Studis & ihre Nebenjobs
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Dem Tagesgeschehen auf der Spur

Marvin Erlenwein arbeitet neben seinem Lehramtsstudium als freier Mitarbeiter bei der Tageszeitung "Die Rheinpfalz". Sein Studium ist dabei nur Plan B. Foto: Philipp Sittinger

Marvin Erlenwein arbeitet neben seinem Lehramtsstudium als freier Mitarbeiter bei der Tageszeitung "Die Rheinpfalz". Sein Studium ist dabei nur Plan B. Foto: Philipp Sittinger

Marvin Erlenwein weiß genau, was in Landau und Umgebung los ist. Er ist freier Mitarbeiter in der Lokalredaktion der Tageszeitung Rheinpfalz und schreibt dort über aktuelle Themen aus der Region. Dabei kommt er viel rum – eine willkommene Abwechslung zu seinem Studium der Sozialkunde und Biologie auf Lehramt.

Wie sind Sie an den Job bei der Rheinpfalz gekommen?

Durch meinen ehemaligen Englischlehrer. Ich habe ihm erzählt, dass ich mich für den Journalismus interessiere. Da er wusste, dass ein alter Schüler von ihm inzwischen Redakteur bei der Rheinpfalz ist, hat er mir dessen Kontakt gegeben. Ich habe meinen ganzen Mut zusammengenommen und seinen Kontakt geschrieben. Im Sommer 2018 habe ich erst zwei Wochen lang ein Praktikum gemacht und bin jetzt freier Mitarbeiter.

Was reizt Sie am Journalismus?

Die Serie

Das WG-Zimmer, das eigene Auto, der Kinobesuch mit Freunden: Das alles will bezahlt werden. Viele Studierende verdienen sich neben der Unterstützung der Eltern und Bafög etwas dazu oder finanzieren ihr Studium komplett selbst. Uniblog stellt in einer Serie Studierende und ihre Nebenjobs vor. Von alltäglich bis kurios ist fast alles dabei. Bisher erschienene Artikel finden sie hier.

Ich finde es interessant, mich immer mit anderen Problemen zu befassen. Es ist nie dasselbe Thema. Ich mag auch die Mischung aus draußen unterwegs zu sein und am Schreibtisch zu sitzen.

Wie viele Fake News haben Sie bei der Rheinpfalz schon veröffentlicht?

Das ist alles ausgedacht! Nein, natürlich nicht. Aber es kommt auch mal vor, dass ich einen Fehler mache. Der peinlichste Fehler war, als ich einen Nachnamen in einem Text auf zwei verschiedene Weisen falsch geschrieben habe.

Was war Ihre denkwürdigste Begegnung?

Ich bin noch keinem großen Künstler oder Politiker begegnet. Aber ich finde es schön, wenn ich erfahre, dass Menschen meine Texte lesen und sie mögen. Als ich das erste Mal auf einem Termin für die Zeitung war, habe ich ein paar Leute in Godramstein interviewt. Tage später bin ich ihnen in Landau über den Weg gelaufen und sie sagten mir, dass ihnen mein Artikel gefalle. Mich hat ziemlich überrascht, dass es auch Shitstorms gegen die Rheinpfalz gibt. Vor allem nach der Berichterstattung über den Vorfall in Kandel gab es viel negative Kritik auf Facebook. Aber auch nach kleineren Beiträgen erleben wir wütende Reaktionen. Selbst bei Themen, die für viele Menschen vermeintlich uninteressant erscheinen. Wenn da ein kleiner Fehler passiert, schreiben die Leute wütende Leserbriefe oder E-Mails an die Redaktion.

Was sind das für Menschen, die solche E-Mails schreiben?

Traurige. Ich verstehe schon, dass man sich über einen Fehler ärgert. Aber Journalisten sind auch nur Menschen und verstehen manchmal etwas einfach nur falsch. Wenn man beispielsweise den lokalen Dialekt nicht richtig versteht, kann es passieren, dass man einen Namen falsch aufschreibt. Natürlich sind Korrekturen und Kritik gut, aber am besten konstruktiv.

Wie viele Stunden arbeiten Sie für die Rheinpfalz?

Während meines Praktikums war ich fünf Tage die Woche in der Redaktion.  Zwischen Abitur und Beginn des Studiums hatte ich dafür genug Zeit. Weil ich aber noch einen weiteren Job ausübe und noch ein bisschen Freizeit haben wollte, reduzierte ich meine Arbeitswoche irgendwann auf drei Tage. Jetzt im Moment schaue ich erstmal, wie es mit dem Studium läuft, und arbeite etwas weniger. In der Prüfungsphase arbeite ich gar nicht, sondern versuche, in erster Linie nicht verrückt zu werden. Mein Plan ist es aber, nach den Prüfungen wieder mehr Termine zu übernehmen.

Wie funktioniert die Terminvergabe?

