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Auf den Spuren von… Marold Wosnitza, Oberbürgermeister von Zweibrücken

Marold Wosnitza begann seine akademische Laufbahn als Student am Campus Landau. Jetzt ist er Bürgermeister in seiner Heimatstadt Zweibrücken. Foto: Philipp Sittinger

Marold Wosnitza begann seine akademische Laufbahn als Student am Campus Landau. Jetzt ist er Bürgermeister in seiner Heimatstadt Zweibrücken. Foto: Philipp Sittinger

Von der Hochschule ins Rathaus: Marold Wosnitza war Professor für Erziehungswissenschaften bis er 2018 als Oberbürgermeister von Zweibrücken kandidierte – und gewählt wurde. Vor seiner politischen Karriere begann er seine akademische Laufbahn als Student am Campus Landau. Von dort ging es als Dozent nach Heidelberg, Aachen und Australien. Trotzdem wusste er immer: Wenn Politik, dann nur in seiner Heimatstadt.

Als Sie in Ihrer ersten Vorlesung saßen, haben Sie sich damals vorgestellt, eines Tages im Rathaus zu sitzen?

Nein, beim besten Willen nicht. Ich habe mich nicht gezielt auf dieses Amt vorbereitet. Das Interesse an Kommunalpolitik kam sehr viel später.

Was hat Ihr Interesse geweckt?

Das Erste mal kam mir die Idee, mich in einer Kommune zu engagieren, als ich in Landau am Zentrum für Empirische Pädagogische Forschung (Zepf) gearbeitet habe. Dort haben wir an Projekten gearbeitet, die mit der Kommunalpolitik zu tun hatten. Ich kam in Kontakt mit den Gremien, fing an mich mit der Thematik zu beschäftigen und merkte, was man kommunal alles erreichen kann. Danach habe ich in Australien und in Aachen gearbeitet. Währendessen habe ich mich aber immer damit auseinandergesetzt, was in meiner Heimatstadt passiert. Mir war immer bewusst, wenn ich jemals in die Politik gehen würde, dann nur in Zweibrücken. Wenn man mich in Aachen gefragt hätte, hätte ich es niemals gemacht.

Wurden Sie gefragt, ob Sie kandidieren wollen?

Es ging ganz anders los. 2003 hatte ich mit meinem Verein in Zweibrücken einen Benefizlauf organisiert, der dafür gesorgt hat, dass wir eine neue Rutsche ins Freibad bekommen haben. Ein Fünftel der Einwohner hat dabei mitgemacht, das war ein starkes Statement. Dann hat ein Landtagsabgeordneter in einem Interview mit der Rheinpfalz meinen Namen genannt, als es darum ging, wer Zukunftsträger der Stadt sein könnte. In diesem Moment habe ich mich zum ersten Mal gefragt, ob das etwas für mich wäre. Vor zwei Jahren war ich dann an einem Punkt, an dem ich mich beruflich neu erfinden wollte. In diese Zeit fällt auch eine eher vage Überlegung für den freiwerdenden Posten des Oberbürgermeisters in 2020 zu kandidieren. Dann ging aber alles viel schneller als gedacht, da 2018 der damalige Oberbürgermeister verstorben ist. Da es die einzige Möglichkeit für mich war, anzutreten, habe ich das Angebot der Partei angenommen.

Sie waren also in der Politik ein Unbekannter und haben gegen einen bekannten Konkurrenten gewonnen?

Mein Konkurrent war seit über 20 Jahren im Stadtrat, seit einiger Zeit Bürgermeister und vertrat den Oberbürgermeister seit mehreren Monaten.

Wie erklären Sie sich das?

