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Die maximale Energie aus sich herausholen

Verena Becker ließ sich nach ihrem Studium in Indien zur Yogalehrerin ausbilden. Heute betreibt sie einen Blog und möchte eine eigene Praxis eröffnen. Foto: Verena Becker.

Verena Becker ließ sich nach ihrem Studium in Indien zur Yogalehrerin ausbilden. Heute betreibt sie einen Blog und möchte eine eigene Praxis eröffnen. Foto: Verena Becker.

Verena Becker hat ihre Leidenschaft für Ayurveda, ein uraltes, ganzheitliches Medizinsystem aus Indien, zum Beruf gemacht: Die 29-jährige Absolventin der Kulturwissenschaft arbeitet selbstständig in der Food- und Gesundheitsbranche: Sie bloggt, leitet Kochkurse und textet für eine Food-Agentur.

Was machen Sie genau?

Ich betreibe einen eigenen Blog, in dem ich über die Themen Ayurveda, Yoga und ganzheitliche Ernährung schreibe. Auf meiner Internetseite vermittle ich beispielsweise die Grundlagen über Ayurveda, veröffentliche Rezepte oder Wissenswertes über Kräuter. Darüber hinaus biete ich Beratungsgespräche und Coachings an. Daneben gebe ich Yogaunterricht, leite Kochkurse und gestalte Workshops. Neben meinem Blog arbeite ich für eine Food-Agentur und lasse mich derzeit zur Heilpraktikerin ausbilden.

Wie sieht ihr Arbeitsalltag aus?

Ich arbeite vor allem im Home Office. Ob für die Agentur, für meinen Blog oder meine Klienten – die Arbeitstage sind immer sehr vielseitig und spannend. Besonders Außentermine, wie beispielsweise Fotoshootings von einzelnen Lebensmitteln oder ganzen Gerichten, machen mir viel Spaß. Am Ende geht es mir darum, andere Menschen zu einem nachhaltig gesunden Leben zu inspirieren.

Was ist Ayurveda?

Ayurveda ist ein ganzheitliches Medizinsystem, das sich um die Einheit von Körper, Geist und Seele bemüht. Die Praxis stammt aus Indien und ist die älteste überlieferte Form der Naturheilkunde. In der ayurvedischen Medizin wird davon ausgegangen, dass jeder Mensch aus drei funktionalen Prinzipen zusammengesetzt ist. Diese nennen sich Doshas und bilden die genetische Grundlage. Mittels einer Anamnese, zum Beispiel durch eine ayurvedische Beratung, kann der Anteil der einzelnen Doshas einer Person ermittelt und ein individueller Ernährungsplan erstellt werden. Krankheiten oder Leiden sind häufig die Resultate einer falschen Ernährung. Nicht für jeden ist eine vegane, kohlenhydratarme oder rohkostlastige Ernährungsform ideal. Es entstehen Disbalancen. Um sich möglichst optimal zu ernähren, ist ein ayurvedischer Ernährungsplan auf die jeweilige Person abgestimmt. Ayurveda gibt nicht an, ob ein Nahrungsmittel gut ist oder schlecht. Es kommt auf den Menschen an und wie er die maximale Energie aus sich herauszuholen kann.

Wie kamen Sie zu dieser Tätigkeit?

Schon als Kind wurden mir die Werte einer ausgewogenen Ernährung und der Naturheilkunde aufgezeigt. Geprägt durch meine Familie, experimentierte ich viel herum: Ich kochte in Sterneküchen, entwickelte Rezepte, sammelte Wissen über Naturheilkunde, Yoga, Gesundheit und Ernährung und arbeitete in verschiedenen Bereichen der Food-Branche. Mit der Zeit störte ich mich jedoch zunehmend an dem rücksichtslosen Lebensmittelumgang. Auch die vielen ungesunden Gerichte waren mir ein Dorn im Auge. Ich schaute mich weiter um und stieß über das Yoga auf Ayurveda. Die Praxis überzeugte mich. Der enge Zusammenhang zwischen Gesundheit und Ernährung wurde endlich greifbar. Auch neue berufliche Wege taten sich auf. Nach meinem Masterabschluss in Kulturwissenschaften ließ ich mich zur Yogalehrerein in Indien ausbilden. Anschließend qualifizierte ich mich zur Ayurveda-Gesundheitsberaterin und aktuell befinde ich mich in der Ausbildung zur Heilpraktikerin. Ich denke, meinen Weg gefunden zu haben, und bin gespannt, wo er noch hinführen wird.

