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Auf den Spuren von… Rebecca Bundschuh, Education Project Manager bei SETAC in Brüssel

Rebecca Bundschuh arbeitet für eine Society aus Politikern, Wissenschaftlern und Wirtschaftsvertretern, die regelmäßig Umweltthemen diskutieren. Foto: Privat

Rebecca Bundschuh arbeitet für eine Society aus Politikern, Wissenschaftlern und Wirtschaftsvertretern, die regelmäßig Umweltthemen diskutieren. Foto: Privat

Rebecca Bundschuh studierte Umweltwissenschaften auf Diplom am Campus Landau und ist jetzt Education Project Manager bei SETAC in Brüssel. Dort kann sie nicht nur ihr Interesse für Ökotoxikologie und die Liebe zum Organisieren ausleben, sie arbeitet auch in einem internationalen Umfeld.

Was genau machen Sie als Education Project Manager bei SETAC?

SETAC ist eine weltweite Society, die aus Vertretern der Politik, Akademie und Wirtschaft besteht. Sie trifft sich regelmäßig, um über Umwelt- beziehungsweise Ökotoxikologie-Themen zu diskutieren. Ich koordiniere eine große Tagung in Europa, die einmal im Jahr stattfindet. Außerdem bin ich für das Zertifizierungsprogramm zuständig. Darin zertifizieren wir Einzelpersonen, die Risikobewertungen von Chemikalien durchführen und bieten Weiterbildungskurse an. Außerdem unterstütze ich unsere Studentenabteilung bei deren Aktivitäten, organisiere unser Preisprogramm und erstelle Programmbücher für die Konferenzen und Seminare.

Wie sieht Ihr Arbeitsalltag aus?

Der klassische Arbeitstag ist Büroarbeit. Relativ viel läuft über E-Mails. Da wir weltweite Kontakte haben, finden am Nachmittag häufig Telefonkonferenzen statt. Wenn eine Veranstaltung ansteht, ist der Arbeitstag komplett anders. Das sind dann sehr stressige und intensive Tage. Meine Kollegen und ich versuchen alles am Laufen zu halten und dafür zu sorgen, dass unsere Teilnehmer nichts von den kleinen und größeren Pannen mitbekommen.

Wie sind Sie an den Job gekommen?

Es gab eine Ausschreibung, auf die mich mein Doktorvater aufmerksam machte. Ich war seit meinem Abschluss im Jahr 2012 mit meiner Doktorarbeit an der Uni Landau beschäftigt. Eigentlich hätte ich mich gar nicht auf die Stelle beworben.

Warum haben Sie sich doch beworben?

Ich hab während meiner Doktorarbeit gemerkt, dass mir Wissenschaft zwar Spaß macht, eine akademische Laufbahn konnte ich mir trotzdem nicht vorstellen. Während meines Studiums hat das Institut für Umweltwissenschaften eine Tagung von SETAC ausgerichtet, bei der ich mitgeholfen habe. Auch eine Sommerakademie hatte ich mit organisiert und dabei gemerkt, dass mir die Kombination aus Wissenschaft und Organisation von Tagungen und Kursen sehr gefällt.

Wieso haben Sie sich für ein Studium an der Uni Koblenz-Landau entschieden?

Weil es Umweltwissenschaften nicht überall gibt. Ich wusste, dass ich Naturwissenschaften studieren wollte, aber nicht Biologie. Da fand ich Umweltwissenschaften mit der Kombination von vielen Naturwissenschaften am interessantesten. Wir hatten im Studium die Grundlagen von Geologie, Physik und Chemie, aber auch Ökonomie, Ethik, ein bisschen Politik und sogar einen Buchhaltungskurs. Ökotoxikologie fand ich am spannendsten und habe das als Hauptfach genommen.

Was ist im Studium besser? Sich zu spezialisieren oder sich eher allgemein auszurichten?