Ich war lange in Sportvereinen aktiv. Ich war Vorsitzender des Stadtverbandes für Sport, dem Dachverband aller Sportvereine in Zweibrücken. Ich war also nicht unbekannt. Im Wahlkampf habe ich dann das gemacht, was ich gelernt habe: Ich habe Projektmanagement betrieben. Wir hatten einen klaren Zeitplan und haben sehr strukturiert gearbeitet. Ich habe in den zehn Wochen nichts anderes gemacht. Das war unter anderem sehr viel Haustürwahlkampf, ich bin von Tür zu Tür gegangen. Und dann waren es so kleine Sachen, die interessante Effekte hatten: Ich habe zu meiner Nominierung ein paar rote Sneakers bekommen und hab in meinem Wahnsinn gesagt: die ziehe ich bis zum Ende der Wahl nie wieder aus. Das war eigentlich ein Gag, es hatte aber einen unfassbar interessanten Effekt. Die Leute haben mich auf der Straße an den Schuhen erkannt und so bin ich gleich mit ihnen ins Gespräch gekommen.

Hat es Sie überrascht, dass Sie gewählt wurden?

Ich bin da etwas naiv rangegangen, das sage ich ganz ehrlich. Ich hatte meinen Bekanntheitsgrad überschätzt. Ich dachte, die Leute kennen mich aus dem Sport. Aber wenn ich im Vorfeld gewusst hätte, wie niedrig der Bekanntheitsgrad wirklich war, wäre ich wahrscheinlich nicht angetreten. Ich hatte auch wahnsinnig viel Spaß beim Wahlkampf, was ich gar nicht gedacht hätte. Ich hatte eine unglaublich tolle Truppe dahinter, die innovative Ideen hatte.

Wieso haben Sie sich für das Studium Erziehungswissenschaften entschieden?

Mein Studium war alles andere als geradlinig. Ich habe angefangen Wirtschaftsingenieurswesen in Kaiserslautern zu studieren. Dort hab ich festgestellt, dass ich den Wirtschaftsteil spannender finde, als den technischen. Deswegen habe ich mich entschieden, in Saarbrücken BWL zu studieren. Weil ich mir nicht sicher war, ob das wirklich das Richtige ist, habe ich noch Berufsschullehramt und Sozialkunde dazu genommen. Ich wollte dann eigentlich eine Schreinerlehre machen, aus der aber nichts geworden ist. Ich habe mich gefragt, was mir in Saarbrücken am meisten Spaß gemacht hat und das war die Pädagogik. Also bin ich nach Landau gegangen und studierte Diplompädagogik. Dort habe ich als HiWi am Zepf angefangen und bin dort in der Forschung geblieben. Danach bin ich für Vertretungsprofessuren nach Heidelberg und Aachen gegangen und für eine Dauerstelle nach Australien. Dann kam der Ruf nach Aachen, den ich aus verschiedenen Gründen angenommen habe.

Wie sieht Ihr Arbeitsalltag jetzt aus?

Das ist eine gute Frage. Viel unterschreiben. Ich glaube, es gibt wenige Berufe, bei denen man ein so vielfältiges Themenspektrum hat. Vom verstopften Klo in der Sporthalle bis zum Flughafen haben Sie alles an einem Tag. Das macht die Politik gerade so spannend. Der Tag geht morgens um sechs los und endet oft nicht vor zehn Uhr. Wochenende gibt es auch nur noch bedingt. Aber das ist eine Entscheidung, die man trifft. Wenn man das im Vorfeld nicht berücksichtigt, macht man einen Fehler. Das Einzige, was ich persönlich unterschätzt habe: ich bin nicht mehr privat. Wenn ich durch die Fußgängerzone gehe, brauche ich jetzt doppelt so lange.

Sprechen Sie die Leute dann auf Probleme an?

Ja, oder sie sagen einfach “Hallo”. Es gibt auch die, die sich dazu setzen, wenn ich mit meiner Frau im Café sitze und von ihrem Leben erzählen. Eigentlich ist das auch schön. Aber das, was vorher privat war, ist jetzt in der Öffentlichkeit immer dienstlich. Das habe ich unterschätzt. Der Kalender verschiebt sich auch komplett, weil es kein Wochenende mehr gibt. Es gibt immer eine Eröffnung oder ein Fest.

Welcher Teil Ihres Studiums hat Sie am meisten auf das Bürgermeisteramt vorbereitet?

