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Burgen und Brezeln: Ein Amerikaner in Landau

John Besley ist der erste Research Fellow des Forschungsschwerpunkts KoMePol. Insgesamt vier Wochen ist der Gastwissenschaftler am Campus Landau. Foto: Hiller John Besley ist der erste Research Fellow des Forschungsschwerpunkts KoMePol. Insgesamt vier Wochen ist der Gastwissenschaftler am Campus Landau. Foto: Hiller

Der Forschungsschwerpunkt KoMePol (Kommunikation, Medien, Politik) erhält Unterstützung aus Übersee: John Besley von der Michigan State University weilt insgesamt vier Wochen als Research Fellow am Campus Landau.

John Besley hat eine Vorliebe für Züge. Stuttgart, Heidelberg, den Trifels, alles haben er und seine Familie per Zug erkundet. Burgen und Brezeln, mit diesem Slogan hatte er seine Söhne (fünf und sieben) nach Deutschland gelockt, genauer nach Landau. Gerade beim Laugengebäck bekommt er glänzende Augen. „Sie glauben ja gar nicht, was sich in Amerika alles ,Pretzel‘ nennen darf“.

Die Tourismus-Aktivitäten der Familie Besley beschränken sich aber nur aufs Wochenende, unter der Woche ist Prof. John Besley vom College of Communication Arts and Sciences an der Michigan State University am Landauer Campus unterwegs, die Kinder im Kindergarten untergebracht. Denn John Besley ist der erste Research Fellow im Forschungsschwerpunkt für Kommunikation, Medien, Politik (KoMePol).

Sein Forschungsschwerpunkt: Kommunikatorforschung. Dabei geht es beispielsweise auch um Experten wie Wissenschaftler oder Politiker. „Viele Wissenschaftler leben zu sehr im Elfenbeinturm, beschäftigen sich zu wenig mit Kommunikation“. Dabei müssten auch und gerade wissenschaftliche Experten Vertrauen zu den Rezipienten, der Öffentlichkeit, Medien, aber auch Studierenden aufbauen. Vertrauen in der Kommunikation stehe auf zwei Säulen, so Besley, „Kompetenz und Wärme“. Und gerade die Wärme, die zielgerichtete Kommunikation, die auf die Bedürfnisse des Gegenübers eingeht, daran scheitere die Vertrauensbildung häufig, gerade bei Wissenschaftlern. „Stellen Sie sich vor, Sie sind bei einem Date, und Ihr Gegenüber versucht, Sie zu belehren, warum Sie ihn mögen sollen. Das funktioniert nicht“, so Besley. Hinzu komme, dass es zwei unterschiedliche Typen von Rezipienten gebe, erklärte KoMePol-Sprecherin Michaela Maier. Z.B. Diejenigen, die sich ihre eigenen Gedanken zu einem Sachverhalt machen und angefüttert werden wollen. Und Diejenigen, die simple Antworten erwarten. „Viele Wissenschaftler denken, man müsse die Dinge nach außen einfach aussehen lassen – aber es kommt sehr auf den Rezipienten an, ob der das dann vertrauenswürdig findet“, sagte Maier.

Forschungsstarkes Duo: Research Fellow John Besley und KoMePol-Sprecherin Michaela Maier. Foto: Hiller

Forschungsstarkes Duo: Research Fellow John Besley und KoMePol-Sprecherin Michaela Maier. Foto: Hiller

Insgesamt vier Wochen lang unterstützt Besley als Gastwissenschaftler die Uni nun unter anderem beim Erstellen einer Umfrage, wie er sie USA-weit bereits alle zwei Jahre durchführt. „John Besley hat für die USA viele Daten, die wir in Deutschland noch brauchen“, erklärt Maier. Ziel ist es, die wichtigen Faktoren für eine gelungene Kommunikation und Vertrauensbildung durch belastbare Studien zu identifizieren und die Ergebnisse den Experten an die Hand zu geben. Dafür kooperieren Besley und Michaela Maier mit weiteren Universitäten wie der TU München und den Universitäten Marburg und Münster. Auch internationale Kooperationspartner werden derzeit gesucht.

 

Der Forschungsschwerpunkt KoMePol wurde 2012 im Rahmen der Forschungsinitiative des Landes Rheinland-Pfalz eingerichtet. In der aktuell dritten Phase der Initiative werden neben KoMePol an der Universität Koblenz-Landau insbesondere die Schwerpunkte Geisteswissenschaft und Umweltwissenschaft gefördert. Die Initiative unterstützt die teilnehmenden Universitäten mit zusätzlichen Geldern für die Forschung, bis 2016 läuft die Förderung noch mindestens, ein Folgeantrag für KoMePol wird vorbereitet. Drei Millionen Euro erhält die Universität Koblenz-Landau allein für die dritte Projektphase 2014 bis 2016. Der inhaltliche Fokus von KoMePol liegt im Entstehen von Vertrauen in politische Akteure, Institutionen und Systeme sowie von Kommunikationskanälen und vereint die Disziplinen Informatik, Kommunikationswissenschaft, Politikwissenschaft und Psychologie.

Einen kleinen Teil trägt dazu auch John Besley bei, in Landau jedoch nur noch eine Woche. Während des WM-Finals sind Maier und Besley wieder im Zug, auf ihrer Reise zu den Kooperationsunis. „Vielleicht schaffen wir es aber noch zur zweiten Halbzeit“, so der US-Amerikaner, an dessen Universität etwa so viele Menschen studieren, wie Landau Einwohner hat. Was ihn aber nicht davon abhält, von der „great city of Landau“ zu sprechen. Die hat er beim Public Viewing kennenlernen dürfen. Denn sein Apartment ist nahe der Fußgängerzone.

Sebastian Kapp

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