Wie sehen ihre beruflichen Ziele aus?

Mein Traum ist eine eigene Praxis. Es soll eine kleine Oase werden, in der ich Yogaunterricht gebe, als Heilpraktikerin tätig bin, massiere und Ayurveda als ganzheitliches Medizinsystem und Ernährungsform praktizieren kann. Wichtig ist mir, auch weiterhin unabhängig zu sein und meinen Freiraum genießen zu können.

Welche Rolle spielt ihr Studium in ihrem Beruf?

Zum einen lernte ich durch das Studium, konzeptionell zu arbeiten. Prägend für meinen weiteren beruflichen Werdegang war jedoch meine Masterarbeit. Sie handelte von der Phänomenologie des Geschmacks. Es ging also um die Frage: Wie schmecken wir qualitativ?. Noch heute profitiere ich von dem damals angeeigneten Wissen.

Was ist die größte Herausforderung an der Arbeit als Selbstständige und welche Tipps können sie geben?

Manchmal ist es keine so leichte Aufgabe, den Tag mit Ruhe anzugehen. Gerade wenn der Terminkalender voll ist, fällt es mir schwer zu akzeptieren, dass manche Dinge viel Zeit brauchen. Auch eine Struktur beizubehalten ist nicht immer ein Kinderspiel. Meine Arbeit ist extrem vielseitig und abwechslungsreich, das hat viele Vorteile, verlangt jedoch auch Organisationstalent. Ich kann nur raten, viel auszuprobieren und zu reflektieren. Stellen Sie sich Fragen wie: Ergibt das, was ich gerade mache, einen Sinn? Bereitet  Handeln mir Freude?Darüber hinaus sollte man nie langfristig etwas nur des Geldes wegen tun. Den besten Tipp habe ich jedoch von meiner Yogalehrerin bekommen. Sie sagte mir, ich solle immer der Freude folgen, das sei der beste innere Wegweiser.

Sie verfügen über ein großes Wissen in den Bereichen Gesundheit und Ernährung. Was raten sie beim Einkauf?

Kaufen Sie regionale und saisonale Produkte. Das ist nachhaltiger für die Umwelt und meist gesünder für den Körper. Beim Einkauf solltet man also lokale Gemüse- und Obstsorten kaufen. Tropische Früchte wie beispielsweise Mangos kommen aus heißen Ländern und haben häufig den Effekt, den Körper zu kühlen. Es ist deshalb nicht ratsam, sie während des deutschen Winters zu essen.

Was ist aus ayurvedischer Sicht in der kalten Jahreszeit noch wichtig?

Der Winter ist von grauen, windigen, kalten und trockenen Elementen geprägt. Die Natur zieht sich zur Winterruhe zurück und das spiegelt sich auch in uns wieder. Die Haut ist trocken, wir frieren und die Stürme vor unserem Haus toben häufig auch in unserem Inneren. Zu dieser Jahreszeit benötigen wir viel Wärme und Feuchtigkeit. Als Ayurveda-Beraterin empfehle ich dreimal täglich eine leicht verdauliche und warme Nahrung. Kaltes und Schwerverdauliches sollte gemieden werden. Besonders passend sind jetzt die Geschmacksrichtungen süß, sauer und salzig. Konkret rate ich zu Gemüse wie Süßkartoffeln, Kartoffeln, Zwiebeln, Lauch, Kürbissen, Rote Beete oder Pastinaken. Auch Getreide und eine gewisse Menge an Fetten, beispielsweise gewonnen aus Avocados, Nüssen oder Samen. Ein letzter Tipp sind erhitzende Gewürze: Zimt, Ajwain, Hing, Schwarzkümmel, Knoblauch oder Kreuzkümmel haben eine wunderbar erwärmende Wirkung und regen unser Verdauungsfeuer an.

Auch interessant: 2014 haben wir bereits über die damalige Studentin Verena Becker, damals Food-Bloggerin, berichtet. Hier gehts zum Artikel “Food-Bloggerin bringt Geschmacksnerven zum Tanzen”

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