Start up: Gründergeschichten
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Alles begann mit einem Jingle für Landau

Die Lehramtsstudenten Jan Kornelsen und Julian Herder haben mit Univeritätsmusikdirektor Olaf Maier das Unternehmen Klangwerk Südpfalz gegründet. Foto: Philipp Sittinger

Die Lehramtsstudenten Jan Kornelsen und Julian Herder haben mit Univeritätsmusikdirektor Olaf Maier das Unternehmen Klangwerk Südpfalz gegründet. Foto: Philipp Sittinger

Schon während ihres Studiums gründeten die beiden Lehramtsstudenten Jan Kornelsen und Julian Herder gemeinsam mit Universitätsmusikdirektor und Musikdozent Olaf Meyer das Unternehmen Klangwerk Südpfalz. Nicht nur das Landauer Rathaus profitierte bereits von der kleinen Firma.

Die Serie

Start-Up. Foto: Diego PH/UnsplashVom eigenen Konzept zum eigenen Unternehmen –
In unseren Gründergeschichten stellen wir Studierende und Absolventen vor, die den Schritt in die Selbständigkeit gewagt haben.

“Wir haben einfach mal draufloskomponiert; die Landesgartenschau ging bald los und wir dachten, die Stadt Landau hat vielleicht Interesse an einem Jingle”, erinnert sich Jan Kornelsen an den Beginn des Unternehmens Klangwerk Südpfalz. Die Idee kam von Olaf Meyer. Der Dozent hatte davon gehört, dass Kornelsen in seiner Freizeit gerne kleinere Songs komponiert und bereits ein paar Lieder für Youtube-Videos produziert hatte. Also fragte er den damaligen Musik– und Sportstudenten, ob er Lust habe, mit ihm ein Jingle für die Stadt Landau zu komponieren. Dem damaligen Bürgermeister Thomas Hirsch gefiel der Jingle. Seither ist er in den Telefonanlagen der Stadt zu hören, wenn man etwa außerhalb der Servicezeiten anruft. Nachdem die erste Produktion gut funktioniert hatte, hofften Olaf Meyer und Jan Kornelsen auf mehr Aufträge. Aber wer mehr Aufträge hat, hat auch mehr Arbeit. Über professionelles Abmischen und technische Standards wussten die beiden nicht viel. Also sprachen sie Kornelsens Kommilitonen Julian Herder an, denn der hatte ein eigenes Studio in seiner Wohnung. “Ich habe mich sehr über die Anfrage gefreut. So konnte ich mein Studio auch über mein Hobby hinaus verwenden”, erinnert sich Herder. Er sagte also direkt zu und das Trio war vollständig.

Zu dritt in fast allen Musikrichtungen unterwegs

“Durch Julian hatten wird dann jemanden für die technische Seite. Mit seinem privaten Studio konnten wir professionelle Aufnahmen machen und direkt vor Ort abmischen”, erklärt Kornelsen. Herder hat vor seinem Musik- und Englischstudium eine Ausbildung zum Live- und Studiomusiker an der Deutschen Popakademie in Köln gemacht. “Wir sind ein gutes Gespann für die Arbeit. Durch die technische Hilfe von Julian konnten wir uns ganz auf das Komponieren konzentrieren.” Außerdem können die drei Musiker zusammen fast alle musikalischen Anforderungen abdecken. Julian Herder kennt sich mit dem Blues-, Rock- und Jazzbereich aus, Olaf Meyer ist Spezialist in klassischer Musik und Jan Kornelsen ist in moderner Popmusik zuhause. Er ist mit Hip-Hop aufgewachsen. “Dadurch, dass jeder weiß, was die anderen können, vertrauen wir uns sehr. Einmal hat Julian gesagt, ich soll wie ein kleines Mädchen singen. Ich war erst verwirrt, habe es dann aber gemacht. Und es war überraschenderweise sehr gut!”, lacht Kornelsen.

Passende Tonarten für Kinderstimmen

Als Julian Herder zur Firma dazukam, lag bereits ein großer Auftrag vor. Der SWR hatte die Mitarbeit an einer erweiterten Neuauflage von Wizadora als Englisch-Lern-App ausgeschrieben. Wizadora entstand in den 1990ern zunächst als Kinderserie, zu der dann Material zum Englischlernen hinzukam. Für die neue, musikbasierte App sollten ein paar vorhandene Songs aus den 1990er-Jahren neu aufgelegt und andere komplett neu produziert werden. “Die Arbeit mit dem SWR war sehr intensiv. Wir haben jedes Lied bestimmt zwölf Mal produziert”, erinnert sich Herder. Dies bedeutete auch viel Kommunikation mit den Verantwortlichen des SWR. “Wenn wir zum Beispiel externe Sänger eingeladen haben, war oft auch die Redakteurin bei den Aufnahmen dabei. So waren deutlich weniger Feedbackrunden nötig”, erklärt er. Durch seine langjährige Tätigkeit an der Universität als Musikdozent, Chorleiter und durch seine Arbeit mit dem Vokalensemble kennt Olaf Meyer viele Musiker. Dies hilft dem Trio immer die passende Stimme für die Songs finden, selbst wenn der Auftraggeber einmal eine außergewöhnliche Stimme erwartet. “Wir haben auch mal inseriert, um jemanden zu finden. Aber es hat immer irgendwie geklappt”, erzählt Julian Herder. Das Projekt mit dem SWR dauerte zwei Jahre, zwischendurch wechselte sogar die Redakteurin für die App. Dies verzögerte die Arbeit etwas. Besonders interessant war für die heutigen Lehrer damals die Tatsache, dass es sich um ein Kinderlehrbuch als App handelte. Durch ihre pädagogische Ausbildung waren sie besonders gut dafür geeignet. “Wir haben die Tonarten der Lieder zum Beispiel so gewählt, dass sie für Kinderstimmen passen. Auch die Länge der Lieder und die Anzahl der Vokabeln haben wir angepasst. Die Lieder dürfen nicht zu kompliziert sein. Daran hätten andere Produzenten eventuell nicht gedacht”, sagt Kornelsen.