Das läuft meistens über die Sekretärin. Sie hat die Termine, über die in der Zeitung berichtet werden könnte. Das sind Gemeinderatssitzungen, Eröffnungen von Spielplätzen oder was sonst so in der Gegend passiert. Die Redaktion entscheidet, über welches Thema berichtet werden soll und die Sekretärin fragt die freien Mitarbeiter an. Es ist aber auch möglich, eigene Themen vorzuschlagen.

Haben Sie schon Zoff in den Redaktionssitzungen erlebt, weil Redakteure über Themen gestritten haben?

Natürlich wird diskutiert, welche Themen in die Zeitung müssen und welche nicht. Das hängt davon ab, wie aktuell und wie interessant ein Thema ist. Manchmal muss ein sehr interessanter Beitrag Platz machen für ein ganz aktuelles Thema. Aber da werden sich nicht die Köpfe eingeschlagen. Es nimmt sich auch niemand Themen weg, weil alle genug Arbeit haben.

Worüber schreiben Sie am liebsten?

Entweder über Sachen, die bei mir im Dorf passieren oder über coole Aktionen. Ein Landauer Restaurant hatte zum Beispiel ein Spendenessen für die Bewohner eines Hauses organisiert, in dem es kurz zuvor gebrannt hatte. Spannend war auch die Berichterstattung einer Aktion, bei der Geschenke eingepackt und an Kinder in ärmeren Regionen verteilt wurden.

Was macht Ihnen beim Schreiben am meisten Spaß: die Informationen verständlich zu machen oder einen schönen Text zu schreiben?

Es gibt nichts Besseres auf der Welt, als einen bombastischen Übergang im Text zu haben. Die Konrad-Adenauer-Schule in Landau hat die Patenschaft eines Lemuren im Zoo übernommen. Dazu sollte ich einen Text schreiben. In der Rheinpfalz gibt es die Rubrik Nils fragt nach. Nils ist ein Biber und erklärt manche Inhalte für Kinder. Ich habe für diese Rubrik über den Landauer Zoo geschrieben. Ich habe mit den Pinguinen aus dem Film Madagaskar angefangen, weil Kinder diesen Film mögen. Zum Zoo habe ich übergeleitet, indem ich geschrieben habe: Da manche Tierarten bedroht sind, gibt es Zoos, in denen sie gehalten werden. Den Übergang hat auch der Redakteur gelobt.

Fällt es Ihnen schwer, gute Überschriften zu finden?

Total. Man will ja nicht immer dasselbe schreiben. Es gibt Überschriften, die kann man eigentlich über jeden Text setzen. Zum Beispiel: So geht es nicht weiter. Das ist die letzte Option und sollte man nicht machen. Am Anfang hat mir ein Redakteur immer die Aufgabe gegeben, Überschriften zu finden. Das habe ich meist auch geschafft, aber mit zu vielen Anglizismen, die sollen wir in der Rheinpfalz vermeiden.

Bringt Ihr Job etwas für Ihr Studium?

Ich habe gelernt, wie man interessant schreibt. In einer wissenschaftlichen Arbeit würde ich natürlich nicht so schreiben wie in der Zeitung. Aber man kann sich da einiges abgucken. Ich habe am Anfang noch wie in der Schule geschrieben. Umgekehrt kann ich durch den Politikwissenschaften-Anteil in meinem Studium Sachverhalte besser verstehen und dadurch besser erklären.

Was macht Ihnen am wenigsten Spaß?

Wenn mein Text redigiert wird. Natürlich ist das notwendig und ich freue mich, etwas dazuzulernen. Aber es kann auch niederschmetternd sein, wenn man sich wirklich Gedanken über Textpassagen gemacht hat, die dann komplett rausgestrichen werden. Das kann aus Platzgründen sein oder weil man einfach den falschen Schwerpunkt im Text gewählt hat. Aber das ist nun mal die Aufgabe des Redakteurs.

Wollen Sie nach dem Studium Journalist werden?

Ja, das würde ich wirklich gerne. Aber es gibt sehr viele gute Journalisten, da weiß ich nicht, wie meine Berufschancen stehen. Deswegen studiere ich als Plan B Lehramt, was ich mir auch sehr gut vorstellen könnte.

Was sind die Voraussetzungen, um diesen Job zu machen?

Spaß am Schreiben, Freude daran, mit Menschen zu reden, und Geduld. Schreiben kann sehr zeitintensiv sein.

Wie viel verdienen Sie?

Ich werde pro Zeile bezahlt. Das sind, wenn man gerade erst anfängt, aber nur ein paar Cent.

Würden Sie den Job als Nebenverdienst empfehlen?

Ja. Das Schöne ist die Flexibilität. Klar, wenn man die Zusage für einen Text gibt, muss man den auch fristgerecht abliefern. Aber das versteht sich ja von selbst. Wer also Spaß am Schreiben hat, kann sich einfach in der Redaktion melden und nach einem Praktikum fragen.

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