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An der frischen Luft Geld verdienen: Nebenjob Postbote

Tobias Rippen arbeitet bei der Deutschen Post als Zusteller. Neben dem Vorteil an der frischen Luft zu arbeiten, schätzt er vor allem die Kollegialität. Foto: Philipp Sittinger

Tobias Rippen arbeitet bei der Deutschen Post als Zusteller. Neben dem Vorteil an der frischen Luft zu arbeiten, schätzt er vor allem die Kollegialität. Foto: Philipp Sittinger

Dank Tobias Rippen bekommen die Menschen in Billigheim-Ingenheim Briefe und Pakete. Der Landauer Psychologiestudent arbeitet als Verbundzusteller der Deutschen Post. Ein Job für Frühaufsteher und Frischluft-Fans.

Seit wann machen Sie den Job?

Im April 2015 habe ich als Postbote angefangen. Neben dem Studium mache ich das zwei, drei mal die Woche, je nachdem wie es passt. Nur während eines Praktikums habe ich ein halbes Jahr mal ausgesetzt.

Sind Sie im Umkreis von Landau mit dem Fahrrad unterwegs?

Die Serie

Das WG-Zimmer, das eigene Auto, der Kinobesuch mit Freunden: Das alles will bezahlt werden. Viele Studierende verdienen sich neben der Unterstützung der Eltern und Bafög etwas dazu oder finanzieren ihr Studium komplett selbst. Uniblog stellt in einer Serie Studierende und ihre Nebenjobs vor. Von alltäglich bis kurios ist fast alles dabei. Bisher erschienene Artikel finden sie hier.

Nein, ich bekomme ein Auto gestellt. So ein schönes, gelbes Postauto.

Und schmeißen Sie die Pakete auch so aus dem Auto raus, wie es das Klischee besagt?

(lacht) Nein. Normalerweise trage ich die Pakete bis an die Haustür, klingele da und übergebe sie persönlich.

Lohnt sich der Job finanziell?

Ja, sonst würde ich das vermutlich nicht mehr machen. Ich kriege ungefähr 13 Euro die Stunde. Damit komme ich ganz gut über die Runden.

Wie lange dauert eine Zustelltour?

Das hängt davon ab, wie viel Post man hat und wie lange es dauert, bis alles weg ist. Es kommt auch auf die Jahreszeit an, zu Weihnachten dauert es eher länger. Aber generell fang ich um 7 Uhr an und bin dann zwischen 15 und 17 Uhr wieder zu Hause.

Dann arbeiten Sie ja fast den ganzen Tag.

Ja, zum Glück. Ich finde, wenn man sich einen Tag zum Arbeiten nimmt, kann der gerne länger dauern. Zumal ich nach Stunden bezahlt werde. Also je länger es dauert, umso mehr bekomme ich dann auch.

Sind Sie da nicht manchmal versucht, die Zeit absichtlich in die Länge zu ziehen?

Natürlich nicht. Jeder, der schon mal gearbeitet hat, weiß, dass man sich freut, wenn man irgendwann fertig ist. Da ist die Zeit wertvoller als zehn Euro mehr Lohn.

Wie sind Sie an den Job gekommen?

Über Freunde und Bekannte, die den Job auch gemacht haben.

Wie lief die Bewerbung ab?

Ich weiß nicht mehr genau, wie das war und ob ich überhaupt eine schriftliche Bewerbung abgeben habe. Nach einem Telefonat wurde ich zu einem Schnuppertag eingeladen. Ich bin dann bei einem Kollegen mitgefahren und habe ausgeholfen. Er hat mir die Rückmeldung gegeben, dass ich geeignet wäre und dann wurde ich zur Einarbeitung eingeladen. Das ging relativ schnell. Auf vielen Postautos steht auch eine Nummer, unter der man sich bewerben kann.

Warum tragen Sie in Billigheim-Ingenheim aus?

Das habe ich mir nicht ausgesucht, dort wurde einfach jemand gebraucht.

Hat jeder Postbote seine eigene Route oder könnten Sie auch woanders eingesetzt werden?

