Was studieren?
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Zusammenhänge zwischen Umwelt und Mensch

BioGeoWissenschaften zu studieren, schärft den Blick für die Vielfalt der Natur, sagt Muriel Backmeyer. Foto: Sarah-Maria Scheid

BioGeoWissenschaften zu studieren, schärft den Blick für die Vielfalt der Natur, sagt Muriel Backmeyer. Foto: Sarah-Maria Scheid

Wechselwirkungen zwischen Menschen und Umwelt findet Muriel Backmeyer faszinierend. Darum hat sie sich entschlossen, in Koblenz BioGeoWissenschaften zu studieren. Inzwischen ist sie im fünften Semester und stellt uns den Studiengang vor.

Woher kommt deine Begeisterung für BioGeoWissenschaften?

Es hat sich alles langsam angebahnt. Schon durch meine Erziehung und meine Fächerwahl in der Schule. Ich habe früh gemerkt, dass ich mich für Umwelt und Natur begeistern kann. Darum habe ich versucht, einen Studiengang zu finden, der diese Interessen vereint. Ich denke, dass man hinter allem, was man sich aneignet und weitergibt, auch privat stehen sollte.

Der Bachelorstudiengang BioGeoWissenschaften auf dem Campus Koblenz bietet eine natur- und umweltwissenschaftlich ausgerichtete Ausbildung mit einem besonderen Fokus auf den Auswirkungen menschlichen Handelns. Schwerpunktfächer sind Biologie und Geographie. Das Studium ist stark praxisbezogen und profitiert von Kooperationen mit der Bundesanstalt für Gewässerkunde und den Universitäten in Ruanda und Madagaskar.

Wie bist du auf den Bachelor BioGeoWissenschaften aufmerksam geworden?

Ich hatte mir mehrere Richtungen überlegt, in die ich nach dem Abitur gehen könnte. Der Umweltbereich war weit vorne. Dann hat sich die Frage gestellt: Bleibe ich im Breitgefächerten oder gehe ich direkt ins Spezielle? Über Recherche bin ich auf den Studiengang an der Uni Koblenz-Landau gestoßen. Da ich aus Koblenz komme, kannte ich schon ein paar Studierende an der Uni und konnte so vor meiner Entscheidung etwas über den Studiengang erfahren. Die Erzählungen klangen so stimmig, dass ich mich letztendlich für BioGeoWissenschaften entschieden habe.

Was machst du genau in deinem Studium?

Es geht um die Interaktion zwischen einzelnen Aspekten in der Natur, aber auch zwischen der Umwelt mit dem Menschen. Dafür benötigt man fachliche Grundkenntnisse, die wir in Modulen wie Zoologie, Botanik oder Geomorphologie in den ersten Semestern lernen. Dann erfahren wir mehr über die Auswirkungen und Zusammenhänge der einzelnen natürlichen Komponenten. Gegen Ende des Studiums fügt sich vieles zusammen.

Exkursionen sind ein wichtiger Bestandteil des BioGeowissenschaftsstudiums - wie etwa hier in die Alpen. Fotos: Privat

Exkursionen sind ein wichtiger Bestandteil des BioGeowissenschaftsstudiums – wie etwa hier in die Alpen. Fotos: Privat

Was gefällt dir dabei am besten?

Die Kooperation unter den Kommilitonen, aber auch mit den Dozierenden ist gut. Es gibt viele Dozierende, die die Studierenden kennen, auf dem Campus grüßen und mit denen man sich nach den Vorlesungen unterhalten kann.  Es herrscht allgemein ein ergiebiger Austausch, man kann sich gegenseitig Feedback geben. Jeder kennt jeden und man läuft sich auch schnell über den Weg. Hier gibt es viele unkomplizierte, sehr aktive und unternehmungsfreudige Menschen, die Lust haben, Ähnlichgesinnte zu treffen und viel Erlerntes umzusetzen. Inhaltlich finde ich es faszinierend, wie alles miteinander zusammenhängt, auch wenn man im ersten Moment keinen Zusammenhang entdeckt: Im Nachhinein merkt man, dass das eine ohne das andere nicht funktioniert.

