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Die Bretter, die die Welt bedeuten

Konzentriertes Treibenlassen in der Szene: Hannah Trippner (Zweite von rechts) genießt die Auftritte mit der Improtheatergruppe "Jetzt oder Knie". Foto: Philipp Sittinger

Konzentriertes Treibenlassen in der Szene: Hannah Trippner (Zweite von rechts) genießt die Auftritte mit der Improtheatergruppe "Jetzt oder Knie". Foto: Philipp Sittinger

Hannah Trippner ist 24 und studiert Sonderpädagogik im Fachbereich Erziehungswissenschaften am Campus Landau. Neben dem Studium verbringt sie viel Zeit beim Improvisationstheater “Jetzt oder Knie”, um ihrer Kreativität freien Lauf zu lassen. Im Interview erzählt sie, warum für Improvisation das Vertrauen zu ihren Bühnenkollegen unabdingbar ist.

Was ist das Improvisationstheater “Jetzt oder Knie” genau?

Wir treffen uns regelmäßig an der Universität. Dort kommen wir zusammen und stimmen uns erst mal auf unser Training ein. Es ist eher ein Theatersport als ein reines Theater. Wir warten dann auf den Moment, aus dem eine Szene entsteht. Alles, was wir performen, ist sehr auf die Situation bezogen. Wir versuchen, die Szenen zu gestalten, indem wir gemeinsam Spaß haben. Durch die soziale Dynamik haben wir viel Stoff für unser kreatives Schaffen.

Wie kam es zu der Hochschulgruppe?

Im Jahr 2015 gab es einen Workshop, der vom Allgemeinen Studierendenausschuss (AStA) organisiert wurde. Leiter dieses Workshops war Ralf Primer. Heute ist Herr Primer immer noch dabei und sozusagen unser “Impropapa”. Er leitet uns durch die Prüfungen und wir profitieren viel von seiner Erfahrung. Wir geben ihm aber auch etwas zurück, da gerade beim Improtheater die Wechselwirkung aller Akteure immens wichtig und erfüllend ist.

Wie sieht so eine Probe aus?

Eine Probe startet immer mit einem Warm-Up. Wir stehen gemeinsam im Kreis und machen Gesprächs- oder Gesangsübungen. Von außen sieht es so aus, als würden wir nur verrückten Quatsch machen. Das dient vor allem der Auflockerung und dem Einstieg in eine Szene. So fangen wir an, durch verschiedene Improspiele die Szenen zu gestalten und uns neue Inspiration zu holen. Begleitet von rhythmischem Singen und Klatschen werden während der Probe spielerisch Geschichten erzählt. Es liegt viel Persönliches vom jeweiligen Protagonisten darin. Daher ist es auch ein sehr individueller Sport. Zum Ende einer Probe machen wir dann etwas für das Herz und zur Verabschiedung nehmen wir uns alle an die Hände. Wir achten sehr darauf, eine eingespielte Truppe zu sein.

Wie nervös macht ein Auftritt?

Ich habe ein Kribbeln im Bauch. Ich genieße dieses Gefühl, diese Mischung aus Spannung, Nervosität und der Erwartung, gleich auf der Bühne zu stehen, Spaß zu haben und das Publikum zu begeistern. Da wir nie alleine auf den Brettern stehen und wir uns immer darauf verlassen können, dass wir aufgefangen werden, ist es eher freudige Erwartung als wirkliche Nervosität.

Woher kam die Idee, bei einem Improtheater mitzumachen?

Ich wollte etwas mit Theater machen, als ich zum Studieren nach Landau gezogen bin. Ich habe mich einfach mal umgehört und war positiv überrascht, dass es an der Uni ein solches Angebot gibt. Ich bin dann kurzerhand zu einem Workshop gegangen und war danach völlig hin und weg.

Sucht “Jetzt oder Knie” weiterhin neue Talente?

Teilweise. Als Hochschulgruppe haben wir eine hohe Fluktuation. Deshalb versuchen wir, einerseits die Gruppengröße zu regulieren, andererseits aber auch die Gruppe als solche zu stärken. Wir achten beispielsweise darauf, dass immer mehrere Studierende gleichzeitig bei uns in die Proben integriert werden. Wenn also Interesse besteht, schreibt man uns am besten einfach eine Mail. Wir koordinieren dann alles Weitere.

Was macht am meisten Spaß am Improtheater?

Ganz klar der Moment der Inspiration. Auf der Bühne zu stehen und sich treiben zu lassen, ist ungemein erfüllend. Der ganze Körper und der Kopf laufen auf Hochtouren. Alle Nerven und Gedanken sind in der Szene. Ein Gefühl der Kontrolle ist zwar da, aber sich treiben zu lassen, ist ein unglaubliches Gefühl von Freiheit.

Was war der bisher emotionalste Moment für Sie?

Wir hatten mal einen Workshop mit einem professionellen Schauspieler. Dort wurde uns beigebracht, wie man sich treffen lässt, also emotional auf eine Situation reagiert und in diese hineinschlüpft. Das war ein Moment, in dem ich mich selbst stark mit in die Szene genommen habe. Die Gefühle, in Form eines Streites zwischen Mutter und Tochter, waren in der Szene so stark, dass ich richtig böse wurde. Ich war so tief in der Szene, dass es einerseits erschreckend war, andererseits aber auch ein tolles Ventil, um die Gefühle einfach mal rauszulassen.

Das Interview führte Bastian Stock

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