Kolumne
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Dem Winter trotzen

Heute schreibt Campus-Reporterin Maria Preuß. Illustration: Designstudio Mathilda Mutant

Heute schreibt Campus-Reporterin Maria Preuß. Illustration: Designstudio Mathilda Mutant

In der Kolumne schreiben unsere Campus-Reporter, allesamt Studierende in Koblenz und Landau, unplugged aus ihrem Alltag. Heute bemüht sich Maria Preuß um einen Ausgleich zum tristen Winter und scheitert – fast.

Eigentlich könnte ich zurzeit jeden Tag bis 12 Uhr schlafen. Im Bett ist es nicht nur warm und weich, ich kann dort auch vom letzten Urlaub träumen. Von Sonne und Palmen, süßem Tee und Orangenduft. Doch es hilft ja alles nichts. Ich bin nicht im Süden, sondern im Semesterendspurt. Es müssen Hausarbeiten geschrieben und Präsentationen vorbereitet werden. Statt milde Abendluft zu genießen, muss ich mit Zimmerbeleuchtung am Schreibtisch sitzen, weil es den ganzen Tag dunkel ist.

Um der Wintermüdigkeit zu trotzen, brauche ich ganz dringend Bewegung. Am Campus Landau gibt es glücklicherweise einige kostenlose Sportkurse. Meine eigentliche Leidenschaft ist das Boxen. Nichts fühlt sich besser an als die Erschöpfung nach einem 90-minütigen Training. Leider hat es mit dem Kampfsportkurs an der Uni für mich zeitlich nicht gepasst. Deswegen habe ich mich für einen Tanzkurs entschieden. Tanzen ist ja einfach, dachte ich mir. Ein bisschen die Arme hin- und herschwingen, mal ein Bein heben. Das sollte kein Problem sein.

Tanzen kann ja nicht so schwer sein

Die Leiterin des Tanzkurses ist die gute Laune und Freundlichkeit in Person. Eine zierliche Studentin, die alle Bewegungen mit strahlendem Lächeln vormacht. Das sieht alles ganz nett aus, wie sie sich nach links und rechts beugt, auf den Boden gleitet, eine Rolle macht, die Beine zum Spagat öffnet, eine Drehung hinterher und – tadaa – wieder auf beiden Beinen steht. Wenn das zarte Pflänzchen ohne große Anstrengung diese Bewegungsabfolge bewältigen kann, dann sollte ich Hobbyboxerin das ja auch hinkriegen.

Mit viel Selbstbewusstsein und streberhaftem Ehrgeiz stelle ich mich gleich in die erste Reihe. “Eins, zwei, drei, vier und…” zählt die Kursleiterin an. Ich beuge mich nach rechts – huch, falsche Seite – plumpse auf den Boden, mache statt einer Rolle eher eine Wurst, verliere erstmal die Orientierung, strecke meine Füße wie ein Käfer von mir, bin schon völlig außer Atem und richte mich unter lautem Ächzen wieder auf. Die Drehung habe ich ausgelassen und bin trotzdem langsamer als alle anderen gewesen.

Als meine Bewegungen nach der vierten Wiederholung immer noch nicht ansatzweise der Vorgabe gleichen, gebe ich mich meiner ganzen Lächerlichkeit hin und kichere mich durch die gesamte Choreografie. Damit werde ich zwar nie eine ansehnliche Performance liefern, aber es trainiert zumindest die Bauchmuskeln und erhellt das Gemüt. Und viel mehr will ich an einem grauen Wintertag auch gar nicht.

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