Uni-Menschen
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360-Grad Sport für überall: Roundnet

Klara Bauer und Saymon Ev, Studierende am Campus Koblenz, sind passionierte Roundnet-Spieler*innen. Sie bieten Trainingsstunden an und waren selbst 2022 bei den Meisterschaften dabei. Fotos: Jan Luca Mies

Klara und Saymon, Studierende am Campus Koblenz, sind passionierte Roundnet-Spieler*innen. Sie bieten Trainingsstunden an und waren selbst 2022 bei den Meisterschaften dabei. Fotos: Jan Luca Mies

Euphorische Rufe, Sonnenschein, ein trampolinartiges Netz und ein kleiner gelber Ball: Ein neuer Trendsport erobert die Parks und Wiesen in Koblenz. Ähnlich wie das runde Spielgerät fliegen die Spielenden beim Roundnet durch die Luft. Regelmäßig treffen sich im Sommer Sportbegeisterte am Rhein, um sich der Mischung aus Volleyball und Tischtennis zu widmen, die viele fälschlicherweise als Spikeball kennen. Klara Bauer und Saymon Ev studieren Lehramt an der Universität in Koblenz und leiten eine Trainingsgruppe. Beide sehen die Pluspunkte des Trendsports: Gemeinschaft und Fairplay.

 Foto: ColourboxIn unserer Serie Uni-Menschen stellen wir euch interessante Persönlichkeiten vor, die an der Universität Koblenz-Landau studieren und arbeiten.

Knapp über dem Boden schlägt eine Hand den Ball rückwärts auf das Netz – er springt weit ab und landet auf der Wiese. Ein spektakulärer Punkt! Lauter Jubel und Abklatschen, auch mit dem gegnerischen Team. Neben dem Spaß ist die Community für Klara und Saymon das Tollste beim Roundnet: “Egal, ob nach privaten Spielen oder Wettkämpfen, man sitzt zusammen und feiert.” So auch in Koblenz. Lange nach dem Ende des Trainings sitzen viele noch im Gras und plaudern.

Eine gerade Fläche, ein rundes Plastikgestell mit Netz auf dem Boden, ein Ball und vier Personen: Mehr braucht es nicht für eine spannende Runde Roundnet. Innerhalb einer Minute ist alles auf- beziehungsweise abgebaut. Egal ob Park, Strand, Halle oder der eigene Garten, alle möglichen Gelände können schnell zur Roundnetarena werden.

Einstieg jederzeit möglich

Die Grundregeln sind einfach: Gespielt wird zwei gegen zwei. Das Ziel liegt darin, den Ball so auf das Netz zu schlagen, dass das gegnerische Team ihn nicht daran hindern kann, nach dem Abprallen vom Netz den Boden zu berühren. Bei erfolgreichem Bodenkontakt gibt es einen Punkt. Das andere Team darf jedes Körperteil nutzen, um den Ball in der Luft zu halten. Das Spielgerät darf aber nicht gefangen oder doppelt berührt werden. Durch diese einfachen Regeln kann man sofort mitspielen – und hat sofort Spaß.

Klara beim Aufschlag. Den Sommer über trainiert die Gruppe auf den Rheinwiesen.

Klara beim Aufschlag. Den Sommer über trainiert die Gruppe auf den Rheinwiesen.

Roundnet ist wahrscheinlich der einzige 360-Grad-Sport. Beim Fußball gibt es Tore, beim Basketball Körbe, beim Roundnet ist es egal, wo ein Punkt erzielt wird, solange der Ball übers Netz gespielt wird. Die Spieler*innen können sich nach dem Aufschlag in alle Himmelsrichtungen bewegen.  “Man muss ständig konzentriert sein. Alles kann passieren”, erklärt Saymon seine Faszination, “So wird man koordinativ stark gefordert.”

Eine weitere Besonderheit: Es gibt keine Schiedsrichter*innen. Für Klara und Saymon ist Fairplay die wichtigste Regel. Das erklärt der Roundnetverband Germany ebenfalls auf der offiziellen Homepage. Selbst bei der Deutschen Meisterschaft wird ohne “Schiri” um die Krone gekämpft.

Aufschlag, Annahme, Set und Spike

Eine Runde Roundnet beginnt mit dem Aufschlag. Wie beim Volleyballaufschlag wirft eine Person den Ball im Stand hoch und schlägt ihn aus der Luft auf das Netz. Nun hat das andere Team drei Ballkontakte, um ihn zurückzuspielen: Die Annahme ist der erste Kontakt, bei dem versucht wird, den Angriff zu entschärfen. Der anschließende Set stellt den Versuch dar, den Ball so über dem Netz zu positionieren, dass der Mitspielende gut angreifen kann. Der Spike, der Angriffsschlag aufs Netz, rundet den Spielzug ab.