Ich glaube, dass es wichtig ist, dass man im Studium Sachen macht, die nicht im Curriculum festgeschrieben sind. So wie ich die SETAC Tagung mitorganisiert habe. Ich hatte nach dem Abi auch überlegt, Design zu studieren. Meine kreative Seite habe ich im Studium mit der Gestaltung von Flyern und Postern für den Master Umweltwissenschaften ausgelebt. Das mache ich jetzt auch teilweise in meinem Job, beim Erstellen von postern, Werbebannern in Social Media oder Programmbüchern. Die Arten von Jobs kann man heutzutage nicht mehr an einem Studiengang festlegen, deswegen sollte man sich auch woanders engagieren. Damit konnte ich in meinem Fall herausfinden, dass ich nicht nur Chemikalien zusammenrühren kann.

Was haben Sie noch im Studium gelernt, was nicht im Curriculum stand?

Englisch. Meine Englischnote im Abi war ehrlich gesagt miserabel. Aber wir hatten Veranstaltungen auf Englisch im Studium und es wurden internationale Redner für Vorträge eingeladen. Da wurde mir bewusst, wie toll es ist, sich mit diesen Kollegen weltweit über Small-Talk hinaus unterhalten zu können. Während meines Studiums absolvierte ich ein Praktikum in Australien, um mein Englisch aufzubessern. Da hat es Klick gemacht. Ich denke, mein damaliger Lehrer wäre überrascht, dass ich heute meinen Arbeitsalltag auf Englisch bestreite.

Was sind Ihre liebsten Erinnerungen an die Uni?

Ich fand gut, dass wir engen Kontakt zu den Dozenten hatten. Außerdem gefielen mir die Feldexperimente. Den ganzen Tag in der Gruppe auf dem Feld zu sein war zwar super anstrengend, hat aber viel Spaß gemacht.

Halten Sie noch Kontakt zur Uni?

Da die Uni auch bei SETAC vertreten ist, gibt es beruflichen Kontakt. Auch bei der großen Tagung sehe ich viele ehemalige Kommilitonen, die bei der Regierung oder Unternehmen arbeiten. Das ist manchmal wie ein Klassentreffen.

Werden Sie langfristig in Brüssel bleiben oder ist das ein Zwischenstopp?

Da mein Mann in Landau arbeitet und lebt, könnte ich mir auch vorstellen, wieder zurück zu gehen. Aber ich will meinen Job nicht aufgeben. Zurzeit funktioniert das noch und ich warte mal ab, was die Zukunft so bringt.

Was ist die größte Herausforderung in Ihrem Job?

Eine Herausforderung ist, dass SETAC als Verein von unseren Mitgliedern abhängig ist. Da viel auf freiwilliger Basis läuft, können manche Dinge auch mal länger dauern. Man braucht das richtige Feingefühl, um zu wissen, wie sehr man die Leute pushen kann. Auch wenn wir alle Englisch sprechen, gibt es die zusätzliche Herausforderung der kulturellen Unterschiede. Das ist spannend, aber auch nicht einfach. Zum Beispiel haben gibt es in manchen Ländern die Tendenz, E-Mails als Chat zu verwenden. Da kommt dann sofort eine Antwort, aber die erwarten auch innerhalb von drei Minuten eine E-Mail zurück.

Was würden Sie Menschen raten, die auch so einen Job machen wollen?

Generell würde ich raten, sich auch auf Jobs zu bewerben, bei denen man denkt, nicht zu hundert Prozent auf das Profil zu passen. Oft wissen auch die Arbeitgeber nicht, was sie suchen und haben einen gewissen Spielraum. Ich hätte mich fast nicht beworben, aber dann hat es super gepasst. Wenn man speziell in Vereinen wie SETAC arbeiten möchte, macht es Sinn, sich dort schon vorher zu beteiligen. Ich war als Studentin schon auf den Konferenzen und konnte mich dadurch viel schneller in den Job einarbeiten.

Welches war der beste Rat, den Sie bekommen haben?

Ich denke, der beste Rat war, dass man Dinge einfach ausprobieren sollte. Auch wenn es in die Hose geht. Im schlimmsten Fall hat man etwas gelernt.

Dieses Interview ist in freundlicher Kooperation mit dem Alumni-Referat der Universität Koblenz-Landau entstanden.

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