So wohnt der Campus
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Die WG als Kunstwerk – 30 Jahre Gestaltung zeigt hier mehr als nur Kreativität

Generationen von Studierenden haben die WG in der Koblenzer Südstadt geprägt, in der es zwei Regeln gibt: Was einmal an den Wänden aufgehängt wurde, darf nicht mehr abgenommen werden. Und: Es muss Kuchen geben! Fotos: Teresa Schardt Generationen von Studierenden haben die WG in der Koblenzer Südstadt geprägt, in der es zwei Regeln gibt: Was einmal an den Wänden aufgehängt wurde, darf nicht mehr abgenommen werden. Und: Es muss Kuchen geben! Fotos: Teresa Schardt

Diese Wohnung in der Südstadt von Koblenz kann man als Kunstwerk bezeichnen: Schon beim ersten Schritt durch die Tür spürt man den ganz eigenen Charakter der WG, die seit drei Jahrzehnten besteht. Verblichene Poster, alte Zeitungsartikel und kreative Wandverzierungen geben erste Hinweise auf die spannende Vergangenheit dieser “Familie”, die für Uniblog ihre Türen öffnet, aber anonym bleiben möchte. 

In dieser WG gibt es kaum eine freie Stelle an den Wänden. Was für eine Geschichte steckt hinter dahinter?

Man munkelt, dass die WG seit 30 Jahren besteht. Hier findet ein ständiger Wechsel statt. Über die Jahrzehnte hindurch zogen die verschiedensten Charaktere ein. Daraus ergibt sich auch die kreative Gestaltung der Wohnung. Es kommt immer etwas Neues dazu, doch nie darf etwas Altes abgehangen werden. Das ist so eine Art unausgesprochene Regel.

Wer wohnt hier und wieviel Miete bezahlt ihr?

Unsere Wohngemeinschaft besteht aus zwei Frauen und drei Männern, darunter vier Studierende und eine Berufstätige. Wir sind zwischen Mitte und Ende Zwanzig. Innerhalb der letzten zwei Jahre sind wir hier nacheinander eingezogen und zu einer Familie geworden. Die gemeinsame Wohnfläche umfasst 138 Quadratmeter, hinzu kommen ein Speicher und ein kleiner Hof mit Garten. Wir zahlen abhängig von der Zimmergröße zwischen 200 bis 340 Euro Miete.

Was ist das Beste am WG-Leben?

Am schönsten sind die gemeinsamen Aktivitäten. Jeden Donnerstagmorgen wird zum Beispiel zusammen gefrühstückt. Jeder richtet dabei abwechselnd ein Gericht für die anderen aus. Die letzten drei Mal gab es Weißwurstfrühstück und ich freue mich schon auf den Pfannkuchen-Morgen. Eine weitere nette Tradition ist der Kuchentag. Einmal im Monat werden Freunde und die alten WG-Bewohner zum Beisammensein eingelade und bringt etwas Gebäck mit.  Auch ein gemeinsamer Urlaub ist in Planung, vielleicht in Spanien.

Die WG-Küche ist der Treffpunkt.

Die WG-Küche ist der Treffpunkt.

Auch ein Wohnzimmer hat die WG, Tapete Marke Eigendesign.

Auch ein Wohnzimmer hat die WG, Tapete Marke Eigendesign.

Wir alle genießen das ständige Miteinander und die Abwechslung durch die fünf Individuen, die hier leben. Egal ob Musikrichtung, die bunte Zimmergestaltung oder die Zubereitung des Abendbrotes, die Geschmäcker sind verschieden. Das Besondere ist aber, dass wir uns dennoch nie in die Quere kommen. Die Privatsphäre wird stets respektiert, auch wenn hier von Hip Hop über Death Metal und Punk alles gehört wird.

Hätte die Wohnung einen Charakter, wie würdet ihr ihn beschreiben?

In den letzten 30 Jahren haben hier sehr viele verschiedene junge Menschen gewohnt und der Wohnung eine Persönlichkeit gegeben. Die Tapeten sind bunt geschmückt und immer wieder entdecken wir etwas Neues an den Wänden. Alles ist sehr speziell, passt aber zusammen. Hätte die WG einen Charakter, könnte man ihn auf jeden Fall als “trashig” beschreiben. Die Wohnung ist absolut einmalig, so eine Vielfalt ist selten.

Der Flur der WG ist ein Sammelsurium von Erinnerungen.

Der Flur der WG ist ein Sammelsurium an Erinnerungen.

An welchem Ort spielt sich das meiste Leben ab?

