeben.

Was machen Sie zum Ausgleich?

Wenn ich nicht gerade an der Masterarbeit arbeite, schreibe ich mit sehr viel Freude, Leidenschaft und Kompetenz an meinem Blog Die Tonleiterin über Frauen, die Musik machen. Zum Beispiel habe ich erst vor kurzem ein Interview mit zwei Frauen vereinbart, die ein Festival in Hamburg organisieren, bei dem nur Frauen auftreten. Ein anderer guter Ausgleich für mich ist, selbst Musik zu machen. Ich habe eine Gitarre, auf der spiele ich und singe Lieder darüber, dass ich gern wegziehen und in der Natur leben würde, aber Angst vor Käfern habe (lacht).

Schreibblockaden, Krisen, Selbstzweifel – was tun?

Schreibblockaden hatte ich bisher noch keine. Persönliche Zweifel beziehen sich momentan eher auf meine Jobsuche. Aber wenn ich mal eine Schreibblockade hätte, würde ich versuchen, eine Weile etwas anderes zu machen, vielleicht etwas anderes zu schreiben.

Zum Thema Jobsuche: Haben Sie Pläne für die Zeit nach dem Abschluss?

Langfristig bin ich auf der Suche nach einem Volontariat, da ich gerne als Journalistin arbeiten würde – am liebsten in Hamburg. Bisher arbeite ich bereits als freie Autorin. Je nach Auftragslage kann ich mir auch vorstellen, das eine Weile zu machen. Für die tolle Zeitschrift Emotion habe ich zum Beispiel schon Artikel geschrieben, für die ich ganz gut bezahlt wurde.

Gab es besonders schöne oder auch besonders schlimme Momente während der Arbeit?

Am schlimmsten war es für mich, als ich zum ersten Mal mein Thema im Kolloquium vorgestellt habe und dabei feststellen musste, dass ich mir viel zu wenig Gedanken gemacht habe. Da habe ich mich kurz sehr dumm gefühlt. Aber das wurde dann auch wieder ausgeglichen, da ich mir für mein neues Exposé wirklich viel Zeit genommen habe und das dann auch entsprechend gut wurde.

Das Interview führte Rebecca Singer

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