Campusleben
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Ein Stück Gartenglück auf dem Campus

Vanessa Leininger hat den Campusgarten 2018 im Rahmen ihrer Bachelorarbeit ins Leben gerufen. Fotos: Thomas Marwitz

Vanessa Leininger hat den Campusgarten 2018 im Rahmen ihrer Bachelorarbeit ins Leben gerufen. Fotos: Thomas Marwitz

Gemüse ernten auf dem Campus? Der Campusgarten macht es möglich. Eine engagierte Hochschulgruppe betreut diese kleine Oase auf dem Gelände der Universität in Landau. Willkommen sind alle, die Freude am Gärtnern haben oder einen Rückzugsort suchen. Gründerin Vanessa Leininger hat uns das Projekt vorgestellt.

Der Campusgarten auf dem Campus der Universität in Landau ist ein Urban-Gardening-Projekt. Um seine Instandhaltung und Pflege kümmert sich eine Hochschulgruppe, die sich über neue Mitglieder freut. Wer Interesse hat, kann die Gruppe per Mail kontaktieren. Das Mitgärtnern ist aber auch so möglich.

Den Campusgarten findet man nahe der Künstlerwiese auf dem Campus Landau. Dort stehen, gut erkennbar, vier Hochbeete. Auf dem Plateau dahinter laden Palettenmöbel zum Hinsetzen und Entspannen ein. Eine Linde spendet im Sommer Schatten. Auch vor Regentropfen schützt das Blätterdach. Versteckt hinter dem Baum befinden sich nochmal zwei Hochbeete. Errichtet wurden sie von der Hochschulgruppe, die das Areal pflegt. Der Campusgarten ist für jeden zugänglich. Manchmal sitzen Dozierende dort und genießen die Natur. Aber auch Besucher, die keine Verbindung zur Uni haben sind willkommen – schließlich möchte die Hochschulgruppe mehr Bewusstsein für das Gärtnern schaffen.

Diese zwei Hochbeete wurden bei einem Arbeitseinsatz der Hochschulgruppe selbst aus Paletten zusammengebaut.

Diese zwei Hochbeete wurden bei einem Arbeitseinsatz der Hochschulgruppe selbst aus Paletten zusammengebaut.

Eine gemütliche Sitzecke lädt zu einer Ruhepause ein - ob Student, Dozent oder Passant, jeder ist willkommen.

Eine gemütliche Sitzecke lädt zu einer Ruhepause ein – ob Student, Dozent oder Passant, jeder ist willkommen.

Entstanden ist der Campusgarten im Sommer 2018 auf Initiative von Vanessa Leininger, die an der Universität in Landau Lehramt in Geographie und Kunst studiert. Für ihre Bachelorarbeit untersuchte sie die Resonanz auf ein Urban-Gardening-Projekt. Ihre Umfrage ergab, dass etwa 40 % der Befragten daran Interesse hätten. Bis die ersten vier Hochbeete standen, verging knapp ein dreiviertel Jahr. Um loslegen zu können, brauchte Leininger eine Genehmigung für die Nutzung des Geländes auf dem Campus. Wer genau diese erteilen konnte, war zunächst unklar, sodass Leininger verschiedene Ansprechpartner kontaktierte, bis sie schließlich an die Liegenschafts- und Baubetreuung (LBB) verwiesen wurde. Diese stellte einen geeigneten Ort für das Projekt zur Verfügung.  Die Raumplanung der Universität am Campus Landau erteilte im nächsten Schritt die Nutzungsvereinbarung für das Projekt. Der Aufwand sollte sich jedoch auszahlen: Der Campusgarten stieß auf Begeisterung und aus dem Bachelorprojekt entwickelt sich zu einer Hochschulgruppe mit 15 Mitgliedern. Die Kommunikation mit der LBB und der Raumplanung läuft inzwischen einwandfrei. “Es gab einfach Anfangsschwierigkeiten. Man musste sich erst mal kennenlernen,” sagt Leininger. Eine bürokratische Hürde muss aber immer wieder aufs Neue genommen werden: Jedes Jahr muss der Platz neu bei der Raumplanung beantragt werden. Den Termin dafür sollte man wirklich nicht vergessen, denn jedes Hochbeet wiegt knapp eine Tonne und kann nicht einfach mal eben weggeräumt werden. Neben einem grünen Daumen ist also auch formale Organisation gefragt.

Ein Ort für alle

Der Campusgarten ist mehr als ein Begrünungsprojekt. Aus dem Stellplatz für vier Hochbeete ist eine gemeinschaftlich gepflegtes Refugium geworden, das zum Verweilen einlädt. Die Hobbygärtner toben sich nicht nur an den Beeten aus, sie nutzen das Areal auch für Gespräche, Veranstaltungen oder zum Abschalten. “Der Campusgarten bieten einen Rückzugsort für jeden, der keinen eigenen Garten zu Hause hat und gerne gärtnern möchte. Es ist ein Ort für Wissensaustausch und Ruhe,” so Leininger. Für ihre Bachelorarbeit ist sie seinerzeit extra nach Berlin gefahren, um sich in der Mutterstadt des Urban Gardenings inspirieren zu lassen. Unter anderem lernte sie dort, dass es bei einem Gemeinschaftsprojekt sehr sinnvoll ist, Rahmenbedingungen festzulegen. Diese findet man inzwischen auf einem Schild neben den Hochbeeten. Es darf sich gerne an den essbaren Pflanzen bedient werden – für den Eigenbedarf, versteht sich, nicht in rauen Mengen. Auch Nichtmitglieder dürfen die Beete mitgestalten, sollten aber Bescheid geben. Und natürlich sollten alle Besucher den Garten respektvoll und pfleglich behandeln.

