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Beethoven feiert digital Geburtstag

Im Dezember 2020 wurde Ludwig van Beethoven 250 Jahre alt und viele feierten mit. Neben der Deutschen Post zum Beispiel auch Dr. Olaf Meyer und die Universitätsmusik am Campus Landau. Foto: Annika Namyslo

Im Dezember 2020 wurde Ludwig van Beethoven 250 Jahre alt und viele feierten mit. Neben der Deutschen Post zum Beispiel auch Dr. Olaf Meyer und die Universitätsmusik am Campus Landau. Foto: Annika Namyslo

Im Dezember 2020 blickte die Musikwelt für ein besonderes Jubiläum nach Bonn: Vor 250 Jahren wurde dort Ludwig van Beethoven geboren. Mit einem Ständchen aus dem Homeoffice leistete die Landauer Universitätsmusik unter Leitung von Dr. Olaf Meyer im Sommersemester 2020 einen Beitrag zu den Geburtstagsfeierlichkeiten. Wie getrenntes und doch gemeinsames Musizieren funktioniert – und wie sich das Ergebnis anhört – erfahrt ihr hier.

Da da da daaa. Da da da daaa. Was sich für einige anhört, als würde der Uniblog neuerdings Vorschulkinder zum Texten ermutigen, klingt für andere vielleicht nach einer vertrauten Melodie aus eindrucksvollen Streich- und Blasklängen. Zu verdanken ist das Ludwig van Beethoven und der “Schicksalsmelodie” seiner berühmten 5. Symphonie. Im Jahr 2020 feierte die Welt seinen 250. Geburtstag. Zwar hat es Beethoven kaum auf die Titelseiten der Zeitungen geschafft, Corona dagegen war allgegenwärtig. Doch an Würdigungen des 1770 geborenen Bonner Komponisten, zum Beispiel in Form von Live-Streams von Veranstaltungen und Konzerten, hat es dennoch nicht gemangelt. Auch der Landauer Universitätschor und das Orchester feierten mit – digital, versteht sich.

Die etwas andere Konzertproduktion…

 Foto: ColourboxIn unserer Serie Uni-Menschen stellen wir euch interessante Persönlichkeiten vor, die an der Universität Koblenz-Landau studieren und arbeiten.

Wie üblich sollten der Landauer Chor und das Orchester im Juli 2020 die einstudierten Stücke aus dem vorangegangenen Semester als Konzert vortragen. Zu Ehren des Jubilars wählte Universitätsmusikdirektor Dr. Olaf Meyer Stücke aus Beethovens Messe op. 86 aus, für das Orchester war zusätzlich eine Symphonie geplant. Als die Präsenzlehre im Frühjahr 2020 bis auf Weiteres abgesagt wurde, war allerdings klar, man würde umdisponieren müssen. “Vor dem Semester haben Olaf und ich uns zusammen Gedanken gemacht und ein Konzept für einen digitalen Chor entwickelt”, so Dominik Vollbracht. Er studiert in Landau Psychologie im Master und unterstützt den Universitätschor seit inzwischen sechs Jahren.

Ganz einfach gestaltete sich eine digitale Umsetzung nicht: Durch minimale Zeitverzögerungen bei der Internetübertragung ist synchrones Musizieren eine schwierige Angelegenheit. Mithilfe ausgetüftelter Programme, die solche Hürden umgehen, spielt die Universitätsmusik inzwischen wieder teilweise synchron. Im Sommer 2020 gingen Meyer und seine engagierten Studierenden das Problem jedoch auf eigene Faust an.

