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Auf den Spuren von… Benjamin Burkard, freier Künstler

Atelier statt Klassenzimmer: Benjamin Burkard hat sich nach seinem Lehramtsstudium entschlossen, als freier Künstler zu arbeiten. Fotos. Thomas Marwitz

Atelier statt Klassenzimmer: Benjamin Burkard hat sich nach seinem Lehramtsstudium entschlossen, als freier Künstler zu arbeiten. Fotos. Thomas Marwitz

Benjamin Burkard hat am Campus Landau Biologie und Kunst auf Lehramt studiert. Als er ein Stipendium für die Malerei erhielt, krempelte er seinen Plan fürs Leben um. Mittlerweile ist er als freier Künstler erfolgreich. Bei einem Treffen in seinem Atelier erzählt er von seiner künstlerischen Arbeit und seinem Projekt “Mein pandemischer Monolog”.

Sie sind freier Künstler mit eigenem Atelier. Wie sieht ein normaler Arbeitstag bei Ihnen aus?

Alumni-Porträts. Foto: Miguel Bruna/UnsplashWie soll es nach dem Abschluss weitergehen? Inspiration bieten unsere Alumni: Ehemalige Studierende erzählen von Karriere, Arbeitsalltag und Erinnerungen an die Studienzeit.

Momentan stehe ich um 5 oder 6 Uhr auf, mache mir einen Kaffee und gehe ins Atelier. Dort male ich und produziere Filme. Außerdem beantworte ich noch Mails und betreibe digitales Marketing. Ich versuche aber, den Großteil meiner Zeit zu malen. Mein Arbeitstag geht bis 15, 16 Uhr, dann fahre ich nach Hause zu meiner Familie.

Worin sehen Sie Ihre Aufgabe als Künstler?

Meiner Ansicht nach ist der Künstler ein personifizierter Zeitzeuge, der alles um sich herum, was er erlebt, was er wahrnimmt, durch die Kunst wiedergibt – in meinem Fall durch die künstlerische Disziplin der Malerei. Ich gebe dem Betrachter eine Perspektive, sodass er versuchen kann, sich die Dinge aus einem anderen Blickwinkel anzuschauen

Was für Einschränkungen hat Ihr Arbeitsalltag durch Corona?

13 meiner Veranstaltungen wurden abgesagt, auch Messeteilnahmen, bei denen normalerweise 20.000 Leute deine Kunst wahrnehmen können. Das alles fällt weg. Dadurch fehlt die Möglichkeit, Umsatz zu generieren. Das wirkt sich rückwirkend auf deine Arbeitsweise aus, weil du im Kopf nicht nur bei den Bildern bist. Stattdessen hast du jetzt auch viele Gedanken im Kopf, wie es weitergeht. Wenn dir die Geschäftsgrundlage entzogen wird und du nicht die Möglichkeit hast, was zu verdienen, musst du dir als Familienvater überlegen: Was machst du? Daraus ist meine Videoserie entstanden.

Benjamin Burkard in seinem Atelier.

… “Mein pandemischer Monolog” – dafür wurde Ihnen von der Stiftung Kultur in Rheinlandpfalz sogar ein Stipendium verliehen. Wie kamen Sie auf diese Idee?

Zum einen ist es eine gewisse Verarbeitung der aktuellen Umstände. Der Grundgedanke war: Wie zeige ich meine Kunst? Ich möchte mit den Leuten in Gespräch kommen. Die einzige Möglichkeit war digital. Im Studium gab es Berührungen mit dem Medium Video, wirklich damit auseinandergesetzt habe ich mich erst jetzt. Die Musik stammt von Daniel Merfert, der coronatechnisch im gleichen Boot sitzt. Als ich ihn angefragt habe, war er so Feuer und Flamme, dass er sich über Nacht hingesetzt hat und für mich komponiert hat.

Für seinen "Pandemischen Monolog" steht Burkard vor und hinter der Kamera.

Für seinen “Pandemischen Monolog” steht Burkard vor und hinter der Kamera.

Wie war die Resonanz?

Extrem hoch. Viele haben sich gefreut, dass jemand etwas tut und nicht einfach nur meckert. Vielen hat es auch Mut gemacht, selbst wieder etwas zu kreieren. Es hat sie inspiriert und motiviert zu sehen, dass jemand aus diesem Problem etwas schöpft, was vorher noch nicht da war. Es haben sich auch wieder Leute bei mir gemeldet, mit denen ich davor nicht mehr viel Kontakt hatte.

Mit dem Videoprojekt möchte der Künstler anderen seinen Arbeitsalltag im Atelier näherbringen.

Mit dem Videoprojekt möchte der Künstler anderen seinen Arbeitsalltag im Atelier näherbringen.

Sie haben zuerst Kunst und Biologie auf Lehramt studiert. Wussten Sie schon zu Studienbeginn, was Sie später machen wollen?

Ich war anfangs sehr sicher, Lehrer werden zu wollen. Das hat sich erst im Laufe des Studiums gewandelt. Meine Bachelorarbeit hat beleuchtet, warum unser Klassensystem das Ungeeignetste ist, um Kunst zu unterrichten: Inspiration außerhalb des Klassenraums zu sammeln und einen ästhetischen Blick zu lehren, das ist quasi nicht umsetzbar.