In unserer Serie Was studieren? stellen Studierende der Universität Koblenz-Landau ihren Studiengang vor.

Welche Fähigkeiten sind in deinem Studium besonders gefragt?

Über den Tellerrand hinaus zu denken. Und die Zusammenhänge, von denen ich eben sprach, zu erkennen und sich immer wieder zu fragen: Was bedingt was? Und wieso ist diese Situation so, wie sie ist? Da bedarf es nicht nur bloßen Auswendiglernens, sondern auch der Fähigkeit, Zusammenhänge zu erkennen. Darüber hinaus sollte man aktiv sein wollen. Wir gehen auf viele Exkursionen, um das theoretisch Erlernte direkt in der Natur zu entdecken. Meine erste botanische Exkursion war großartig. Früher ist man an Bäumen einfach vorbeigelaufen, und plötzlich versteht man, warum ein Baum so aussieht, wie er aussieht und zu welcher Familie er gehört. In der Botanik bin ich sehr viel aufmerksamer geworden. Ich erkenne Pflanzen schneller und habe ein Auge dafür bekommen, wie vielfältig die Natur ist. Spannend war auch eine Amphibienexkursion, die ich im Rahmen des Moduls Zoologie gemacht habe. Man kann sich gar nicht vorstellen, wie viele Amphibien man in unmittelbarer Nähe findet. Nach ein bisschen Buddeln in Erdhaufen hat man schnell die eine oder andere Kröte entdeckt.

Auf speziellen Exkursionen können die Studierenden Amphibien wie die Kreuzkröte aus nächsten Nähe betrachten.

Auf speziellen Exkursionen können die Studierenden Amphibien wie die Kreuzkröte aus nächsten Nähe betrachten.

Was möchtest du nach der Uni machen?

Nach dem Bachelor möchte ich auf jeden Fall noch ein Masterstudium machen, um mich zu spezialisieren. Dazwischen möchte ich ein bisschen arbeiten, um Praxiserfahrung zu sammeln. Das finde ich bei diesem Studiengang sehr wichtig, damit sich die Inhalte festigen. Außerdem habe ich überlegt, einen Teil dieser Praxiszeit noch während des Studiums im Ausland zu verbringen. Dort ist der Naturraum ein ganz anderer und vielleicht wird im Umweltwesen mit einer anderen Leitlinie gearbeitet.

Wie bereiten dich die Studieninhalte auf dein zukünftiges Berufsleben vor?

In jeder Hinsicht. Es sind die theoretischen Inhalte, die ich lernen muss, die mir dann helfen, eine fundierte Artenkenntnis zu entwickeln, um mir das, was ich in der Praxis sehe, zu erklären. Man lernt aber auch, dass nicht alles einhundertprozentig so abläuft, wie man es sich vorstellt. Mir helfen Exkursionen, bei denen man nur eine oder zwei Tierarten entdeckt, statt zehn, wie man es sich erhofft hat. Man braucht Ausdauervermögen. Außerdem erlernt man zwischenmenschliche Kompetenzen. Wie man in einem Team arbeitet, wie man an ein Projekt herangeht oder eine Exkursion gestaltet, das wird später wichtig sein, egal in welchem Beruf ich lande.

Wieviel Praxisluft konntest du schon schnuppern?

Neben den Exkursionen ist auch ein Pflichtpraktikum vorgesehen. Das wollte ich ursprünglich dieses Jahr absolvieren, wegen Corona muss ich es aber auf das nächste Jahr verschieben. Ansonsten kann ich immer wieder durch eigenständige Unternehmungen Praxiserfahrungen sammeln, indem ich mich mit Kommilitonen zusammentue und mal zwei Tage wandern gehe. Dann schauen wir uns einen Naturraum näher an. Einer Freundin, die ihre Bachelorarbeit geschrieben hat, konnte ich bei der Kartierung von Pflanzen helfen.