Theoretisch könnte ich überall eingesetzt werden. Dafür müsste man mich aber einige Tage anlernen.

Was wird einem Postboten beigebracht?

Zuerst lernt man die genaue Route. Dann gibt es in jedem Bezirk Besonderheiten. Die Kunden haben spezielle Wünsche und man lernt, welcher Nachbar für wen Pakete annimmt. Die Einarbeitung dauerte sechs Wochen. In den ersten zwei Wochen bin ich jeden Tag bei einem Kollegen mitgefahren und die anderen vier Wochen war ich jeden Tag alleine unterwegs. Es klingt zunächst einfach, Postbote zu sein, aber es gibt viele kleine Prozesse, die man wissen und einüben muss. Sonst schafft man die Menge nicht an einem Tag.

Wie viele Briefe und Pakete stellen Sie an einem Tag zu?

Das ist sehr unterschiedlich und schwer zu sagen. Für die Pakete bekomme ich am Anfang des Tages Soll-Daten, wie viele Pakete da sein sollten. Wenn mir 60 Pakete angezeigt werden, dann freue ich mich über die kleine Menge. Wenn 100 Pakete angezeigt werden, weiß ich, dass ich mehr zu tun haben werde.

Lesen Sie fremde Postkarten?

(lacht) Nein. Ich lese auch keine Absender. Bei Paketen schaue ich auch nicht, woher die kommen oder was da drin sein könnte. Ich bin eher damit beschäftigt, ob ich alle Pakete los werde und ob die Empfänger zu Hause sind. Es gibt auch erstaunlich wenige Postkarten, der Großteil sind Rechnungen und Werbung. Schade eigentlich.

Was macht Ihnen am meisten Spaß?

Die Kollegialität. Morgens zwischen sieben und neun Uhr sind alle Postboten beim “Stecken”. Da sortieren wir in der Landauer Postzentrale die Post vor. Die kleinen Briefe sind schon sortiert, aber die großen Sachen – die heißen bei uns “Grobholz” – sortiert jeder Postbote selber in Kisten vor. Das ist eine anstrengende Aufgabe und schweißt zusammen. Es ist eine Arbeit, bei der man sieht, was man gemacht hat. Morgens ist das Auto voll mit Post und abends, wenn das Auto dann leer ist, weiß man, was man geschafft hat. Schön finde ich auch, dass ich an der frischen Luft arbeiten kann. Das ist ein Privileg.

Würden Sie den Job für Studierende weiterempfehlen?

Ja. Wenn man nichts dagegen hat, ein bisschen körperlich zu arbeiten, den ganzen Tag unterwegs zu sein und draußen zu arbeiten, dann ist es ein empfehlenswerter Job.

Welche besonderen Voraussetzungen sollte man mitbringen?

An und für sich kann den Job jeder machen. Es gibt auch viele weibliche Zusteller. Körperlich schafft man das auf jeden Fall.

Man braucht aber einen Führerschein?

Jein. Wenn man keinen hat, kann man auch auf dem Fahrrad Briefe zustellen. Auch ein Führerschein Klasse B reicht. Das große Auto zu fahren, lernt man dann.

Und man sollte kein Problem damit haben, früh aufzustehen?

Also wenn ich 7 Uhr anfange, stehe ich 6.15 Uhr auf. Ich finde, das ist total in Ordnung. Das Problem am frühen Aufstehen ist ja eigentlich die frühe Nachtruhe am Abend zuvor. Aber wenn ich den ganzen Tag Post zugestellt habe, bin ich abends auch müde. Das spielt sich schon ein.

Auf einer Skala von 1 bis 5, wie kompatibel ist der Job mit dem Studium?

Ganz klar eine 5. Oder vielleicht 4,5, weil man die sechs Wochen Einarbeitungszeit hat. Aber dann ist es wirklich sehr flexibel, wie viel und wann man arbeitet. Ich kann mir aussuchen, an welchen Tagen ich arbeite oder auch mal nicht arbeite. Theoretisch könnte ich auch Vollzeit arbeiten.

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