Stattdessen habe ich mich immer weiter zur freien Kunst hingezogen gefühlt. Neben meinem eigenen Interesse war auch die Bestätigung, die ich in diesem Feld erfahren habe, ausschlaggebend.  Dann habe ich das Heinrich-von-Zügel-Stipendium erhalten, was mir eine Wohnung und ein Atelier in Wörth für ein ganzes Jahr finanziert hat. Da kommst du dann ins Grübeln: Da hast du ein Atelier vor der Nase und würdest es nur halbherzig nutzen, wenn du ein Studium machst, bei dem du sowieso schon gezweifelt hast, ob dich der Beruf danach glücklich macht. Ich habe mich für die Zeit im Atelier entschieden.

Später stand ich vor der Frage der Berufswahl. Die Malerei hat mir viel gegeben. Man darf nur nicht die andere Seite der Medaille vergessen: Kannst du von der Kunst leben? Also habe ich mir gesagt: Du hast dein Examen in der Tasche. Du probierst es jetzt fünf Jahre. Wenn du davon nicht leben kannst, kann immer noch ins Referendariat einsteigen.

 

"Wir sehen uns im Zenith" - für das Bild aus seiner Maschinenserie erhielt Burkard den "Junge Kunst in der Villa-Preis" des Kunstvereins Neustadt.

“Wir sehen uns im Zenith” – für das Bild aus seiner Maschinenserie erhielt Burkard den “Junge Kunst in der Villa-Preis” des Kunstvereins Neustadt.

Woher kommt Ihre Inspiration?

Im Studium war es vor allem die Maschinerie. Lange Zeit habe ich Maschinen gemalt und mich auch interdisziplinär mit dem Thema Maschine und Technik in der heutigen Zeit beschäftigt. Es hat mich fasziniert, dass Maschinen einen Ansatz der künstlichen Evolution darstellen. Häufig hat sich dann einfach der Drang entwickelt, daraus ein Bild zu machen. Das hat sich inzwischen ein Stück weit gewandelt. Der Prozess ist viel überlegter geworden. Ich versuche, durch die Welt zu gehen und möglichst viel schön zu finden. Den Blick für Schönheit zu etablieren, eröffnet dir inspiratorisch unglaubliche Möglichkeiten. Früher wäre ich nie auf die Idee gekommen, einen Dackel zu malen. Auch Toilettenpapier sehe ich jetzt mit anderen Augen.

Das Leben in Pandemiezeiten hat seine Spuren auf der Leinwand hinterlassen.

Das Leben in Pandemiezeiten hat seine Spuren auf der Leinwand hinterlassen.

Welche Rolle spielt Ihr Studium für Ihre Tätigkeit als Künstler?

Das Pädagogikstudium eröffnet eine Sichtweise, wie du etwas vermittelst. Gerade die Didaktik ermöglicht es erst, Dinge zugänglich zu machen. Ich bilde mir zumindest ein, dass ich weiß, wie Bilder funktionieren und wie man es in Worte fasst. Das Wissen aus dem Biologiestudium hat mir eine Rückendeckung gegeben, mit dem ich viel in der Maschinenserie begründen konnte. Ich lege eigentlich jedem ans Herz, ein kleines Biostudium zu absolvieren.

Halten Sie noch Kontakt zur Uni?

Ja, zu einigen Professoren tatsächlich. Man hat natürlich nur sporadisch Kontakt. Ich beobachte, dass sie manchmal auf meinen Kunstausstellungen erscheinen. Sie interessieren sich wirklich für ihre Studierenden.

Was haben Sie im Studium gelernt, was nicht in den Lehrbüchern zu finden ist?

Ein ganz tolles Beispiel ist unser alter Didaktikprof: Er hat eigentlich immer etwas erzählt, was abseits des Regulären war. Die Vorlesung hat mit der Schule fast nie etwas zu tun gehabt. Erst ein paar Jahre danach ist mir ein Licht aufgegangen, dass es eigentlich total clever war, was er da erzählt hat. Seine didaktische Lehre hat darauf abgezielt, dass du Schüler nicht im Raum lässt, sondern den ästhetischen Blick lehrst. Was könnte schön sein und was könnte man damit machen?

Aktuell beschäftigt sich Burkard mit Jäger- und Heimatmotiven.

Was ist der beste Rat, den Sie je bekommen haben?

Ich war mal mit einem Kumpel in Berlin bei einer Ausstellung mit Bildern, die ich in Wörth gemalt habe. Für den Tag habe ich mir einen Plan gemacht, welche Galerien ich außerdem besuchen will. Sogar ein Portfolio hatte ich mir zurechtgelegt. Zufällig stand vor der Kunsthalle der Kunstprofessor Thaddeus Hüppi. Mit dem bin ich dann ins Gespräch gekommen und habe ihm auch meine Mappe gezeigt: “Du bist 23?”, hat er gesagt. “Die Kunst ist klasse. Aber: Komm nicht in die Großstadt. Hier gibt es so viel Konkurrenz, dass gute Kunst einfach kaputtgemacht wird. Mach dich im Umland stark und komm dann mit Rückenwind in die Großstadt.”

Was raten Sie unseren Studierenden, die sich für Ihre Berufsbranche interessieren?

Mach’s nicht! (lacht) Kunst ist oft nicht das, was sie nach außen zu sein scheint. Du musst viel machen, was vorrangig nicht mit deiner handwerklichen Seite zu hat, vor allem Marketing. Obwohl die handwerkliche Seite für sich schon ein Fulltime-Job bedeutet. Du brauchst viel Menschenkenntnis, Planung, Geduld, einen langen Atem und musst dir bewusst sein, dass du nicht genau weißt, ob es funktioniert.

 Interview: Thomas Marwitz

Das Interview ist in freundlicher Kooperation mit dem Alumni-Referat der Universität Koblenz-Landau entstanden.

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