Leicht zu spielen, schwer zu meistern

Was so einsteigerfreundlich beginnt, wird sehr komplex, wenn es ambitioniert gespielt wird. Während reine Freizeitspieler*innen den Sport ohne Einschränkungen ausüben, gibt es bei Wettkämpfen unter anderem eine No-Hit-Zone. Diese läuft kreisförmig um das Netz, hat einen Radius von 90 Zentimetern und darf beim Spike nicht betreten werden. Klara und Saymon üben, wie sie am besten über diese Zone fallen können, ohne diese zu berühren, um den Ball möglichst nah am Netz schlagen zu können. Das klingt schwierig und ist es auch. Außerdem werden Trickaufschläge und Aufschläge mit der schwachen Hand geübt, damit das andere Team nicht weiß, worauf es sich einstellen muss.

Die "No-Hit"-Zone ist durch einen Kreis um das Netz herum markiert.

Die “No-Hit”-Zone ist durch einen Kreis um das Netz herum markiert.

Neben verschiedener Aufschlagsarten übt Saymon am liebsten den Bodyblock. Der Angriff des anderen Teams soll dabei möglichst nah am Netz mit dem Körper geblockt werden. Timing und Positionierung sind alles. “Es gibt einem ein tolles Gefühl, wenn man einen Angriff des Gegners blockt und den Ball so im Spiel hält.”

Ein Sport für alle

Saymon versucht, einen weit geschlagenen Angriffsschlag des Gegners abzuwehren und den Ball in der Luft zu halten.

Saymon versucht, einen weit geschlagenen Angriffsschlag des Gegners abzuwehren und den Ball in der Luft zu halten.

“Wir haben heute Leute hier, die spielen zum ersten Mal Roundnet, Leute, die immer mal wieder spielen und andere, die jede Woche kommen”, erklärt Klara während des Trainings. Zum Termin erscheinen meist zwischen 10 und 20 Studierende, um in der warmen Jahreszeit am Rhein neben dem Freibad Oberwerth zu trainieren. Seit Oktober 2022 gehört Roundnet Rheinwiesen Koblenz zum Sportverein CTG Koblenz. Während der kälteren Monate findet das Training in einer Sporthalle in Rauental statt.

“An erster Stelle steht der Spaß”, erklärt Saymon, “Wer allerdings gar keine Ambitionen hegt, taktisch und technisch besser zu werden, spielt besser abseits des Trainings.” “Abseits des Trainings” heißt quasi immer. “Gespielt wird so gut wie jeden Tag”, freut sich der Lehramtsstudent. “Die Organisation läuft über eine WhatsApp-Gruppe mit über 160 Mitgliedern. Darüber finden sich immer mindestens vier Leute zum Spielen.”

Zomieball, Hasenhüpfer und individuelle Hilfestellung

Beim Training haben Klara und Saymon alles im Griff. Nach spielerischem Aufwärmen durch Zombieball oder Hasenhüpfer haben die Trainer*innen bei der Technikschulung alles im Blick und geben individuelle Hilfestellung. Heterogenität wird großgeschrieben. Während erfahrenere Spieler*innen zum Beispiel Trickaufschläge üben, probieren andere fürs Erste das Treffen des Balls im Stand. Anschließend folgt das Highlight: einfach Spielen, bis Ball und Netz die letzte Energie aufgesaugt haben.

Schachanleihen und die Deutsche Meisterschaft

Auf der Deutschen Meisterschaft war noch keiner aus der Koblenzer Gruppe. Doch sie arbeitet hart an der Qualifikation. “Ein klassisches Elo-Raiting-System bestimmt, wer teilnehmen darf und wer zu Hause bleiben muss”, erklärt Saymon. Das bedeutet: Jedes Team bekommt bei offiziellen Turnieren für jedes Spiel Plus- oder Minuspunkte, die mit allen anderen Spielen verrechnet werden. Alle Teams haben eine fortlaufende Bewertung, die ihre Spielstärke abbildet. Bekannt geworden ist dieses System durch Schach. Nicht nur die Mannschaften, auch alle Spieler*innen haben ein individuelles Elo-Raiting.

Die Deutsche Roundnet-Meisterschaft 2022 fand am 13. und 14. August in Kiel statt. Und zum ersten Mal waren auch Spieler*innen aus Koblenz dabei. “Von uns fahren aktuell regelmäßig drei Leute auf offizielle Turniere in Deutschland, um sich zu qualifizieren”, erklärt Saymon. Und das hat sich diesen Sommer gelohnt. Beide waren in Kiel dabei. Klara wurde sogar Zweite bei den Frauen.

Interesse bekommen? Dann wirf doch einen Blick auf die kommentierten Highlights der Deutschen Meisterschaft 2021. Das Training findet den Winter über in einer Halle statt. Infos dazu findet ihr auf den Seiten des CTG Koblenz.

Jan Luca Mies

 

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