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Auf den Spuren von… Dr. Thorsten Unger, Hochschularchivar

Was macht eigentlich ein Archivar? Der Landauer Alumnus Dr. Thorsten Unger hat für den Uniblog aus seinem Berufsalltag erzählt. Foto: Anna Philine Schöpper

Was macht eigentlich ein Archivar? Der Landauer Alumnus Dr. Thorsten Unger hat für den Uniblog aus seinem Berufsalltag erzählt. Foto: Anna Philine Schöpper

Magister Artium in Geschichte und Germanistik, später die Promotion zur Geschichte des Stifts Klingenmünster und der Kurpfalz, zu guter Letzt das Archivreferendariat mit abschließendem Staatsexamen. Seit seinem Studium am Campus Landau hat sich für Dr. Thorsten Unger einiges getan. Heute betreut er das gemeinsame Archiv der Universität und Hochschule Osnabrück, das im Niedersächsischen Landesarchiv – Abteilung Osnabrück untergebracht ist. Aber was macht eigentlich ein Archivar?

Sie sind Archivar der Universität und der Hochschule Osnabrück: Wie sind Sie Archivar geworden?

Ich habe in Landau Geschichte und Germanistik studiert. Bei uns gab es noch keine Pflichtpraktika und man musste selbst schauen, wo man am Ende unterkommt. Ich habe relativ früh im Landauer Stadtarchiv ein Praktikum gemacht und hatte seitdem vor, Archivar zu werden. Im Anschluss an das Studium folgte die Promotion und schließlich das Referendariat für den höheren Archivdienst.

Welche Rolle spielte das Referendariat für Ihren Berufsweg?

Die jeweiligen Landesarchive bilden gemeinsam mit der Archivschule Marburg in einem zweijährigen Referendariat aus, in meinem Fall war das in Nordrhein-Westfalen. Das Archiv ist in den meisten Fällen ein Arbeitsplatz für Historiker:innen und die Fähigkeit, historisch zu denken und zu forschen ist auf jeden Fall hilfreich. Aber es geht auch darüber hinaus: Man muss sich zum Beispiel in Verwaltungswissenschaften und in rechtlichen Fragen auskennen. Dafür wurde ich während des Referendariats fit gemacht.

Was sind ihre Aufgaben als Archivar?

Alumni-Porträts. Foto: Miguel Bruna/UnsplashWie soll es nach dem Abschluss weitergehen? Inspiration bieten unsere Alumni: Ehemalige Studierende erzählen von Karriere, Arbeitsalltag und Erinnerungen an die Studienzeit.

In den Bundesländern, Kommunen und eben auch Hochschulen entstehen Akten, die aus rechtlichen Gründen eine gewisse Zeit lang aufbewahrt werden müssen. Im universitären Bereich denkt man an Matrikel, Prüfungs- oder Verwaltungsunterlagen, damit man später zum Beispiel ein Zeugnis wieder ausstellen kann. Die Arbeit des Archivars geht in der Hauptsache los, wenn die Aufbewahrungsfristen abgelaufen sind und man sich fragt: Brauchen wir das noch? Als Archivar entscheide ich dann vor allem aufgrund der historischen Bedeutsamkeit über die dauerhafte Aufbewahrung im Archiv. Ich bemühe mich auch aktiv darum, Unterlagen zum studentischen Leben aufzubewahren, die ohne Universitätsarchiv oft hinten runterfallen. Beispielsweise AStA-Unterlagen und Plakate.

Das macht das Ganze wahrscheinlich greifbarer und weniger trocken.

Das “Trockene” oder auch “Staubige” ist natürlich ein typisches Klischee, mit dem man als Archivar leben muss. Da kann ich drüber schmunzeln. Das hat mit Archiv aber eigentlich nichts zu tun. Wir bekommen vielleicht mal staubige Dinge, die reinigen wir, dann sind sie nicht mehr staubig. Und zur Frage, ob das in Archiven Verwahrte “trocken” ist: Wenn ich Verwaltungsangestellten der Hochschulen Fortbildungen zur Schriftgutverwaltung gebe und dabei originale Unterlagen der Hochschulen zeige, sind sie oft überrascht, weil sie sehen, welche historische Bedeutung ihre alltägliche Arbeit mal haben kann. Als Archivar kümmere ich mich also eher um das „Entstauben“ der Akten und versuche auch durch Lehrveranstaltungen, deren Inhalte den Studierenden näherzubringen.

Was passiert mit den Akten im Archiv?

Die Akten werden erschlossen und durch konservatorische Maßnahmen für die dauerhafte Aufbewahrung fit gemacht. Über unser Archivinformationssystem kann man die übernommenen Akten recherchieren und Sie denn im Lesesaal einsehen. Zunehmend werden Archivalien auch digitalisiert und im Internet präsentiert.

Wussten Sie schon zu Studienbeginn, was sie später machen wollen?

Nein, das wusste ich nicht genau. Im Endeffekt hat es sich durch meine Studienschwerpunkte und das Praktikum im Stadtarchiv ergeben.

