Alumni-Porträts
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Auf den Spuren von… Sebastian Dörr, Grundschullehrer und Vorreiter beim digitalen Unterricht

Tatort Turnhalle: Hier ist Sebastian Dörr in seinem Element. Foto: Privat

Tatort Turnhalle: Hier ist Sebastian Dörr in seinem Element. Foto: Privat

Sebastian Dörr ist 29 und Grundschullehrer in Edenkoben. Neben seiner Klasse unterrichtet er mehrere Sportklassen. Privat engagiert er sich als Trainer im lokalen Turnverein, ist in verschiedenen Verbänden aktiv und Referent des Sportbundes und der Sportjugend Pfalz. Im Nebenjob entwirft er eigenes Methodikmaterial unter dem Titel “FragSeb”. Sein Fokus liegt vor allem darauf, Kindern verschiedene Sportarten näher zu bringen und ihnen Freude an Bewegung zu vermitteln.

Sie sind Lehrer an der Grundschule Edenkoben. War das Ihr Traumstandort?

Ja, der Standort ist mein Wunsch gewesen. Ich komme selbst aus Edenkoben und aus verschiedenen Gründen hat es sehr viel Sinn für mich gemacht, dort zu bleiben. Ich bin seit jeher sehr aktiv im ansässigen Sportverein, dort habe ich mein Freiwilliges Soziales Jahr und mein Referendariat gemacht. Der Übergang hat dann gut geklappt. Dabei hat auch die aktuelle Personalsituation an Grundschulen dazu beigetragen, dass ich meinen Standort so einfach beibehalten konnte.

Wussten Sie schon nach der Schule, was Sie später machen wollen?

Ich habe selbst früher geturnt, war aber nicht sonderlich erfolgreich. Deshalb habe ich mit 15 den Trainerweg eingeschlagen, der mich dann zum Lehrberuf gebracht hat. Durch meinen Trainerjob hat sich mein Interesse am Grundschullehramt entwickelt. Ich hatte auch noch andere Ideen, habe mich jedoch für diesen Weg entschieden, der nun neues Entwicklungspotenzial für mich bereithält.

Welche Fächer unterrichten Sie?

Die Serie

Alumni-Porträts. Foto: Miguel Bruna/UnsplashWie soll es nach dem Abschluss weitergehen? Inspiration bieten Alumni der Universität Koblenz-Landau: In unseren Porträts erzählen sie von Karriere, Arbeitsalltag und Erinnerungen an die Studienzeit.

Als Grundschullehrer unterrichtet man prinzipiell alles. Meistens im Studium, spätestens im Referendariat, legt man seinen Schwerpunkt fest. Meiner liegt ganz klar auf Sport und Digitalisierung. Ich habe das Glück, an einer sehr großen Schule zu sein, dadurch kann ich sehr viel Sportunterricht geben.

Gibt es Dinge im Lehreralltag, von denen man als Schüler keine Ahnung hat?

Einmal die Unterrichtsvorbereitung, also die ganzen Überlegungen, die hintendran stehen. Unterricht ist eine ganz andere Nummer aus der Lehrerperspektive. Aber auch die Elternarbeit, der soziale Bezug und die Verantwortung, die man gegenüber jedem einzelnen Kind hat.

Wie handhabt Ihre Schule die Corona-Krise?

Wir sind digital gut aufgestellt, da wir schon vor Corona Teil des Projekts Medienkompetenz macht Schule waren: Bei diesem Pilotprojekt der Landesregierung erhielt unsere Schule finanzielle Mittel für die Anschaffung der nötigen Technik. Wir haben daraufhin ein eigenes Konzept erarbeitet, um den Kindern Medienkompetenz zu vermitteln. Hinzu kommt ein Kollegium mit interessierten Leuten und die nötige Infrastruktur, die wir jetzt durch eine Cloud ergänzt haben. Dadurch, dass die Technologie nicht neu ist, können wir auch ein gewisses Niveau halten. Ich gebe momentan jeden Tag Live-Unterricht über die Videokonferenz-App WebEx. So kann ich die Kids in der Schule mit Home-Schooling-Kids parallel unterrichten. Das hat auch den Vorteil, dass die Kinder trotz getrennter Standorte gemeinsam Unterricht haben: Zehn vor Ort und zehn digital zugeschaltet.

Wie unterrichten Sie Sport, wenn die Kinder nicht in die Schule kommen können?