Die Rahmenbedingungen sind nicht nur auf der Website, sondern auch vor Ort verewigt.

Die Rahmenbedingungen sind nicht nur auf der Website, sondern auch vor Ort verewigt.

In den Hochbeeten grünt und sprießt es. Der Campusgarten lädt in die spannende Welt des Gärtnerns ein.

In den Hochbeeten grünt und sprießt es. Der Campusgarten lädt in die spannende Welt des Gärtnerns ein.

Gärtnern und lernen

Die Hochschulgruppe hat regelmäßige Arbeitseinsätze, bei denen zum Beispiel die Hochbeete wieder aufgefüllt werden, die Bepflanzung erneuert und modifiziert wird, neues Saatgut aus den alten Pflanzen gewonnen wird oder Insektenhotels gebaut werden. Diese gemeinsamen Aktivitäten verbinden nicht nur, sie generieren auch Wissen und vermehren es unter den Mitgliedern. Vieles sei Erfahrung – Know-How, das man sich im Laufe der Zeit aneigne, erzählt Leininger. Im ersten Jahr hatten die Beteiligten zum Beispiel keine Ahnung, wie man Pflanzen im Hochbeet am besten kombiniert. Also probierten sie einfach herum. So wurden eine Himbeere, eine Heidelbeere und eine Kiwi nebeneinander gepflanzt. Später stellte sich heraus: Kiwis gibt es in weiblicher und männlicher Form. Eine Kiwipflanze allein trägt somit keine Früchte. Außerdem war es der Heidelbeere im Sommer viel zu heiß – sie verbrannte förmlich in der Hitze. Die Himbeere hingegen gedieh nur allzu gut. Sie wucherte im ganzen Beet aus und erdrückte die anderen Pflanzen. Durch solche Erfahrungen sind die Campusgärtnerinnen und Campusgärtner mit den Eigenheiten von Pflanzen vertraut geworden. Dabei lernen sie auch, das Prinzip Ökosystem zu verstehen – auch über den Campusgarten hinaus. Wespen, erklärt Leininger, sind nicht einfach nur nerviges Ungeziefer, die uns unsere Süßspeisen streitig machen. Sie  sind wichtig für das Ökosystem Wald, wo sie  als eine Art Müllabfuhr Kadaver entsorgen und Forstschädlinge fressen.

In den Hochbeeten wachsen vor allem Nutzpflanzen. Wer mitgärtnert, wird später durch die Ernte belohnt.

In den Hochbeeten wachsen vor allem Nutzpflanzen. Wer mitgärtnert, wird später durch die Ernte belohnt.

Was hier alles wächst und gedeiht! Leininger zeigt uns einen jungen Blumenkohl.

Was hier alles wächst und gedeiht! Leininger zeigt uns einen jungen Blumenkohl.

Auch Nachhaltigkeit ist ein Thema, das die Hochschulgruppe bewegt – und sich auch beim Gärtnern berücksichtigen lässt. Leininger empfiehlt, beim Kauf von Blumenerde darauf zu achten, dass sie  ohne Torf und Guano auskommt. Torf ist umweltschädlich, weil er aus Mooren gewonnen wird, die dadurch zerstört werden. Moore binden weltweit doppelt so viel CO2 wie alle Wälder zusammengenommen. Deshalb sind intakte Moore für den Schutz des Klimas von zentraler Bedeutung. Bei Guano handelt es sich um Vogelkot. Das mag sich zunächst ganz ökologisch anhören, doch das Material dient Pinguinen als Baumaterial für ihre Nester –  wer Guano kauft, nimmt den Tieren Nistgelegenheiten.

Zuwachs ist gerne gesehen

Leininger liebäugelt mit einer Expansion. Sie würde gerne Lavendel in länglichen Blumenkästen anpflanzen. Die Blumenkästen würden – wie die zwei neueren Hochbeete – bei einem Arbeitseinsatz selbst gebaut werden. Da dies ein etwas aufwändigeres Projekt ist, bleibt es erst einmal als Idee stehen. Bis dahin geht die Gruppe ihren üblichen Aktivitäten nach: Gießen, neue Pflanzen einsetzen, den aktuellen Bestand pflegen, Samen aus alten Pflanzen zurückgewinnen und natürlich ernten – seien es Kräuter, Früchte oder Gemüse. Das Konzept Campusgarten kommt an und funktioniert gut. Zu gut – tatsächlich leidet die Hochschulgruppe unter dem Verlust von Mitgliedern, die gemerkt haben, wie viel Spaß das Gärtnern macht und sich nun auf den eigenen Garten oder Balkon konzentrieren. Gleichzeitig sind viele andere Studierende mit dem Campusgarten kaum vertraut und wissen nicht, was sich hinter den Hochbeeten und der Sitzecke alles verbirgt. Aus diesen Gründen freut sich dich Hochschulgruppe über neuen Zuwachs. Schließlich ist der Campusgarten ein Projekt, das zum Mitmachen einladen soll. Ob Studierende, Dozierende oder Passanten, ob jung oder alt – jeder ist gern gesehen und darf mitgärtnern.

Thomas Marwitz

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