Kolumne
Schreibe einen Kommentar

Ersti in Corona-Zeiten

Sara Pipaud muss ihr Studium erst einmal in den eigenen vier Wänden absolvieren. Fotos: Sara Pipaud

Sara Pipaud muss ihr Studium erst einmal in den eigenen vier Wänden absolvieren. Fotos: Sara Pipaud

Die Welt entdecken, studieren, neue Leute kennenlernen – so stellen sich viele junge Menschen ihr Leben nach dem Abitur vor. Doch die Corona-Krise hat ihnen einen Strich durch die Rechnung gemacht. Sara Pipaud, die gerade ihr Studium der Sozial- und Kommunikationswissenschaften in Landau begonnen hat, erzählt, wie es ihr als Erstsemester zum Studienstart ergangen ist.

Nach dem Abitur wollte ich reisen und Abenteuer erleben. Ich wollte Neues entdecken: neue Orte, neue Menschen, neue Erfahrungen. Aber nichts von all dem hat stattgefunden. Stattdessen kam die Pandemie und ich habe die Zeit zum Arbeiten genutzt. Bevor es mit Corona losging, habe ich ein Praktikum beim Radio gemacht, in einer Bar und einem Café gejobbt.

In der Kolumne schreiben Studierende in Koblenz und Landau unplugged aus ihrem Alltag.

Als das Virus sich dann ausbreitete und es zum Lockdown kam, habe ich angefangen, in einem Bio-Supermarkt zu arbeiten. Dabei habe ich zwar auch Erfahrungen gesammelt und somit die Zeit zwischen Abi und Uni gut genutzt, aber eben nicht so, wie ich es geplant hatte.

Die Hoffnung stirbt allerdings zuletzt und so habe ich mich, nachdem das Virus meine Auslandsplanung zunichtegemacht hatte, wenigstens auf das kommende Studium gefreut. Das ist schließlich auch etwas Neues und vor allem etwas, dem ich schon lange entgegengefiebert hatte.

Ankommen in einer neuen Stadt

Da ich ja nicht reisen konnte, habe ich mich frühzeitig um ein WG-Zimmer in Landau gekümmert. Ich wollte einfach unbedingt raus. Raus von zu Hause und rein in eine neue Stadt, in einen neuen Lebensabschnitt und vor allem rein ins Studentenleben. Zum Glück wurde ich relativ schnell fündig und habe ein tolles, großes Zimmer in einer Wohnung mit lieben Mitbewohnerinnen gefunden. Dort bin ich Anfang September eingezogen.

Allerdings ist es schwierig, in einer neuen Stadt Fuß zu fassen, wenn man niemanden kennt. Meine Mitbewohnerinnen waren noch viel in der Heimat zum Arbeiten und ich hatte alleine in Landau nicht sonderlich viel zu tun. Also habe ich gespannt der Orientierungsphase entgegengefiebert. Ich dachte, dass ich dann endlich die anderen Erstis kennenlernen und mit diesen zusammen die Stadt erkunden könnte.

Die Übergangszeit habe ich gut genutzt: Ich habe die Cafés von Landau in Begleitung von einem guten Buch entdeckt, war in den Weinbergen und auf dem Gelände der Landesgartenschau joggen, habe meine Liebe zum Kochen und Backen entdeckt und einen kleinen Foodblog auf Instagram gestartet und habe gemütliche Abende mit meinen Mitbewohnerinnen verbracht. Dadurch ist mir Landau immer mehr ans Herz gewachsen.

Die Weinberge liegen ganz in der Nähe der Wohnung der Erstsemesterin. Hier geht sie gerne eine Runde joggen.

Die Weinberge liegen ganz in der Nähe der Wohnung der Erstsemesterin. Hier geht sie gerne eine Runde joggen.

Die Orientierungswoche

Die Zeit verging schnell und die Orientierungswoche rückte immer näher. Gespannt habe ich mir ausgemalt, wie es wohl sein würde. Über Facebook und Instagram wurde ich in diverse “Ersti-Gruppen” eingeladen. Wir haben uns alle sehr auf die Woche des Kennenlernens gefreut und waren gespannt, uns persönlich zu treffen.

Tja, und dann hat mir Corona wieder einen Strich durch die Rechnung gemacht. Von wegen eine Woche voller Partys und Spaß. Als die Infektionszahlen von Tag zu Tag immer höher stiegen, war mir schon fast klar, dass das alles nicht so klappen würde, wie ich es mir vorgestellt hatte. Trotz allem hatte ich noch einen kleinen Funken Hoffnung übrig. Vielleicht würden die Zahlen genauso schnell wieder sinken?

Leider hat sich meine erste Vermutung bestätigt und alle geplanten Aktionen wurden abgesagt. Die Fachschaft hat sich Mühe gegeben, uns trotzdem unter die Arme zu greifen. Es gab ein “How-to-Stundenplan”-Video und zwei Online-Kennenlernabende, aber das ist natürlich nicht das Gleiche. Da nun auch unser gesamtes Studium online stattfinden wird, kann man nicht einmal mehr darauf hoffen, die Mitstudierenden im Kurs besser kennenzulernen. Das war alles wirklich enttäuschend für mich, denn so hatte ich mir meinen Studienstart nicht vorgestellt.

Sara Pipauds Arbeitplatz auf einen Blick.

Sara Pipauds Arbeitplatz auf einen Blick.

Videochat statt Kneipentour

Doch es ist so, wie es ist, und wir müssen versuchen, das Beste daraus zu machen. Andere Studierende und ich sind schon fleißig dabei, verschiedene Gruppen auf Social Media zu gründen. Beispielsweise mit den Leuten, die bereits wie ich nach Landau gezogen sind. Vielleicht kann man sich mit diesen mal auf einen Corona-konformen Spaziergang treffen, damit man sich als Ersti in einer neuen Stadt im Online-Semester vielleicht doch nicht ganz so verloren fühlt. Oder man verabredet sich in kleineren Gruppen per Videochat. Das ist zwar nicht das Gleiche wie in einer Bar, aber wäre vielleicht eine einigermaßen gute Alternative.

Nun sind die ersten Wochen des Studiums geschafft. Ich fühle mich ein bisschen erschlagen von den vielen Informationen. Gleichzeitig bin ich von der Vielfältigkeit der Fächer begeistert. In nur wenigen Tagen habe ich schon viel Neues und Interessantes gelernt. Die Online-Veranstaltungen funktionieren ganz gut und ich lerne darüber auch immer mehr meiner Mitstudierenden kennen. Ich bin gespannt, was mich im weiteren Verlauf des Semesters erwartet und hoffe, dass sich die Welt von dieser Pandemie so schnell wie möglich erholt und wir zum Lernen wieder in die Universität gehen dürfen.

Sara Pipaud

2+

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.