Wenn Sie mich fragen, was mich in meinem Leben darauf am meisten vorbereitet hat, dann waren das die zehn Jahre in der Gastro. Im Studium lernt man aber, sich mit Problemen auseinanderzusetzen und unterschiedliche Perspektiven zu berücksichtigen. Das ist aber nicht spezifisch für diesen Job wichtig, sondern wird in den meisten Jobs gebraucht. Man lernt einen gewissen Umgang mit Menschen und ein gewisses Maß an Empathi. Man lernt auch Probleme aufzuschlüsseln, zu präsentieren und so aufzubereiten, dass es verschiedene Zielgruppen verstehen. Gerade diese Zielgruppenorientierung ist etwas, das ich im Studium gelernt habe. Die Erziehungswissenschaft in Landau war damals sehr psychologisch orientiert und Landau einer der wenigen Orte, an dem man empirische Pädagogik betreiben konnte.

Inwiefern hat Sie die Gastronomie auf das Amt vorbereitet?

Wenn man aus einem soliden Mittelstandshaushalt kommt, geht man oft ans Gymnasium und ist mit seinen Mittelstandsmenschen zusammen. In der Gastro hatte ich es mit allen Bevölkerungsschichten zu tun. Da habe ich gelernt, jeden Menschen so zu nehmen, wie er ist.

Was glauben Sie ist besser, ein breit angelegtes oder ein eher spezialisiertes Studium?

Ich bin als Generalist ausgebildet worden. Für eine Hochschulkarriere ist das mittlerweile nicht der einfachste Weg. Stellenausschreibungen werden immer spezifischer. Für das, was ich in meinem Leben gemacht habe, finde ich eine breite Ausbildung aber sinnvoller. Das liegt aber auch am Typus. Man sollte sich aber auf das fokussieren, was einem Spaß macht. Dann geht man auch seinen Weg. Auch wenn man ein Studium wählt, das gerade nicht en vogue ist. Und wenn ich jetzt weiter in die Ratgeberkiste greife: Auslandsaufenthalt. Nichts prägt so wie Auslandsaufenthalte. Das ist keine verschwendete Zeit, es ist wichtig.

Waren Sie während Ihres Studiums im Ausland?

Nein, das habe ich immer bedauert. Glücklicherweise entfernen wir uns mittlerweile langsam von dem Wahn, schnell durchs Studium zu kommen. Dass nur ganz junge Absolventen Jobs finden könnten, ist der größte Unsinn. Ich habe mit Studierenden gesprochen, die mit 20 nicht ins Ausland gegangen sind, weil sie dann mit 22 den Abschluss gemacht hätten und Angst hatten, sie wären zu alt, einen Job zu finden. Das finde ich bedauerlich. Studieren ist ein Lebensgefühl. Man eignet sich Wissen an, diskutiert, engagiert sich, schaut auch mal über den Tellerrand hinaus. Klar, Studium kostet Zeit und Geld. Aber das gehört einfach dazu. Ich bedaure keinen einzigen Tag, den ich rückblickend in Studiengängen verbracht habe, die ich nicht abgeschlossen habe. Das war notwendig für meine Entwicklung. Ein Studienabbruch ist auch kein Versagen. Ein Leben lang einen Job zu machen, an dem man keine Freude hat, ist viel schlimmer.

Was würden Sie Studierenden raten, die sich für eine politische Laufbahn interessieren?

Das ist schwierig zu beantworten, weil ich mir diese Frage nie gestellt habe. Grundsätzlich sollte gesellschaftliches Engagement der Grundsatz sein. Politik als Karriere finde ich problematisch. Einem Karrierepolitiker fehlt oft der Bezug zu den Menschen, für die er die Politik macht.  Ich würde niemanden raten, in die Politik einzusteigen, ohne vorher etwas richtig abgeschlossen zu haben.

Was war der beste Rat, den Sie je bekommen haben?

Mach das, worauf du Lust hast. Das ist das, was du verfolgen solltest.

Dieses Interview ist in freundlicher Kooperation mit dem Alumni-Referat der Universität Koblenz-Landau entstanden.

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