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Die große Welt der Mikroorganismen

Leidenschaft Labor: Hier untersucht Dr. Jutta Maier die Welt der Mikrobiologie. Nur ein Bruchteil aller Mikrorganismen ist bisher erforscht. Foto: privat

Leidenschaft Labor: Hier untersucht Dr. Jutta Maier die Welt der Mikrobiologie. Nur ein Bruchteil aller Mikrorganismen ist bisher erforscht. Foto: privat

Dr. Jutta Meier ist wissenschaftliche Mitarbeiterin in der AG Mikrobiologie. Ihr Mann ist ebenfalls promovierter Diplom-Biologe. Gemeinsam kamen sie nach vielen Stationen im In- und Ausland vor zehn Jahren nach Koblenz. Im Interview erzählt Meier von ihrem spannenden Lebens- und Karriereweg und erklärt, was ihr Forschungsthema, Sulfat reduzierende Bakterien, mit Umweltschutz zu tun hat.

Sie stammen aus Belgien, haben in Bonn studiert, in Groningen Ihre Diplomarbeit und am Stechlinsee Ihre Doktorarbeit geschrieben. Wie kamen Sie an die Universität Koblenz-Landau?

Über eine Stellenausschreibung in der Mikrobiologie. Ich war vorher eher in der Forschung tätig und hatte wenig Erfahrung in der Lehre. Allerdings  hatte ich vorher bei meinem Postdoc an der Universität Ottawa eine Vorlesung halten können. Das war sehr aufwendig, aber es hat mir sehr viel Spaß gemacht. Dass ich hier lehren kann, war der Hauptgrund, nach Koblenz zu kommen. Es war eine schöne Herausforderung.

Wollten Sie schon immer in der Forschung arbeiten?

Das stand nicht im Vordergrund. Mein Fokus war das Inhaltliche, die Biologie. Schnell war klar, dass ich mich für die Mikrobiologie interessiere. An der Universität Bonn gibt es ein großes Institut für Mikrobiologie und Biotechnologie – jedoch ohne Schwerpunkt in der Ökologie. Daher habe ich mich für meine Diplomarbeit anderswo umgeschaut und bin an die Universität Groningen gegangen. Dort gab es eine Arbeitsgruppe, die sich mit mikrobieller Ökologie beschäftigt hat. Schon da habe ich mich mit Sulfat reduzierenden Bakterien befasst. Es ging konkret darum, wie diese anaeroben Bakterien mit Sauerstoff umgehen.

In Groningen habe ich keine Kurse mehr belegt, sondern war nur in der Arbeitsgruppe, um meine Diplomarbeit zu schreiben. So habe ich zum ersten Mal richtige Forschungsarbeit kennengelernt. Ich habe unter Anderem Sedimente im Gezeitenbereich von Schiemonnikoog untersucht und durfte mit auf Probenahme im Bassin d’Arcachon im Rahmen eines EU-Projektes. Der Forschungsbereich und die Laborarbeit haben mir so gut gefallen, dass ich eine Doktorarbeit schreiben wollte und so bin ich in der Forschung geblieben.

Wie ging es dann weiter?

Während meiner Doktorarbeit habe ich Mikroorganismen des Schwefelkreislaufs in Zusammenhang mit Tagebaurestseen untersucht. Diese Seen waren damals noch weitestgehend unbekannt. Damit hat es mich 1995 in die neuen Bundesländer verschlagen, nach Brandenburg. Wir haben in einem kleinen Ort am Stechlinsee geforscht. Das Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei mit Hauptsitz in Berlin hatte dort eine Abteilung. Wir haben dieses Institut mal im Urlaub beim Spazierengehen entdeckt. Mein Mann konnte sich damals auch schon für die Limnologie begeistern – das bedeutet für die Wissenschaft der Binnengewässer-,  und wollte sich unbedingt den Stechlinsee ansehen. Er war damals bekannt als einer der wenigen oligotrophen, also sehr nährstoffarmen Seen in Deutschland. Mein Mann ist zuerst an das Institut gegangen und ich bin kurze Zeit später dorthin gefolgt, um dort an einem Projekt zu den Tagebaurestseen zu arbeiten. Ich fand dieses Thema einfach spannend. Man wusste nicht, was in diesen Seen passierte, außer dass sie reich an Sulfat und sauer waren. Dieses Thema habe ich während meiner Postdoc-Zeit am Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung, in der Abteilung Seenforschung in Magdeburg, weiter verfolgt.

Sie haben viel an Sulfatreduzierenden Bakterien geforscht. Welche Erkenntnisse haben Sie gewonnen?

Sulfatreduzierer sind enorm wichtig, weil sie vieles im anaeroben Bereich bewerkstelligen. Man denkt oft, im anaeroben Bereich läuft nichts mehr, weil kein Sauerstoff vorhanden ist, aber zum Beispiel den Abbau von aromatischen Verbindungen übernehmen gezielt Sulfatreduzierer. Was mich persönlich sehr interessiert hat, ist der Zusammenhang mit den Tagebaurestseen. Sulfatreduzierer kehren den Prozess der Versauerung um. Sie können speziell bei sauren, metallreichen Abwässern zur Sanierung eingesetzt werden. Es gibt jede Menge Verfahren, die dahingehend entwickelt wurden. Auch meine aktuelle Forschung beschäftigt sich unter Anderem mit diesem Thema. Insbesondere weil es in der Umwelt viele Probleme zu lösen gibt, kann man sicherlich noch einiges erforschen. Wir haben bisher nur einen Bruchteil aller Mikroorganismen wirklich erforscht.