Von der Theorie zur Praxis: Ihre Artenkenntnis können die Studierenden in freier Natur festigen.

Von der Theorie zur Praxis: Ihre Artenkenntnis können die Studierenden in freier Natur festigen.

Würdest du den Studiengang als sehr anspruchsvoll ansehen?

Das hängt davon ab, wie viel Vorerfahrung man mitbringt und davon, wie viel Motivation und Begeisterung man für die Fächer hat. Ich würde schon sagen, dass das Studium anspruchsvoll ist, aber es gibt auch immer wieder Module, die einem leichter fallen. Durch gewisse Grundbausteine wie Chemie oder Physik muss man sich vielleicht durchkämpfen; das ist aber kein Ausschlusskriterium. Man sollte ein hohes Maß an Eigenorganisation mitbringen, denn es gibt viele Klausuren, für die man sehr schnell in sehr kurzer Zeit viel lernen muss, und daher sollte man wirklich gut organisiert sein.

Was für Tipps hast du für diejenigen, die noch auf der Suche nach dem passenden Studienfach sind?

Ich würde empfehlen, dass man sich so viel wie möglich anschaut, was einen interessiert. Wo es geht, am besten hinfahren und Kontakte anschreiben, die weiterhelfen können, sodass man einen Eindruck vom Studium bekommt. Über das Erleben von Inhalten kann man viel besser Entscheidungen treffen, als nur über Studiengangszusammenfassungen im Internet. BioGeoWissenschaften ist optimal für Menschen, die sich noch nicht hundertprozentig festlegen wollen. Es ist sehr breit gefächert. Deswegen habe ich den Studiengang auch gewählt, weil ich herausfinden wollte, in welche Richtung es geht.

Interview: Sarah-Maria Scheid

 

1 Kommentare

  1. Rainer Kirmse , Altenburg sagt

    MUTTER ERDE IN NOT

    Die exorbitante Ressourcennutzung und der exzessive Kapitalismus geraten an Grenzen,
    in einer endlichen Welt gibt es kein unendliches Wachstum.
    Es ist an der Zeit, für eine weltweite Verteilungsgerechtigkeit zu sorgen.

    Die Jagd nach ewigem Wachstum
    Bringt letztlich den Planeten um.
    Das oberste Gebot der Zeit
    Muss heißen Nachhaltigkeit.

    Sechs kleine Gedichte zu
    Umwelt – und Klimaschutz,
    sowie zur allgemeinen Lage:

    FÜR DEN BLAUEN PLANETEN

    Der Mensch, dieses kluge Wesen,
    Kann im Gesicht der Erde lesen.
    Er sieht die drohende Gefahr,
    Spürt die Erwärmung Jahr für Jahr.
    Homo sapiens muss aufwachen,
    Seine Hausaufgaben machen.

    Der Handel mit Emissionen
    Wird unser Klima nicht schonen.
    Weg vom ewigen Wachstumswahn,
    Braucht es einen weltweiten Plan.
    Für den Planeten, die Menschheit,
    Geh’n wir’s an, es ist an der Zeit.

    Kämpfen wir für Mutter Erde,
    Dass sie nicht zur Wüste werde.
    Retten wir uns’ren Regenwald,
    Gebieten der Kohle Einhalt.
    An alle Welt geht der Appell,
    Klimawandel ist universell.

    Weisen wir jetzt entschlossen
    Die Klimakiller in die Schranken.
    Bremsen wir Trump und Genossen,
    Der blaue Planet wird uns danken.

    FOR THE BLUE PLANET

    The earth is our mother,
    We will not have another.
    There’s no better place to find
    For animals, plants, mankind.

