Ehrenamt: Studis engagiert
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Die Liebe zu Hunden ist ihr Hobby

Hannah Arato studiert nicht nur Kunst und Biologie auf Lehramt, sondern betreut auch ehrenamtlich Hunde in einem Landauer Tierheim. Fotos: Philipp Sittinger

Hannah Arato studiert nicht nur Kunst und Biologie auf Lehramt, sondern betreut auch ehrenamtlich Hunde in einem Landauer Tierheim. Fotos: Philipp Sittinger

Hannah Arato liebt Hunde über alles. Am Campus Landau studiert sie Kunst und Biologie auf Lehramt im sechsten Semester. Wegen ihres Studiums hat sie im Moment keinen eigenen Hund, also arbeitet sie ehrenamtlich im Tierheim Maria Höffner in Landau.

Ben ist traumatisiert. Als Welpe wohnte der Schäferhundmischling auf einem Hof und wurde viel alleine gelassen. Vor lauter Langeweile hat er sich angewöhnt, alles Mögliche zu jagen: Autos, Fahrräder oder auch Kinder, die am Zaun vorbeilaufen. Nach einem Unfall kam er dann in das Landauer Tierheim Maria Höffner. Zu Bens Glück gibt es Menschen wie Hannah Arato. Sie ist ehrenamtliche Gassigeherin und liebt Hunde von ganzem Herzen. Ben wird im Tierheim als Problemhund eingestuft. Da Arato schon seit zweieinhalb Jahren sehr regelmäßig in das Tierheim kommt, werden ihr auch solche Hunde anvertraut. Sie ist momentan die einzige Gassigeherin, die mit Ben spazieren geht. „Dadurch ist es viel einfacher eine starke Bindung mit ihm aufzubauen“, erklärt sie. Jeden Tag geht sie mindestens eine Stunde mit Ben spazieren. „Wenn ich danach noch Zeit habe, laufe ich auch mit anderen Hunden. Aber ich konzentriere mich vor allem auf Ben.“

Bananen für die Hunde

Die Serie

Ehrenamt. Foto: Perry Grone/UnsplashSich für andere einsetzen und selbst dazulernen – ein Ehrenamt kann das Studium inhaltlich bereichern und den Horizont erweitern. In unserer Rubrik “Ehrenamt: Studis engagiert” zeigen Studierende, welche ehrenamtlichen Beschäftigungen sich anbieten und wie man die Balance hält zwischen Stundenplan und Initiative.

Hannah Arato geht nicht nur mit den Hunden spazieren, sie trainiert sie auch. „Ben muss alles mühsam neu lernen. Einfache Befehle, wie Sitz oder Platz kannte er nicht. Ich habe fünf Monate gebraucht, um ihm Pfötchen geben beizubringen“, erzählt sie. Dazu arbeitet die Lehramtsstudentin mit einem sogenannten Klicker. Immer, wenn Ben etwas richtig macht, gibt das Gerät ein Klick-Geräusch von sich und er bekommt ein Leckerli. An Tagen mit intensivem Training bekommt er sein gesamtes Futter darüber. Die Motivation für die mühsame Arbeit erhält Arato durch ihre Liebe zu den Tieren: „Am meisten freue ich mich, wenn ich merke, dass die Hunde Fortschritte machen. Ben ist in den neun Monaten, die ich ihn jetzt kenne, viel ruhiger geworden.“ Außerdem gebe es auch viele schöne Momente im Tierheim, wenn die Tiere beispielsweise vermittelt werden. Die Geschichten dahinter seien häufig sehr berührend. Und sie erlebe natürlich viele schöne Momente beim Gassi gehen mit den Hunden: „Neulich habe ich herausgefunden, dass Hunde Bananen lieben. Ben würde alles für Bananen tun. Das ist wirklich total süß“, erinnert sie sich.

Arato hatte als Kind selbst einen Hund und freut sich schon auf ihren nächsten eigenen Vierbeiner. Während des Studiums sei das allerdings schwierig, daher arbeitet sie zunächst lieber mit den Tieren im Tierheim. „Als ich mit meinem Studium angefangen habe, erkundigte ich mich sofort, wo man mit Hunden spazieren gehen kann“, erzählt sie. Sie sei über die Tierheim-Webseite auf die Möglichkeit aufmerksam geworden. Die Arbeit mit den Hunden sieht sie als guten Ausgleich zum Lehramtsstudium. Hunde sind ihr Hobby: „Oft gehe ich morgens um acht oder neun schon los. Das motiviert mich, früh aufzustehen.“

Nach einem langen Spaziergang gibt es für Ben auch eine Belohnung. Foto: Philipp Sittinger

Nach einem langen Spaziergang gibt es für Ben auch eine Belohnung.

Dabei stehen auch Bananen auf dem Speiseplan. Foto: Philipp Sittinger

Dabei stehen auch Bananen auf dem Speiseplan.

Chance auf eine schöne Zukunft

Mit Ben läuft sie immer dieselbe Strecke durch die Weinberge in der Nähe des Tierheims. Gewohnheiten und Routinen seien für Bens Erziehung sehr wichtig. Daher läuft jeder Spaziergang so ähnlich wie möglich ab. Arato startet die Touren immer mit einer Trainingseinheit mit dem Klicker und Ben lernt, verschiedenen Befehlen zu gehorchen. Den zweiten Teil des Spaziergangs nennt sie freies Laufen. Ben darf dann zwar trotzdem nicht ohne Leine laufen, aber er darf spazieren, wie er will. „Dann lasse ich mich auch mal in der Gegend herumziehen, das ist mir in dem Moment egal,“ sagt Arato. In dieser Zeit kuscheln die beiden miteinander und lassen es sich gut gehen: „Mich macht es einfach glücklich, wenn er sich freut, dass ich da bin. Ich merke dann, dass er mich mag und ihm die Nähe guttut.“

Ehrenamtlich mit Hunden Gassi gehen kann grundsätzlich jeder, es gibt keine Voraussetzungen. Interessenten müssen allerdings zunächst in einem sogenannten Gassigeh-Seminar die wichtigsten Grundregeln lernen. Man lernt beispielsweise, dass die Hunde immer an der Leine laufen müssen oder dass man den Maulkorb eines Hundes nicht einfach abnehmen darf. Dann geht man gemeinsam mit einem Mitarbeiter des Tierheims mit einem Hund Gassi, um zu sehen, wie gut man mit den Hunden umgehen kann. Und wer so regelmäßig und gerne da ist wie Hannah Arato, darf irgendwann auch mit Problemhunden arbeiten und ihnen helfen, eine liebe Familie zu finden. „Natürlich würde ich Ben vermissen, wenn er vermittelt werden würde,“ verrät Arato, „aber es würde mich noch viel mehr freuen, zu wissen, dass er von lieben Menschen adoptiert wurde.“

Rebecca Singer

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