Ich verfolge die gleichen Ziele, die ich auch im normalen Unterricht habe: Aufgrund der natürlichen Heterogenität im Sportunterricht probiere ich, offen zu arbeiten und versuche ein breites Angebot zu schaffen. Ich möchte die Schüler motivieren, sich auf ihrem Niveau etwas rauszusuchen und sich dort zu verbessern. Während der Kontaktsperren stelle ich jeden Tag eine Challenge, die Grundlagen wie Kraft fördert. Parallel gibt es sechs Sonderchallenges, beispielsweise Rolle, Rad oder Seilspringen, die die Kinder zusätzlich auswählen können. Mein Fokus liegt darauf, den Kindern Freude an Bewegung zu vermitteln.

Was ist aktuell die größte Herausforderung in Ihrem Job?

Dadurch, dass ich in der Lage bin die ganze Technik zu nutzen, habe ich an mich selbst den Anspruch, meinen Schülern einen vielfältigen, abwechslungsreichen Unterricht anzubieten. Die eigentliche Herausforderung ist es also, die Abwägung zu treffen, zwischen dem, was man erreichen will und dem, was ohne persönlichen Kontakt und mit den technischen Mitteln möglich ist.

Warum haben Sie sich für ein Studium an der Universität Koblenz-Landau entschieden?

Weil man dort Grundschullehramt mit Sport studieren konnte. Das hat für mich gut gepasst: Die lokale Attraktivität und die Möglichkeit, das zu studieren, worauf ich Lust habe.

Was haben Sie im Studium gelernt, was nicht in den Lehrbüchern zu finden ist?

Interessant waren die Anekdoten der Dozenten: Dinge, die einen persönlichen und praktischen Bezug haben, und die Sachen, die sie gemacht haben und funktionieren – nicht nur Dinge, die in den Lehrbüchern stehen. Dadurch kauft man ihnen auch ab, was sie da vermitteln.

Was ist der beste Rat, den Sie je bekommen haben?

Klar zu wissen, wie man “Nein” sagt. Prinzipiell gerne “Ja” sagen, aber zu lernen, dass “Nein” auch nicht schadet – und trotzdem so viel wie möglich auszuprobieren und offen für alles zu sein. So habe ich eine ganze Menge Chancen bekommen die mich weiter gebracht haben.

Gibt es ein Erlebnis in Ihrem Studium, das Sie inspiriert hat?

Die Art und Weise, wie mein Sportfachleiter auf meine Antwort in einer Prüfung reagiert hat, bei der ganz klar war, dass ich gerade nicht zu 100 % seine Meinung wiedergebe. Ich habe meine Meinung begründet und er hat sie akzeptiert. Das fand ich sehr beeindruckend. Es hat mir gezeigt, dass eine begründete Meinung etwas wert sein kann, auch wenn sie nicht der Meinung des Gegenübers entspricht.

Was raten Sie unseren Studierenden, die sich für Ihre Berufsbranche interessieren?

Macht unbedingt zusätzliche Praktika. Es ist ungemein wichtig, den regelmäßigen Schulalltag mitbekommen, damit man sich im Referendariat nicht vor den Kopf gestoßen fühlt, wenn die Welt auf einmal ein bisschen anders aussieht als erwartet. Außerdem: Man kann auch Fehler machen. Es kommt bei mir sowohl im Unterricht als auch in Lehrgängen vor, dass ich sage: “Weiß ich nicht, muss ich nachschauen.” oder “Das Problem hatte ich so noch nicht. Da können wir jetzt gemeinsam drangehen und eine Lösung entwickeln.” Deshalb ist Praxiserfahrung so wichtig: Man verliert die Angst vor Fehlern. Es gibt nicht “die eine” Methodik oder Technik. Solange er zu einem Ergebnis führt, das zufriedenstellend ist, ist der Weg nicht falsch gewesen.

Turnen Sie eigentlich selbst noch aktiv?

Nein, kaum noch. Jedes Schaltjahr mache ich mal einen Spaßwettkampf (lacht). Mein Fokus liegt auf dem Trainerjob.

Interview: Thomas Marwitz

 

Sebastion Dörr betreibt einen Youtube-Kanal. Hier zeigt er unter anderem Übungen für Menschen, die viel am Schreibtisch sitzen. In der aktuellen Lage eignen sie sich hervorragend, um eine kleine Verschnaufpause einzulegen, in der man die verspannten Muskeln lockert.

Das Interview ist in freundlicher Kooperation mit dem Alumni-Referat der Universität Koblenz-Landau entstanden.

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