Welche Rolle spielt ihr Studium für ihre Tätigkeit als Archivar?

Die Arbeit im Archiv  ist inhaltlich nahe am Studium, aber trotzdem keine reine Forschungsarbeit. Das finde ich gut. Letztlich ist man ein Dienstleister und unterstützt Wissenschaft, Verwaltung und historisch Interessierte. Es ist ein sehr kommunikativer Job mit breiter Klientel, auch im universitären Bereich. Da helfen Soft Skills, die man in den Geisteswissenschaften ja grundsätzlich mitnimmt. Aber auch das Fachstudium, sich mit wissenschaftlicher Arbeit als Historiker auszukennen, ist für mich wichtig.

Warum haben Sie sich für ein Studium an der Universität Koblenz-Landau entschieden?

Ich bin selbst Landauer, deshalb lag es nahe, dort an die Uni zu gehen. Auch der landes- und regionalgeschichtliche Schwerpunkt des damaligen Lehrstuhlinhabers Franz Staab hat mir gefallen: Nicht immer nur die große Geschichte der Könige und Kaiser zu erzählen, sondern zu schauen, was regional passiert ist. Das ist wiederum eng verbunden mit dem Archiv, das ja meistens für einen eingegrenzten regionalen Bereich zuständig ist. Mit der Promotion in Freiburg habe ich dann noch Einblicke in den Wissenschaftsbetrieb an einer großen Universität erhalten.

Ihr Dissertationsthema zu Klingenmünster vermittelt den Eindruck, die Südpfalz hat Sie dennoch nicht ganz losgelassen. Wie ist es für Sie, jetzt so weit weg zu arbeiten?

Das ist eine gute Frage. Als ich mich für den Archivbereich entschieden habe, war klar, dass ich dafür flexibel sein muss. Schon für das Referendariat habe ich mich an verschiedenen Orten beworben. Nach dem Referendariat in Münster/Marburg ging es dann über das Universitätsarchiv Düsseldorf schließlich nach Osnabrück, für das letztlich auch familiäre Gründe gesprochen haben. Ich glaube, ich habe beruflich davon profitiert, Verschiedenes gesehen zu haben. Die Region um Osnabrück ist natürlich auch sehr schön, da kann man sich wohlfühlen. Mit der Südpfalz bin ich aber noch eng verbunden und ich bin auch regelmäßig dort.

Halten Sie noch Kontakt zur Uni?

Ganz direkte Kontakte hatte ich zuletzt nicht. Aber ich verfolge interessiert über Social Media, was in Landau passiert und wie die Uni gewachsen ist. Aus der Sicht eines Hochschularchivars ist die aktuelle Umstrukturierung von Koblenz, Landau und Kaiserslautern sehr spannend. Da kann man eigentlich nur hoffen, dass an einem der Standorte irgendwann ein Universitätsarchiv eingerichtet wird, das diesen Prozess und die Entscheidungsfindung “hinter den Kulissen” festhält.

Was war Ihr schönstes Erlebnis an der Universität Koblenz-Landau?

Da gibt es mehrere Dinge. Wir haben mit dem historischen Seminar einige ganz tolle Exkursionen, nach Rom, Venedig und Südengland gemacht. Außerdem gab es damals gerade keine Fachschaft Geschichte. Also haben wir eine Fachschaft gegründet und versucht Einiges voranzubringen, was sehr viel Spaß gemacht hat.

Früher waren Sie Student, heute arbeiten Sie an einer Universität. Werden Sie häufiger nostalgisch als Menschen, die nicht im universitären Betrieb tätig sind?

In Osnabrück erinnert mich einiges an Landau. Die Überschaubarkeit und die Einbettung in die Stadt. Auch die universitären Gebäude aus den 60er- und 70er-Jahren. Nostalgisch werde ich da im positiven Sinne. Es macht mir viel Spaß, durch meine aktuelle Stelle Kontakt zu Studierenden zu haben und mich in meine eigene Studienzeit zurückversetzen zu können.

Was raten Sie unseren Studierenden, die sich für Ihre Berufsbranche interessieren?

Es ist in jedem Fall sinnvoll, Praktika zu machen, denn Archive schauen bei der Auswahl heute sehr darauf, ob man bereits Einblicke und die richtige Vorstellung von dem Beruf hat. Auch für Studierende außerhalb der Geschichtswissenschaften gibt es Wege in den Archivarsberuf. Egal ob Referendariat oder Ausbildung zum Archivar: Am Ende hat man momentan zu 100 Prozent sicher einen Job. In den letzten Jahren ist viel zu wenig ausgebildet worden. Gleichzeitig werden viele Stellen geschaffen, gerade auch bei Hochschulen, die ein tolles Arbeitsumfeld bieten.

Interview: Annika Namyslo

Das Interview ist in freundlicher Kooperation mit dem Alumni-Referat der Universität Koblenz-Landau entstanden.

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