Kolumne
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Aus der anonymen Großstadt in die Pfalz – ein Kulturschock?

Campus-Reporterin Maria Preuß zog für den Master von Berlin in die Pfalz. Foto: Unsplash/Max Langelott

Campus-Reporterin Maria Preuß zog für den Master von Berlin in die Pfalz. Foto: Unsplash/Max Langelott

In der Kolumne schreiben unsere Campus-Reporter, allesamt Studierende in Koblenz und Landau, unplugged aus ihrem Alltag. Heute resümiert die Berlinerin Maria Preuß ihr erstes halbes Jahr im pfälzischen Landau. 

Ein gutes halbes Jahr wohne ich jetzt in Landau. Weil es den Masterstudiengang Psychologie mit Schwerpunkt Kommunikations- und Medienpsychologie, den ich hier studiere, an keiner anderen staatlichen Universität gibt, bin ich aus dem großen Berlin, meiner Heimatstadt, in den Süden gezogen. Wenn ich das neuen Bekanntschaften erzähle, reagieren sie immer gleich: Sie wollen wissen, wieso ich mich dafür entschieden habe und ob es hier nicht ganz anders sei als in Berlin. Ja, ganz anders ist es definitiv. Aber anders ist ja nicht unbedingt schlecht. Es bedarf nur einer gewissen Eingewöhnungsphase. Zum Beispiel bin ich am ersten Uni-Tag zu spät zur Vorlesung gekommen, weil ich ganz naiv glaubte, dass der Bus, der von meiner Haustür bis zur Uni fährt, öfter als einmal pro Stunde kommt.

Wie im Urlaub

Ich verstehe auch bis heute das sympathische Pfälzisch nicht. Manchmal laufe ich durch Landaus Straßen und freue mich über die internationalen Touristen, die sich in meiner Umgebung unterhalten. Bis ich dann bemerke, dass das keine ausländischen Besucher sind, sondern Deutsche, die in einem Dialekt sprechen, der so anders und weich klingt, dass es für mich beim ersten Hinhören auch Französisch sein könnte. Generell strahlt Landau für mich mediterranes Flair aus. Als gebürtige Großstädterin, die nur Stadt und Flachland kennt, fühle ich mich in den Weinbergen direkt wie im Urlaub in der Toskana.

Kein Wunder, dass Forscher Hinweise auf die gesundheitsfördernde Wirkung von ländlichen Gegenden gefunden haben. Städte hingegen sollen regelrecht krank machen. Der Psychiater Mazda Adli hat zusammen mit der Alfred Herrhausen-Gesellschaft eine Forschungsgruppe zum Thema Neurourbanistik gegründet, die sich mit der stressauslösenden Wirkung von Städten befasst. Vieles ist in Großstädten aufwändiger, umständlicher und dadurch ermüdender. In Berlin planen alle immer um die 30 Minuten ein, um von A nach B zu kommen, ganz egal wohin – in Landau sind es fünf Minuten. Die restliche Zeit kann man für angenehmere Dinge aufwenden.

Eine neue Mentalität

Stadtleben hat aber auch Vorzüge, dass sehen auch Mazda Adli und seine Forschungsgruppe so: Es gibt unzählige Angebote und unendliche Möglichkeiten, seinen Alltag zu gestalten. Wer Inspiration sucht, wer sich überraschen und irritieren lassen möchte, ist in einer Stadt wie Berlin gut aufgehoben. Das Unerwartete vermisse ich manchmal im beschaulichen Landau. Auch an die fehlende Anonymität musste ich mich gewöhnen. In Berlin macht es nichts, wenn ich grimmig und in mich gekehrt einkaufen gehe. In Landau hingegen trifft man immer Menschen, die man kennt und ein kurzes “Hallo” ist das Mindeste, um sich nicht unbeliebt zu machen.

Auch wenn diese Großstadtmentalität ein wichtiger Teil meiner Identität ist, hinterlässt Landau schon erste Spuren: Als ich über Ostern in der Heimat war und das erste Mal seit Langem in eine U-Bahn stieg, ertappte ich mich bei dem freudigen Gedanken: “Na, mal sehen, wen ich jetzt zufällig treffe.” Bis ich verblüfft feststellte, dass sich da eine Kleinstadt-Denkweise eingeschlichen hat. Denn natürlich trifft man nie jemanden zufällig in Berlin. In Landau ist das allerdings an der Tagesordnung. Eine Kleinstadt kann also auch überraschen.

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