Ehrenamt: Studis engagiert
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Die erste Studentin in der Familie

Wenn Abiturienten kurz vor ihrem Abschluss stehen und sich auf das Studium vorbereiten, können sie oft auf die Erfahrungen ihrer Eltern zurückgreifen. Die Studentin Jennifer Siegert engagiert sich in der Organisation ArbeiterKind, um Schülern beim Studieneinstieg zu helfen, deren Familien keinen akademischen Hintergrund haben. Das hat auch persönliche Gründe: Siegert ist die erste Studentin in ihrer Familie.

Für Jennifer Siegert war es nicht immer klar, dass sie eines Tages studieren wird. Selbst als sie nach der Grundschule auf das Gymnasium kam, war der Weg an die Uni keine selbstverständliche Perspektive. Während die Eltern ihrer Mitschüler bei Vorträgen und Hausaufgaben helfen konnten, war Siegert auf sich allein gestellt. Als sich Siegerts Noten verschlechterten, bekam sie von der Mutter eines Freundes den Tipp, auf ein berufliches Gymnasium zu wechseln. An diesem Punkt wendete sich das Blatt: Siegert musste keine ungeliebten Fremdsprachen lernen, sondern hatte Unterrichtsfächer wie Psychologie und Pädagogik. Ihr Interesse war geweckt, ihre Noten verbesserten sich und die Idee, eines Tages Psychologie zu studieren, war geboren.

Unterstützung von außen

Ohne ihre Bekannte, die sie dazu ermuntert hatte, die Schule zu wechseln und sich für ein Stipendium zu bewerben, hätte Siegert die Idee wahrscheinlich nicht umgesetzt. Zu groß war die Ungewissheit, wie sie ein Studium finanzieren sollte. Dass außerfamiliäre Unterstützung einen so entscheidenden Einfluss auf ihren Lebensweg haben kann, hat sie nachhaltig beeindruckt. “Das war der Grund, wieso ich bei ArbeiterKind mitmachen wollte”, resümiert Siegert. Von der Inititative hatte ihr eine Freundin erzählt.

Die Initiative ArbeiterKind wurde 2008 von Katja Urbatsch gegründet. Die studierte Kommunikationswissenschaftlerin war ebenfalls die erste Studentin in ihrer Familie und ist nun Geschäftsführerein des Vereins, der mittlerweile deutschlandweit Lokalgruppen hat. Diese organisieren zum Beispiel Vorträge in Schulklassen, um Schüler über Studien- und Finanzierungsmöglichkeiten zu informieren.

Das Arbeiterkind-Team am Campus Landau.

Das Arbeiterkind-Team am Campus Landau.

Ganz allein geht es nicht

Über Facebook hatte Siegert die Landauer Lokalgruppe gefunden und kontaktiert. Während die Gruppe am Campus Koblenz seit vielen Jahren aktiv ist, musste sie in Landau erst wiederbelebt werden. “Das war ein längerer Findungsprozess. Es kamen immer neue Leute dazu und andere sprangen ab. Mittlerweile sind wir zehn Leute, die sich fest engagieren. Das ist eine gute Größe, um Ideen umsetzen zu können”. Die Gruppe triftt sich alle zwei Wochen. Dann gibt jedes Mitglied über seinen verantwortlichen Bereich Feedback und es werden neue Aufgaben verteilt. Unter anderem hat die Gruppe am Campus Landau eine Stipendien-Messe veranstaltet, auf der sich Studierende über Finanzierungsmöglichkeiten informieren konnten. Außerdem wurde der Vortrag, der in Landauer Schulen gehalten werden soll, konzipiert und fertig gestellt.

Siegerts Aufgabe ist es, alles im Blick zu behalten, Ideen zu sammeln und die Agenda der Treffen festzulegen. Als Chefin möchte sie sich dennoch nicht bezeichnen: “Dafür ist das Engagement der Einzelnen einfach zu wichtig. Ich habe schon in anderen Ehrenämtern gemerkt, dass man ohne eine gute Gruppe nicht voran kommt”. Es helfe nichts, wenn eine Person bestimmen möchte, wo es lang geht, aber niemand mitzieht. ArbeiterKind lebt durch die Gruppe. Damit ist es genau wie im Studium: Ganz allein geht es nicht.

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