Ihre Idee: Alle Chor- und Orchestermitglieder proben von zu Hause aus und singen oder spielen ihre Parts über ein Handy oder ein geliehenes Mikrofon ein; zum Semesterabschluss wird alles digital zusammengefügt. “Kyrie”, ein Teil der geplanten Messe von Beethoven, wurde als gemeinsames Projekt auserwählt. Zur Unterstützung der weniger erfahrenen Chormitglieder sangen Tutor:innen die verschiedenen Stimmen ein und stellten sie über OpenOlat zur Verfügung. Auch für die Orchesterstimmen wurden unterstützende Audiodateien hochgeladen. “Von der Universität wurde uns ein Etat zur Verfügung gestellt, mit dessen Hilfe ich einige gute USB-Mikrofone anschaffen und zum Ausleihen anbieten konnte”, so Meyer. “In der Bürgerstraße haben wir außerdem ein kleines Recording-Studio aufgebaut. Wer daheim Probleme mit der Aufnahme hatte, konnte seinen Part unter Einhaltung von Hygienemaßnahmen dort einspielen.”

… mit beeindruckendem Ergebnis

Pia Dzionsko, ebenfalls Psychologiestudentin im Master, sang im digitalen Sommersemester 2020 zum ersten Mal im Universitätschor mit. “Ich hätte nicht gedacht, dass sich der Chor digital so gut umsetzen lässt”, so Dzionsko. “Dafür haben Herr Dr. Meyer und die Tutor:innen viel Arbeit in das Projekt gesteckt.” Rund 80 Studierende sendeten Beiträge für das fertige Stück ein, die alle vom Universitätsmusikdirektor zusammengefügt und gemischt werden mussten. Was mit viel Zeitaufwand verbunden war, hatte auch einige Vorteile. “Es gibt immer einzelne Instrumente, die wir im Orchester nicht besetzen können. Für Live-Konzerte engagieren wir externe Musiker:innen, die diese Stimmen übernehmen. Das ist natürlich mit Kosten verbunden”, so Meyer. Für die digitale Aufführung erzeugte er die fehlenden Instrumente kurzerhand selbst, synthetisch am Computer.

Das Ergebnis ist verblüffend. Ein ungeschultes Ohr erkennt nicht, dass es sich bei dem Stück um 80 übereinander gelagerte Tonspuren handelt. Auch die Musiker:innen selbst sind beeindruckt: “Bei der Veröffentlichung waren viele überrascht, dass es wirklich so gut klingt”, erinnert sich Meyer. “Das war für die Studierenden natürlich eine enorme Bestätigung.” Von der Qualität des rund vierminütigen Geburtstagsgrußes kann man sich auch selbst überzeugen:

Ein erfolgreicher, aber kein vollständiger Ersatz

Die Sänger:innen und Instrumentalist:innen des Ensembles sind sich einig: Sie sind dankbar und froh, dass das Angebot der Universitätsmusik im letzten Jahr nicht entfallen musste und gleichermaßen stolz auf das Ergebnis. Doch obwohl sich so vieles unerwartet gut digital umsetzen ließ, bleibt die Hoffnung auf ein baldiges gemeinsames Musizieren in Präsenz. “Gemeinsam mit allen Stimmen zu proben hilft mir dabei, das Gesamtkonzept eines Stücks zu erfassen”, so Theresa Frankenberg. Sie ist langjährige Sängerin und war als Tutorin und Solistin an der Produktion beteiligt. “Vor dem digitalen Semester habe ich mich sehr auf die wöchentlichen Proben und die tolle Stimmung dabei gefreut.” Auch Vollbracht zieht ein ähnliches Fazit: “Ehrlich gesagt habe ich durch das digitale Semester vor allem gelernt, wie sehr ich die Chorproben vermissen kann.”

Was bleibt, ist der Rückblick auf ein Projekt, das durch Spontaneität, Enthusiasmus und den Reiz des Unbekannten zu einem vollen Erfolg geworden ist. Trotz erschwerter Bedingungen hat es die Universitätsmusik geschafft, dem Jubilar ein überzeugendes Geburtstagsständchen zu bringen. Wir drücken die Daumen, dass Ludwig van Beethoven sein früh verlorenes Gehör im Jenseits wiedergewonnen hat und nun zufrieden lauscht.

Annika Namyslo

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