Abwechslungsreicher geht’s nicht

Die Arbeit mit dem SWR stellte die Musiker vor verschiedene Herausforderungen. “Manchmal hat man einfach keine Ahnung, in welche Richtung so ein Song gehen soll. Wir sollten zum Beispiel ein Lied für die Wörter “why” und “because” machen. Das haben wir dann in einer Mischung aus Elektro-, Emo- und Pop-Stil aufgelegt. Wir dachten, dass das niemals so abgenommen wird”, erinnert er sich. Doch die Mitarbeiter des SWR fanden den Song gut und die Musiker mussten nichts daran ändern. “Wenn man wenig Vorgaben hat, sind das Risiko und die Herausforderung groß, aber die Belohnung am Ende dann umso größer”, erzählt Kornelsen. Julian Herder mag vor allem die Aufnahmetermine: “Da habe ich zwar nicht so viel zu tun aber da entsteht etwas, das es nur einmal gibt, etwas ganz Neues. Das Herumprobieren, also der Prozess, das gefällt mir am besten”. Für Kornelsen ist alles, was nach dem Komponieren kommt, am schönsten: “Die Präsentation der Songs, die Verbesserungsvorschläge. Wenn während der Zeit im Studio etwas passiert und die Songs Gestalt annehmen.” Am liebsten würden die beiden einmal Filmmusik machen. “Das wäre eine große Herausforderung, abwechslungsreicher geht’s nicht!”, sagt Kornelsen dazu. Aber jede einzelne Art von Musik habe seine herausfordernden Seiten. Ein kleines Orchesterstück zu produzieren, sei ähnlich schwer wie einen viersekündigen Jingle, erklärt Jan Kornelsen: “Der soll sich in das Hirn der Leute reinbrennen. Da spielt so viel mit rein!” ”

Arbeit als Hobby

Beide Musiker arbeiten hauptberuflich als Lehrer, die Arbeit für Klangwerk Südpfalz machen sie nebenher. “Es gibt Zeiten, da machen wir gar nichts und manchmal arbeiten wir zwei Wochen am Stück”, sagt Kornelsen. Die beiden sehen die Firma als eine Art Hobby. “Das ist für mich Freizeit. Wenn wir dabei etwas verdienen, ist das natürlich besonders toll”, sagt Kornelsen. Trotz der Zeit, die sie in die Firma investieren, stecken sie auch Energie in sonstige musikalische Projekte. Julian Herder spielt zum Beispiel seit 2015 in der Landauer Toto-Tribute-Band HYDRA. Nach seiner Ausbildung in Köln wusste Herder zunächst nicht, wie es weitergehen soll: “Ich wollte gern von Köln weg. Dort gibt es viele Musikschaffende und eine starke Ellenbogen-Gesellschaft. Ich wollte etwas finden, um mit Musik in eine seriösere Richtung gehen zu können. Also habe ich mich für das Lehramtsstudium in Landau beworben”, erzählt Herder. Jan Kornelsen spielte ebenfalls in Bands, hat aber aufgehört: “Einmal hatten wir sogar einen Auftritt beim Landauer Sommer. Inzwischen mache ich Musik lieber zuhause für mich oder mit meiner Frau”, erzählt er. Besonders glücklich ist er über sein neues Piano: ein restaurierter Bechstein-Flügel aus dem Jahr 1907. “Dafür bin ich quer durch Deutschland gefahren. Ich habe über vierzig Stück ausprobiert, bevor ich den richtigen gefunden habe”, erinnert er sich. Herder stimmt zu: “Ich habe mindestens vierzig bis fünfzig verschiedene Gitarren gespielt. Bei einer habe ich gemerkt, dass es passt. Alle anderen habe ich verkauft.” Kornelsen hat sich für das Lehramtsstudium entschieden, weil für ihn ein geregeltes Leben wichtig war: “Ich kannte einige Musiker und wusste daher, wie das Musiker-Leben ist”, erinnert er sich. “Nach der Schule habe ich überlegt, was ich machen möchte, und habe festgestellt, dass mich nichts interessiert außer Musik und Sport”, erzählt er. Also entschied er sich für ein Lehramtsstudium.

Hilfe suchen bei Firmengründung

“Eines der wichtigsten Dinge bei der Gründung einer Firma ist ein Fachmann für Bürokratie”, erklärt Kornelsen. “Man darf die eigentliche Arbeit, das was einem Spaß macht, nicht aus den Augen verlieren bei all dem Papierkram, den man bei so einer eigenen Firma erledigen muss”, sagt Herder. Glücklicherweise ist Herders Vater Steuerberater, der schon vielen Firmen bei der Gründung geholfen hat. Er hat die drei Musiker bezüglich der Gewerbeform und weiteren steuerlichen Angelegenheiten unterstützt. “Ich bin Lehrer, ich hab doch keine Ahnung von so was”, lacht Kornelsen. Das könne dann auch schnell frustrierend sein. Damit man dennoch nicht die Lust an der Arbeit verliert, ist der Tipp der beiden, sich Hilfe für solche Themen zu holen. “Nach ein paar Jahren ist das Routine und man kann selbst seine Bilanz ziehen und mit dem Finanzamt arbeiten. Aber am Anfang war die Hilfe schon wirklich gut”, sagt Herder.

Rebecca Singer

 

 

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