Sie haben ihre Diplomarbeit in den Niederlanden fertiggestellt. Wie ist das so, ein Studium im Ausland?

Ich bin in Belgien aufgewachsen, dort zur Schule gegangen, erst auf eine deutsche Schule, später auf eine europäische Schule. Ich spreche die niederländische Sprache, von daher war die Umstellung in diesem Punkt kein Problem. Was eine Herausforderung war, war Anschluss zu finden. In Groningen war es schwerer, Fuß zu fassen, denn ich bin nur an die Uni gegangen, um meine Diplomarbeit zu schreiben. Deswegen habe ich zunächst nur wenige Menschen kennen gelernt. Das war für mich ein bisschen schwer, weil ich es von Bonn anders gewohnt war. Für mich neu war es, kennenzulernen, was Forschung ist, die Selbstständigkeit und was es bedeutet, in einem großen Projekt mitzuwirken.

Wie waren Sie als Studentin?

Ich muss ehrlich sagen, ich kann mich ganz gut in Studierende hineinversetzen, denn ich war sehr jung als ich mit meinem Studium begonnen habe, kam direkt von der Schule mit 17 Jahren an die Universität und war mit Abstand die Jüngste. Dort war ich erst einmal komplett überfordert. Das Studium war damals nicht so straff organisiert wie heute. Ich sage immer: Ohne meine Freunde hätte ich das Studium nie geschafft. Ohne Internet musste man untereinander schon sehr gut kommunizieren. Die Eigenständigkeit war neu für mich, auf eigenen Beinen zu stehen war anfangs gewöhnungsbedürftig.

Ich glaube, ich war immer an der Sache interessiert, aber von der Stoffmenge war ich anfangs überfordert. Das merke ich auch bei Studierenden heute. Egal, ob man ein guter Schüler war oder nicht, man unterschätzt oft die Menge der Inhalte an der Universität. Das eigenständige Lernen und die Selbstorganisation fielen mir im Grundstudium anfangs schwer. Ansonsten war ich immer sehr interessiert, habe nach rechts und links geschaut, mich nicht nur auf die Mikrobiologie fokussiert. Ich war mehrmals im Ausland und habe viele Praktika gemacht. Ich hatte meine Findungsphase im Grundstudium und habe mich dann im Hauptstudium spezialisiert.

Wie haben Sie sich bei ihrer ersten eigenen Lehrveranstaltung gefühlt?

Meine erste Lehrveranstaltung habe ich in Kanada an der Universität in Ottawa gehalten. Die Vorlesung hieß Microbial Ecolology im Rahmen des Studienganges Environmental Studies. Das war eine Herausforderung, denn sie ging über drei Zeitstunden. Ich hatte kaum Zeit, mir darüber Gedanken zu machen, wie ich die Inhalte vermittle. Es war erstmal nur wichtig, diese drei Zeitstunden mit Material zu füllen.

Je größer die Veranstaltung, desto schwieriger ist es, Feedback zu bekommen. Es ist schwer zu erkennen, ob die Zuhörer die angesprochenen Themen und Informationen verstehen oder nicht. Dennoch war es ein super Training für Koblenz. Hier gehen die Vorlesungen nur eineinhalb Stunden lang und sind kleiner. Mir machte es viel Spaß. In Kanada hatte ich ein Forschungsstipendium von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG).  Ich wollte gerne noch einmal ins Ausland. In dieser Zeit hatten wir schon Familie, und ich wollte die Reise antreten, bevor die Kinder ins Teenager-Alter kamen.

Wie lassen sich Familie und Wissenschaft bei Ihnen vereinbaren?

Die Idee, überhaupt Familie zu haben, war für mich immer eine Selbstverständlichkeit. Mir hat sich nie die Frage gestellt, ob Forschung und Familie überhaupt vereinbar wären. Wir haben während der Doktorarbeitszeit eine Familie gegründet. Damals waren unsere Ansprüche nicht so groß. Was sicher auch eine Rolle spielte war, dass wir in den neuen Bundesländern gelebt haben. Dort war es eine Selbstverständlichkeit, Kinder zu haben und gleichzeitig zu arbeiten. Es war leicht, eine Tagesmutter zu finden und später einen Kindergartenplatz.

Mein Mann und ich haben beide promoviert und konnten uns alles gut einteilen. Wir haben geschaut, wer zuerst einen Job hat. Letztendlich war ich diejenige, die festgelegt hat, wo wir hinziehen. Mein Mann hat sich gegen eine Tätigkeit in der Wissenschaft und für die Familie entschieden. Deshalb hat er sich immer bei einem Arbeitsplatz- und Wohnortswechsel angepasst. Das war für die Familie ein großer Vorteil, denn wir konnten so zusammenbleiben. Wir sind nach Koblenz gezogen, als unsere Kinder auf die weiterführende Schule kamen. Nun sind sie erwachsen und ich kann mich (noch) mehr meiner Arbeit widmen.

Welche Dinge mögen Sie fernab des wissenschaftlichen Alltags?

Wir fahren gerne Kanu, gehen Zelten und sind viel in der Natur unterwegs. Ansonsten ist das Kreative seit der Schulzeit ein wenig untergegangen. Ich nähe sehr gerne. Das kann man zur Karnevalszeit ausnutzen. Früher habe ich viel gemalt und gezeichnet. Jetzt fehlt mir da leider die Zeit. Ansonsten treffe ich gerne Freunde oder verbringe die Zeit mit meiner Familie.

Interview: Sarah-Maria Scheid

 

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