Der lebendigste Ort ist die Küche. Er ist zwar mit Abstand der kleinste Raum und etwas eng für fünf Personen, dennoch werden die Abende meist hier verbracht. Wir haben schon oft versucht, die Gespräche in das Wohnzimmer zu verlagern. Die Küche ist und bleibt ein großer Anzugspunkt. Vielleicht liegt es an dem ständigen Kuchenangebot.

Gab es schon einmal Ärger mit den Nachbarn oder Schlimmeres?

Die anderen Hausbewohner beschweren sich nie. Selbst die junge Familie unter uns kommt gut mit unserer fünfköpfigen WG aus.

Wir haltet ihr die WG sauber?

Jeder achtet darauf, sein Geschirr einzuräumen oder den Müll runter zu bringen. Das Leben hier ist ein Geben und Nehmen, wir brauchen und wollen keine strengen Putzpläne oder eine Haushaltskasse. Hier soll Harmonie herrschen und jeder soll sich zu Hause fühlen.

Auch das Bad zieren typische WG-Poster und Ikonen der 60er und 70er Jahre.

Auch das Bad zieren typische WG-Poster und Ikonen der 60er und 70er Jahre.

Wie reagiert jemand, der die WG vorher nie gesehen hat?

Die Leute machen meist den Eindruck, in einem Museum zu sein. Was sie ja irgendwie auch sind: Die Wohnung zeigt Erinnerungen von Bewohnern. Da gibt es Einiges zu entdecken.

Wie wählt ihr neue Mitbewohner aus?

Das kommt ganz auf den Kuchenkonsum und die Trinkfestigkeit einer Person an. Spaß beiseite: Sobald ein Zimmer frei wird, veröffentlichen wir die Neuigkeit auf Facebook oder WG-Gesucht. Natürlich erfahren auch immer viele Leute über Mundpropaganda, dass jemand einziehen kann. In einem Vorstellungsgespräch mit allen WG-Mitgliedern wird geschaut, ob der Bewerber zu uns passt. Das neue Mitglied sollte möglichst unkompliziert sein und eine gewisse Reife haben. Auch achten wir auf eine ausgeglichene Verteilung zwischen Männern und Frauen.

Habt ihr Tipps und Tricks, wie das WG Leben gut funktioniert?

Viel Kuchen und dazu eine offene Kommunikation und gegenseitiger Respekt. Wenn sich alle an diese drei Regeln halten, werden garantiert selten Probleme entstehen. Wie die meisten WGs haben wir nur ein Badezimmer und nur einen kleinen Kühlschrank. Da wir ununterbrochen miteinander sprechen, macht das aber nichts. Die Mädels schminken sich in ihren Zimmern und blockieren das Bad nicht. Damit keine Lebensmittel verderben, kauft keiner auf Vorrat ein, zum nächsten Supermarkt ist es ja nicht weit. Generell kann ich den Tipp geben, immer die Augen offen zu halten. Wenn das Toilettenpapier zur Neige geht, kauft man neues und wenn die Kuchenkrümel auf dem Boden liegen, saugt man sie weg. Das Leben ist, wie gesagt, ein Geben und Nehmen.

Der urige Speicher ist das I-Tüpfelchen der Wohnung.

Der urige Speicher ist das I-Tüpfelchen der Wohnung.

Gibt es etwas, was in eurer WG noch fehlt oder was ihr euch wünscht?

Ein größerer Kühlschrank wäre toll, in das kleine Eisfach passt wirklich nur das Nötigste. Vielleicht auch neue Fenster, aber da kümmert sich der Vermieter drum, er ist immer sehr zuverlässig.

Wie geht es zukünftig weiter? Wie lange wollt ihr hier noch leben?

Wir verstehen uns sehr gut, keiner möchte in nächster Zeit ausziehen. Was die nächsten Jahre angeht, gibt es keine festen Pläne. Einige überlegen, andere Städte zu entdecken, doch sicher ist nur eins: Frühstück gibt es am Donnerstag um sieben Uhr.

Die Zimmer der Mitbewohner haben ihren eigenen Stil.

Die Zimmer der Mitbewohner haben ihren eigenen Stil.

Von großzügig-urban...

Von großzügig-urban…

...über den Mädchentraum...

…über den Mädchentraum…

bis Weltenbummler ist alles dabei.

bis Weltenbummler ist alles dabei.

 

1 Kommentare

  1. markus sagt

    Haha die mehr als die Hälfte an den Wänden gehen auf Nadine’s & mein Konto…once upon a time….
    hey und schöne Kinderzimmer..

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