    Green woods, beautiful lakes,
    Nature has got what it takes.
    We have to keep clean the air,
    As environment everywhere.

    Put an end to coal mining,
    Nuclear power and fracking.
    Climate concerns all nations,
    Just as plastic in the oceans.

    For good living day and night
    Must change darkness and light.
    Our planet, so wonderful blue,
    We will always protect, we do!

    WENIGER IST MEHR

    Gegen den ewigen Wachstumswahn
    Muss nachhaltiges Wirtschaften her;
    Gegen den Autowahn Bus und Bahn,
    Auch im Verkehr ist weniger mehr.
    Urlaubsreisen etwas einschränken,
    Beim Essen ans Maßhalten denken;
    Statt Hühnerbrust zu fleischloser Lust.
    Beim Heizen mit den Graden geizen,
    Teilen, Second Hand der neue Trend;
    Smartphone Dauerkauf keine Option.
    Bei allem etwas Enthaltsamkeit,
    Nehmen wir uns die Freiheit.

    PLASTIKOZEAN

    Es treiben Müllinseln auf den Wellen
    Nicht nur vor Antillen und Seychellen.
    Des Meeres Flora und Fauna Idyll
    Ist ausgesetzt unserem Plastikmüll.

    Zum Meeresboden Teilchen schweben,
    Bedroh’n der Tiefsee fragiles Leben.
    Es findet die grausige Kunststoffpest
    Ihren Weg in jedes Korallennest.

    In der Entwicklung Millionen Jahren
    Trotzten die Fische allen Gefahren.
    So könnte es lange noch weitergeh’n,
    Würden wir nicht so auf Plaste steh’n.

    Der Mensch im ungebremsten Plastikwahn,
    Bringt hier das Ökosystem aus der Bahn.
    Hat Homo sapiens noch kluge Ideen,
    Oder müssen die Fische an Land geh’n?

    DAS LEID DER TIERE

    Uns’re Tiere haben’s schwer,
    Man behandelt sie nicht fair.
    Ein Mensch, wie stolz das klingt,
    Der großes Leid den Tieren bringt.
    Geflügelknast und Schweinemast
    Sind Quälerei und Umweltlast.
    Kükenschreddern ist das Wort
    Für grausamen Massenmord.
    Tiertransporte sind Tortur,
    Von Mitgefühl keine Spur.
    Tiere als Versuchsobjekt,
    Vor nichts wird zurückgeschreckt.

    Man fragt nicht nach der Tiere Befinden,
    Profit zählt, das Tierwohl steht ganz hinten.
    Bringen wir in ein dunkles Kapitel Licht,
    Dem Tierschutz Gewicht, beim Fleisch Verzicht.
    Heraus die Tiere aus den Verliesen,
    Für ein bisschen Freiheit in den Wiesen.

    GEDANKEN ZUR ZEIT

    Wir schau’n auf eine Krise,
    Die den Erdball heimsucht.
    Keine Spur vom Paradiese,
    Millionen sind auf der Flucht.

    Kriege überzieh’n die Welt,
    Der Terror ist omnipräsent.
    Neue Religion ist das Geld,
    Man konsumiert permanent.

    Profitmaximierung ist Pflicht,
    Börsenkurse steh’n im Fokus.
    Die intakte Natur zählt nicht,
    Umweltschutz in den Lokus.

    Banken scheffeln Milliarden,
    Bei Mißerfolg hilft der Staat.
    Wir seh’n riskante Spielarten,
    Man will die Ernte ohne Saat.

    Die westliche Lebensweise
    Bringt den Planeten in Not.
    Zu Ende geht’s mit dem Eise,
    Die Klimakatastrophe droht.

    Ein Umdenken muss kommen,
    Setzen wir auf den Verstand;
    Die Heiden und die Frommen,
    Die Religionen Hand in Hand.

    Rainer Kirmse , Altenburg

    Herzliche Grüße aus Thüringen

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